Bassumer Bestatter

Corona verändert die Trauerkultur

 Leere Bassumer Kapelle.
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In der Bassumer Kapelle dürfen 40 Personen gemeinsam trauern.

Bassum – Ein Trauerfall bedeutet ohne Frage eine Ausnahmesituation. Die Pandemie macht den Weg zur letzten Ruhestätte allerdings noch komplizierter. Die Anzahl der Angehörigen, die bei der Trauerfeier dabei sein dürfen, ist begrenzt. Auf Kondolenzgesten sollte besser verzichtet werden und selbst am Grab gilt die Maskenpflicht. Auch auf den Friedhöfen in Bassum, Neubruchhausen und Nordwohlde stellen die Vorschriften Trauernde, die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung und Bestatter vor Herausforderungen.

Die Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem Corona-Virus im kirchlichen Leben kommen von der Landeskirche in Hannover. Jede Friedhofsverwaltung ist daraufhin in der Verantwortung, die Maßnahmen an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen und zu kommunizieren. „Jede Friedhofsverwaltung oder Kirchengemeinde legt die Grenzen zur Auslastung der Kapellen selbst fest“, erklärt Petra Haase von der Bassumer Friedhofsverwaltung. In Bassum dürfen ihr zufolge aktuell 40 Personen in der Kapelle an einer Trauerfeier teilnehmen. Im Atrium ist Platz für weitere 15 Personen. Die Bestuhlung ist dabei fest vorgeschrieben und unveränderlich. „Darüber hinaus ist eine Übertragung der Trauerfeier per Lautsprecher für Personen im Außenbereich möglich“, ergänzt Haase. Die Bestatter stehen im ständigen Austausch mit den Mitarbeitern der Kirchengemeinden, um die Infos tagesaktuell weitergeben zu können.

Trauerfeiern nur noch im engsten Familienkreis

„Der Tod war schon immer ein Thema, über das in der Öffentlichkeit eher wenig gesprochen wird“, sagt Stefan Grössl, Geschäftsführer des Bassumer Bestattungshauses Schröder & Hillmann. Doch durch Corona werde es noch weiter verdrängt. „Trauerfeiern finden nur noch im engsten Familienkreis statt und es fällt vieles weg“, so Grössl. Man müsse deshalb aufpassen, dass die Trauerkultur erhalten bleibe, meint er unter anderem mit Blick auf die Kaffeetafeln.

„Wenn in aller Stille getrauert wird, fehlt die mentale Stärkung“, hat auch Petra Haase beobachtet. Es gebe aber auch Familien, die über eine Beisetzung im kleinen Rahmen froh seien. „Da muss man die Wünsche akzeptieren“, sagt Haase. Sie bedauert, dass Freunde, Bekannte und Nachbarn häufig den Termin der Beisetzung nicht mehr erfahren. „Viele rufen dann bei mir an und fragen nach den Zeiten. Aber ich darf diese Auskunft nicht geben“, erklärt die Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung. Weiterhin muss bei einer Trauerfeier in Bassum im Vorfeld eine Liste mit den anwesenden Angehörigen erstellt werden, die im Anschluss zwei Wochen lang zwecks Kontaktnachverfolgung aufbewahrt wird.

„Wenn in aller Stille getrauert wird, fehlt die mentale Stärkung.“

Während die Bestatter vor der Pandemie in die Trauerhäuser kamen, werden die Gespräche beim Bestattungshaus Schröder & Hillmann heute im Büro des Instituts geführt. „Hier haben wir die Möglichkeit, alles zu desinfizieren, und die nötigen Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen“, sagt Grössl und deutet auf die durchsichtigen Trennwände an seinem Schreibtisch. Diese erlauben es dem Bestatter, auch ohne Maske mit den Hinterbliebenen zu sprechen. Das sei in der emotionalen Situation enorm wichtig. Außerdem dürften nur noch die engsten Angehörigen beim Trauergespräch dabei sein. „Wenn sich weitere Leute einbringen wollen, können wir diese per Telefon dazu schalten“, erklärt Grössl, dass es an kreativen Ansätzen nicht scheitere. So habe es einen Quarantänefall bei den Hinterbliebenen gegeben, erinnert er sich, bei dem er die nötigen Unterlagen in einem Beutel an den Gartenzaun gehängt habe.

Schutzmaßnahmen habe man in besonderen Fällen schon immer getroffen, erinnert sich Grössl und nennt unter anderem Tuberkulose und Krankenhauskeime als gefährliche Erreger, vor denen sich die Bestatter mithilfe von Spezialanzügen beim Umgang mit den Toten schützen. „Doch in diesem Ausmaß kannten wir das vorher nicht.“ So haben die Themen Desinfektion und Eigenschutz dem Bestatter zufolge einen größeren Stellenwert. „Der Verbrauch an Desinfektionsmittel ist enorm gestiegen“, sagt er. Außerdem gelte die Regel, dass Stefan Grössl und Bernd Meyer als zweiter Geschäftsführer am Firmensitz in Harpstedt Coronafälle persönlich übernehmen, um die Ansteckungsgefahr für die Angestellten so gering wie möglich zu halten.

„Als es mit Corona losging, war es recht holprig. Aber es wird besser“, so Grössls Fazit. Dennoch weise er die Familien stets darauf hin, dass man jederzeit mit Einschränkungen rechnen müsse.

Bestatter: „Die Auflagen fordern uns.“

Ähnliche Erfahrungen hat Rolf Felske vom Bassumer Beerdigungs-Institut BaBeIn gemacht. „Wenn etwa die Angehörigen aus einem anderen Bundesland kommen, kennen sie sich mit den hier geltenden Corona-Regeln gar nicht aus. Das kann zu Problemen führen“, berichtet Felske. Überhaupt gebe es viele Unsicherheiten und Gesetze, die seinen Arbeitsalltag erschweren. „Die Trauerbegleitung hat sich mit Corona auf jeden Fall verändert. Die Auflagen fordern uns“, so Felske. Dennoch sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Vorgaben einzuhalten.

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