Die Macht der Netzbetreiber

Bassumer Energiegenossenschaft möchte eigenen Strom aus dem eigenen Netz

Bassum - Von Frauke Albrecht. Den Traum von eigenen Stadtwerken hat die Bassumer Energiegenossenschaft nicht aufgegeben. Hinter den Kulissen arbeitet der Vorstand intensiv an einem Konzept, um die Stadt Bassum und deren Bürger von den Vorteilen zu überzeugen – allen voran Stefan Seltmann. Der Vorstand habe aus den „Fehlern“ der Vergangenheit gelernt und möchte besser vorbereitet sein.

2012/2013 wollte die Energiegenossenschaft mit am Verhandlungstisch um neue Konzessionsverträge für Strom und Gas sitzen. Doch man ließ sie nicht, wie sie wollte. Zumindest hatte die Gruppe das Gefühl, dass die Stadt sie als Verhandlungspartner nicht ernst nimmt. Am Ende verlängerte die Stadt die Verträge mit Eon-Avacon, ließ sich aber ein Sonderkündigungsrecht einräumen.

„Wenn wir etwas ändern möchten, müsste der Vertrag nach acht Jahren gekündigt werden, um nach zehn Jahren neue Verträge schließen zu können“, so Seltmann. Das wäre 2021.

Um Rat und Verwaltung ein überzeugendes Angebot unterbreiten zu können, hat sich die Energiegenossenschaft verstärkt: Jüngst traf sich der Vorstand mit dem Dienstleister Nordgröön aus Medelby, der Firma Enertrag aus Brandenburg sowie mit Vertretern des Instituts für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) aus Berlin. Seltmann: „Es ist zu früh für Details.“ Langfristige Ziele aber könne er nennen.

Die Energiegenossenschaft arbeitet unter anderem daran, ihren Mitgliedern eigenen Strom anzubieten – und das vergünstigt. Die Warenrückvergütung soll es möglich machen, dass die Genossen den Strom 4,5 Cent günstiger bekommen. Sie sparen die 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Seltmann: „Es lohnt sich also, bei uns einzutreten.“ Gezahlt werden muss eine einmalige Einlage in Höhe von 1000 Euro, die verzinst wird. Derzeit zählt die Energiegenossenschaft lediglich 40 Personen.

Seltmann glaubt, den Grund zu kennen: „Es ist uns in den vergangenen Jahren nicht gelungen, ein neues Projekt umzusetzen.“ Das Bürgerwindrad im Windpark an der L 776 platzte, ebenso die Photovoltaikanlage auf der Sporthalle in Nordwohlde.

Nun wagen die Energiegenossen einen neuen Anlauf in Sachen Windrad: „Wir haben mit zehn Personen eine KG gegündet. Unser Ziel ist es, am Ausschreibungsverfahren zum geplanten Windpark Rüssen-Barnstorf teilzunehmen.“

Bürgerwindrad in Planung

Die KG möchte dort ein eigenes Windrad errichten und Bürgern eine Beteiligung bieten. „Das hatten wir schon in Hollwedel vor. Aber weil damals die übrigen Windparkbetreiber die Poolbildung und somit die Risikominimierung aufgekündigt hatten, und zudem der Nabu mit einer Klage drohte, ist daraus nichts geworden.“

Ein Windkraftrad der neuen Generation kostet etwa fünf Millionen Euro. Seltmann: „Wir hatten 145 Anleger in der Warteliste mit 1,45 Millionen Euro Eigenkapital. Den Rest hätten wir finanziert.“

Sobald die Energiegenossen eigenen Strom produzieren, kommt die Firma Nordgröön ins Spiel. Der Dienstleister kauft den Strom aus erneuerbaren Energien direkt vor Ort von Direktvermarktern – also von Windparkbetreibern oder Biogasanlagenbesitzern – und verkauft diesen wieder an die Kunden aus der Region.

Wenn die Stadt dann noch eigene Netze hätte, wäre die Welt für Seltmann fast in Ordnung. „Wer die Netze hat, hat Macht“, sagt er. Strom werde an der Börse mit drei Cent gehandelt, die Durchleitungsgebühr allein betrage sieben bis acht Cent.

Seltmann hat ein großes Ziel vor Augen: „Die Erde kann pro Einwohner nur 2,5 Tonnen CO2 verkraften. Wir liegen derzeit bei 10 bis 12 Tonnen, darin sind die Konsumgüter, die aus dem Ausland kommen, nicht mitgerechnet. – Wir brauchen dringend mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Auch für die Sektorenkopplung, für die Mobilität und die Wärme zu Hause. Bisher ist die sogenannte Energiewende nur eine Stromwende.“

Rubriklistenbild: © dpa

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