Bassumer Bürgerblock wird morgen 25 Jahre alt / Gerd Schlung und Walter Nüstedt haben den Verein gegründet

„In keiner Partei ist es so abgegangen wie bei uns“

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Helga Alves und Gerd Schlung (2.v.r.) zählen zu den Gründungsmitgliedern. Später kamen Hermuth Straßburg (l.) und Jürgen Laschinski (r.) dazu.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Mit Plakaten haben Gerd Schlung und Walter Nüstedt vor vielen Jahren an der Bremer Straße gegen die Verkehrsbelastung in der Innenstadt protestiert und den Verkehr lahm gelegt. „Die Polizei kam“, erinnerte sich Schlung. „Der Vorwurf lautete Widerstand gegen die Staatsgewalt“, schmunzelt der Ehrenvorsitzende des Bürgerblocks heute. Die beiden kamen mit einer Verwarnung davon.

Morgen feiert der Bürgerblock seinen 25. Geburtstag. „Und wenn ich zurückblicke, ist sehr viel passiert“, sagt Schlung.

Er hat den Verein zusammen mit Walter Nüstedt, Herbert Grafe, Helga und Günther Alves, Reinhard und Bernhard Danielsson sowie Franz Supe und Otto-Carl Hoffmann aus der Taufe gehoben.

„Die Gründung ist einer Frage geschuldet“, erklärt Schlung. Er war damals CDU-Mitglied, von seinen Parteikollegen allerdings gebeten worden, auszutreten. Daraufhin fragte er Walter Nüstedt, FDP-Mitglied: „Warum gründen wir nicht einen eigenen Verein?“ Gefragt, getan. „Wir waren überdrüssig von der Erstarrung in den Ratsparteien und von der Klüngelei“, schildert Schlung. Schnell waren Mitstreiter gefunden. „Es herrschte große Unzufriedenheit.“

Für Helga Alves, lange Jahre Vorsitzende und seit kurzem Ehrenvorsitzende, war eines entscheidend: „Es sollte um die Sache gehen. Ein Verein der Vernunft.“

Man wollte verhindern, dass eine Partei alles entscheidet. Mittlerweile haben sich die Mehrheitsverhältnisse verändert. „Geklüngelt wird immer noch“, bedauert Alves.

Auf die Erfolge angesprochen, sagt sie: „Durch uns ist der Verwaltungsausschuss ratsoffen geworden.“ Das sei mit einer der ersten Anträge gewesen. Schlung ergänzt: „Früher war der VA geheim. Selbst die normalen Ratsleute erfuhren nichts über die Entscheidungen der Mitglieder. Man unterschied Ratsvertreter zu Pferde und zu Fuß.“

Auch die Bürgerfragestunde zu Beginn der Ausschusssitzungen habe der Bürgerblock eingeführt.

In der vereinseigenen Auflistung der Ergebnisse stehen außerdem Erhalt des Tierparks durch Gründung eines Fördervereins, Verkleinerung des Wegenetzes, Organisation der Ehrenamtlichkeit der Bücherei, Privatisierung von Aufgaben des Bauhofes, Einsatz zum Erhalt des Krankenhauses, Unterstützung des Naturbades sowie viele Ideen zur Verkehrsberuhigung.

„Wir haben den ersten Kreisel in Bassum beantragt und mussten uns lange als Kreiselfraktion belächeln lassen“, erinnert sich Alves.

Schlung handelte sich den Spitznamen „Straßenbeleuchtungspolitischer Sprecher“ ein, weil er sich für die Bezuschussung von Sparlampen eingesetzt hatte. Er nimmt es mit Humor: „Ich war in Sachen Umwelt anderen schon immer weit voraus.“

Zwei weitere Personen haben den Bürgerblock maßgeblich geprägt: Walter Nüstedt und Jochen Löschen. Löschen, früher CDU-Mann, kam 1996 dazu. Schlung: „Jochen hat dem Bürgerblock wirklich gut getan. Er war fleißig, ein Kämpfer, ein richtig harter Streiter, der nicht locker gelassen hat. Er war ein Unikat.“ Und er habe für neue Mitglieder gesorgt. Durch ihn seien beispielsweise der Vorsitzende des Vereins Jürgen Laschinski und der Fraktionschef Hermuth Straßburg zum Bürgerblock gekommen.

, erinnert sich auch Helga Alves an so manche heftige Diskussion. „Aber immer zählte die Meinung der Mitglieder. So ist es heute noch.“

Walter Nüstedt war der ruhige Gegenpol zu Jochen Löschen. „Ein Urgestein mit fundiertem Wissen. Schade, dass er nicht mehr aktiv Politik macht“, bedauert Alves.

Umso wichtiger sei es nun, neue Mitglieder zu werben. Schließlich soll es mit dem Bürgerblock auch die nächsten 25 Jahre weitergehen. „Und die Kommunalwahl steht an“, blickt Jürgen Laschinski in die Zukunft. „Unser Ziel: „Wir wollen zweitstärkste Fraktion werden.“

Auf eines sind die 33 Mitglieder besonders stolz: Bürgermeister Christian Porsch kommt aus ihren Reihen. Er war Fraktionschef. „Als Joke haben wir damals in unsere Satzung mit aufgenommen, dass der Bürgermeister zum erweiterten Vorstand gehört“, schmunzelt Alves. „So ist es gekommen.“

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