Bassumer Bürgermeister zieht Halbzeitbilanz

Christian Porsch: „Man lernt, auf sich selber aufzupassen“

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Seit vier Jahren ist Christian Porsch Bassums Verwaltungschef. Drei Jahre warten noch auf ihn. Im November 2021 endet seine Amtszeit. Seine Halbzeitbilanz fällt positiv aus.

Bassum – Von Julia Kreykenbohm. Das war schon eine kleine Umstellung. Auf einmal hieß es nicht mehr: „Ah, da kommt der Herr Porsch!“ sondern: „Da kommt der Bürgermeister.“ Christian Porsch schmunzelt, als er an seine erste Zeit im Amt zurückdenkt. Das positive Ansehen habe ihn überrascht. An die Aufmerksamkeit habe er sich erstmal gewöhnen müssen. Seit vier Jahren ist er nun Bassums Verwaltungschef, drei Jahre warten noch auf ihn. Im November 2021 endet seine Amtszeit. Könnte er sich vorstellen, nochmal zu kandidieren? Dazu möchte Porsch sich noch nicht äußern. „Zunächst werde ich das mit meiner Familie besprechen und das Ergebnis ein Jahr vor Ende der Amtszeit bekannt geben.“

Aber um es vorwegzunehmen: Das Bürgermeister-Sein macht Porsch noch immer großen Spaß. „Ich hatte auch vorher einen tollen Beruf, aber das hier ist nochmal eine Steigerung. Ich habe nie gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war.“ Vor allem liebt er die Vielseitigkeit, die das Amt bietet.

2014 trat er mit der Vorstellung an, gemeinsam mit anderen die Geschicke Bassums zu gestalten. Er habe durch seine Parteilosigkeit zeigen wollen, dass er für alles offen sei und jeden ernst nehme. Er habe gehofft, dass dies auch so erkannt werde. „Diese Hoffnung hat sich erfüllt“, sagt Porsch. Der Umgang im Rat sei respektvoll und man tausche sich viel aus. „Ich bin sehr zufrieden. Wir sind uns nicht immer einig, aber das ist auch gut so.“

Von großem Belastungen überrascht

Was er hingegen unterschätzt habe, sei der anstrengende Alltag eines Bürgermeisters, der sowohl an den psychischen als auch an den körperlichen Kräften zehre. „Mir war klar, dass ich auch am Wochenende viel zu tun haben würde. Aber wie viele Entscheidungen getroffen werden müssen und das man immer vorneweg gehen muss, sieht man erst, wenn man im Amt ist.“

Als Chef von 140 Mitarbeitern lernte Porsch schnell: Man kann nicht Jedermanns Liebling sein und alle Wünsche erfüllen. „Ich habe kein Problem damit. Das wichtigste ist für mich, dass ich mit mir im Reinen bin und keine Entscheidung leichtfertig treffe.“ Er lernte, Prioritäten zu setzen und auf sich selber aufzupassen – denn im Amt eines Bürgermeisters bestehe bei all den Terminen die Gefahr, auszubrennen. „Ich nehme mir Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Auch meine Familie erdet mich und passt auf.“

Diese kleine Statue steht für die Weitsicht. Christian Porsch bekam sie bei seinem Amtsantritt von seinem ehemaligen Chef Andreas Nieweler von der AWG geschenkt.

Als Team sind wir stark, lautet Porschs Devise. Sowohl mit seinen Mitarbeitern als auch mit den Ratsmitgliedern und den Bürgern. Aus diesem Grund ist der Stadtentwicklungsprozess für ihn ein Höhepunkt seiner Amtszeit. Das gemeinsame Wirken, Sprechen und Entscheiden sei etwas besonders. Doch auch kleine Dinge im Alltag bleiben ihm im Gedächtnis. „Als wir die Wege im Stiftspark neu gemacht haben, haben einige ältere Bassumer mich angerufen und mir gesagt, dass sie glücklich darüber sind. Und dann freue ich mich auch, allein schon, dass die Leute sich die Mühe machen und anrufen“, so Porsch.

Auch kuriose Anfragen bleiben nicht aus

Doch natürlich gibt es auch einige Kuriositäten, die ein Bürgermeister erlebt. „Eine Frau kam zu mir, weil ein Brötchenstand in einem Supermarkt im Eingangsbereich stünde. Ob ich da nicht etwas tun könne“, erinnert sich Porsch und schmunzelt. Einige Bürger wüssten nicht genau, was in seinen Zuständigkeitsbereich fällt – aber trotzdem versuche er zu helfen. „Denn diese Anliegen beschäftigen die Bürger ja, sonst würden sie ja nicht auf mich zukommen.“

Was ihn hingegen geärgert hat, ist eine Erfahrung, die er mit den Medien 2015 machen musste. Damals brannte ein Haus in der Brakstraße, dass die Stadt für Flüchtlinge angemietet hatte. Diese Tatsache habe bei einigen Pressevertretern schon gereicht, um ein ausländerfeindliches Motiv zu wittern. „Vor allem eine Reporterin trat sehr aggressiv auf. Ich sagte ihr, dass es in Bassum eine gute Willkommenskultur gebe und sie hakte gleich nach, ob ich das brennende Haus als gut bezeichnen würde – dabei stand noch gar nicht fest, ob es ein Unglück oder Absicht war“, berichtet Porsch.

Am Ende stellte sich heraus, dass es wirklich ein Defekt gewesen war. Aber der Schock über das Auftreten der Medien hallt bis heute in Porsch nach. „Man wurde gleich in eine Ecke gedrängt, ich war erschrocken, wie schnell das geht.“

Viele wichtige Projekte auf den Weg gebracht

Glücklich macht ihn hingegen, dass viele Projekte, die er sich aufs Banner geschrieben hat, inzwischen auf den Weg gebracht worden sind. „Wir machen unsere Spielplätze attraktiver und stärken die Ortschaften, in dem wir Wohnflächen ausweisen oder Krippen bauen. Wir haben bezahlbaren Wohnraum geschaffen, wie in der Mittelstraße oder der Agnes-Schlu-Straße.“

Für die Zukunft steht die Aus- und Fortbildungswerkstatt, der Breitbandausbau und das neue Verkehrskonzept auf seiner To-do-Liste. Auch um die Sulinger Straße und das neue Gewerbegebiet möchte der Verwaltungschef sich kümmern. Immer gemeinsam mit seinem Team, dem Rat und den Bürgern.

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