Spezielle Zonen geplant

Elterntaxis an Grundschule Mittelstraße: „Eine katastrophale Situation“

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Wenn die Busse vor den Eltern da sind, finden sie ihren Platz. Ansonsten wird es kritisch.

An einer Grundschule in Bassum herrscht morgens und mittags regelmäßig „eine katastrophale Situation“ - immer dann, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule bringen und wieder abholen. Das soll sich nun ändern.

Bassum - Der Mann sitzt in seinem dunklen Auto und spielt am Smartphone. Der Motor ist aus. Dass er gerade im eingeschränkten Halteverbot steht, also maximal drei Minuten hier halten darf, scheint ihn nicht zu kümmern. Ein Bus biegt in die Mittelstraße, um Kinder der Grundschule abzuholen. Zwei Busse stehen bereits auf der Busspur. Doch der dritte kann sich nicht hinter den anderen einreihen, weil das dunkle Auto im Weg steht.

Die Fahrerin hupt. Der Mann blickt auf und setzt ein Stück zurück. Nun steht er auf einer Fläche, die ebenfalls freigehalten werden soll, wie Markierungen zeigen. Die Busfahrerin müht sich, an den Bürgersteig zu kommen, doch der Platz reicht wegen des dunklen Wagens noch immer nicht aus. So bleibt der Bus halb auf der Straße stehen und blockiert sie für die übrigen Verkehrsteilnehmer. Der Mann tippt weiter, bis ein Kind die Hintertür aufreißt und einsteigt.

Die Lehrerin, die gerade Aufsicht führt, schüttelt nur den Kopf: „Unglaublich!“ Auch Schulleiterin Birgit Timmerberg ist jedes Mal wieder fassungslos, wie sich manche Eltern beim Abholen ihrer Kinder verhalten. Doch sie ist auch der Meinung, dass bei vielen keine böse Absicht dahinter steckt. „Manche wissen einfach nicht, wo das eingeschränkte Halteverbot beginnt und wo es endet. Denen musste ich die Bedeutung der Pfeile erklären. Ebenso ist einigen nicht bewusst, dass sie ihre Kinder hier nur ein- und aussteigen lassen dürfen. Wir hatten eine Mutter, die wurde sogar zur Dauerparkerin, in dem sie ihr Kind zur Schule brachte, das Auto stehen ließ, zur Arbeit ging und das Kind nach Schulschluss wieder abholte.“

Eltern gefährden die Sicherheit der Kinder

Mit ihrem Verhalten gefährden die Eltern an der Mittelstraße vor allem die Sicherheit der Kinder, die den Bus nutzen. „Sie parken auch auf der Bushaltespur. So können die Busse die Schule nicht mehr anfahren oder rangieren“, erzählt Birgit Timmerberg. Doch auf der Straße halten und die Kinder rauslassen, ist den Busfahrern nicht erlaubt, weil das viel zu gefährlich sei.

Ein Busfahrer, der vor der Schule auf seine kleinen Fahrgäste wartet, bestätigt das. „Wenn man recht früh hier ist, geht es. Aber in der Regel ist es gang und gäbe, dass auf der Busspur geparkt wird.“ Er schaut zu einer Frau, die gerade den Tornister ihrer Tochter im Kofferraum verstaut. Der Wagen steht deutlich auf der Spur, die für Busse freigehalten werden soll. „Wenn man die Eltern darauf anspricht, gibt es meistens blöde Kommentare“, erzählt der Fahrer. „Aber es gibt auch Ausnahmen.“

Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße hat keinen Fußweg

Beinahe noch gefährlicher sind die Elterntaxis an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, denn da gibt es im Gegensatz zur Mittelstraße nicht einmal einen Fußweg, auf dem die Kinder sicher sind. Dort sind Parkbuchten ausgewiesen, der Rest ist absolutes Halteverbot – was manche Eltern auch nicht kümmert. Einige stellen sich auch vor die Einfahrt der Feuerwehr. „Ich will nur eben mein Kind abholen“, sei eine Standardantwort. „Andere halten hinter den besetzten Buchten, und wenn dann jemand rausfahren will, geht das Rangieren los. Und die Kinder laufen zwischen den Autos umher“, so Timmerberg. Sie fürchtet sich vor dem Tag, an dem mal etwas passiert.

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Besonders schlimm sei es immer bei schlechtem Wetter und vor den Ferien: „Dann geht nichts mehr.“ Appelle verhallten ungehört, Schilder an der Schule, auf denen steht „Ab hier schaffe ich es alleine“ verfehlen ihre Wirkung. „Wir wollten damit den Eltern klar machen, dass es nicht nötig ist, sein Kind bis in den Klassenraum zu bringen“, sagt die Schulleiterin.

Elterntaxi-Absprachen können bereits helfen

Es müsse etwas passieren, um die Situation zu entschärfen. Dass man manchmal schon mit Absprachen etwas bewirken kann, zeige die Regelung in Neubruchhausen. „Da haben wir uns mit den Eltern darauf verständigt, dass sie die Schule nur noch wie eine Einbahnstraße anfahren – obwohl die Straße keine ist. Aber es funktioniert gut.“

Für die Grundschule Mittelstraße hofft Timmerberg nun auf Hilfe von Politik und Verwaltung. Aus diesem Grund hat sie auf eine Initiative des Landkreises Diepholz hingewiesen, bei der es darum geht, spezielle Zonen im Umfeld der Schule einzurichten, in denen die Eltern ihre Kinder absetzen und -holen können. Ordnungsamtsleiter Andreas Abelt stellte diesen Vorschlag auf der Sitzung des Ausschusses für öffentliche Sicherheit und Ordnung vor. Zuvor hatte Eike Sellmer von den Grünen noch die „katastrophale Situation“ vor der Schule und auch dem Kindergarten Kinderreich angesprochen und nachgefragt, ob es Ideen gebe, etwas zu ändern. „Wir haben vor, zwei Zonen für die Grundschule einzurichten“, so Abelt. „Wir müssen das nur noch genauer planen. Eltern und Lehrer sollen ins Boot geholt werden. Jeder muss dahinterstehen, damit es funktioniert. Wir gehen da aber jetzt ran und wollen das bis spätestens Frühjahr 2020 umgesetzt haben.“

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