Corona erschwert Nachwuchs-Suche

Unternehmen und Azubis finden nicht zueinander

Auszubildende der Firma Stelter werden in der Aus- und Fortbildungswerkstatt geschult. Das Unternehmen hat noch Plätze für weitere junge Leute frei.
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Auszubildende der Firma Stelter werden in der Aus- und Fortbildungswerkstatt geschult. Das Unternehmen hat noch Plätze für weitere junge Leute frei.

Corona wäre nicht Corona, wenn es nicht auch beim Thema Ausbildung vieles durcheinanderbringen würde. Am 1. August sind viele junge Leute ins Berufsleben gestartet. Doch viele Stellen sind auch leer geblieben.

Stand Ende Juli 394 im Landkreis Diepholz. Schon die Suche nach den Azubis gestaltet sich durch die Pandemie und ihre Folgen sehr schwer, erklärt Derya Vurgun, Netzwerkkoordinatorin von „taff – technische ausbildung für fachkräfte“. Der gemeinnützige Verein betreibt die Aus- und Fortbildungswerkstatt in Bassum, wo Betriebe aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus ihre Azubis hinschicken können.

„Wir konnten zwar die Planzahl von 21 Plätzen erfüllen“, berichtet Vurgun, „aber nicht jedes unserer Mitgliedsunternehmen konnte seine Ausbildungsplätze besetzen. Andere haben dafür mehrere Jugendliche eingestellt.“

Freie Stellen bei Bassumer Betrieben in technischen Berufen

Bei den Unternehmen Stelter, A.H. Meyer und Sündermann werden noch junge Leute für den Beruf des Zerspanungsmechanikers, des Industriemechanikers und des Land- und Baumaschinenmechatronikers gesucht. „taff“ unterstützt die Betriebe dabei.

„Wir gehen in Schulen und sind auf Messen unterwegs. So zum Beispiel bei der Berufsinformationsbörse in Syke im Februar. Viele Azubis, die wir jetzt hier haben, kommen von dort. Wenn man erst mal mit den jungen Leuten ins Gespräch kommt, ergibt sich sehr viel. So desinteressiert, wie man immer annimmt, sind die Jugendlichen an den Berufen gar nicht.“

Doch dann kam Corona. „Da es keine Berufsorientierung an den Schulen und keine Messen mehr gab, hatten wir keine Chance, an die Jugendlichen heranzukommen und Kontakte zu knüpfen. Wir hatten zwar einen tollen Stand auf einer virtuellen Messe – aber die Besucher sind da eben nicht greifbar“, so Vurgun.

Berunfsinformationsbörsen und Schulbesuche fehlen als Werbefläche

Diese Problematik kann Jens Leßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg, bestätigen. „Es ist in diesem Jahr ungeheuer schwer, Betriebe und Jugendliche zusammenzubringen. Normalerweise sind wir an den Schulen oder auf Berufsinformationsbörsen. In den vergangenen Jahren waren wir auch viel an den Gymnasien, um Abiturienten für das Triale Studium zu gewinnen und hatten eine gute Resonanz. Das musste alles ausfallen und auch die Praktika konnten nicht so zahlreich angeboten werden wie sonst. Somit fehlen einfach der direkte Kontakt und die persönliche Ansprache.“

Die Folgen sind spürbar. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zu zehn Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse haben als in den Vorjahren“, so Leßmann. „Auf unserer Internetseite der Lehrstellenbörse sind für Bassum aktuell vier und für Twistringen acht freie Stellen aufgeführt. Allerdings werden dort nur Betriebe angezeigt, die sich auch anmelden. Sucht man im Umkreis von 20 Kilometern von Bassum, erscheinen 39 freie Stellen. 27 freie Stellen erscheinen im 20 Kilometer-Umkreis von Twistringen.“

Die Kreishanderwerkerschaft bemüht sich deswegen, den Nachwuchs auf neuen Wegen zu erreichen. Auf ihrer Homepage informiert sie über Berufe im Handwerk, hat beispielsweise einen Berufe-Checker eingerichtet, bei dem die Nutzer herausfinden können, welcher Job zu ihnen passen könnte. Aber das wiederum setzt mehr Eigeninitiative der künftigen Bewerber voraus. Außerdem möchte die Handwerkerschaft im August eine Telefonaktion mit der Agentur für Arbeit starten. „Wir rufen in den Haushalten an, in denen laut Statistik der Agentur noch ein Jugendlicher auf der Suche nach einem Platz ist. Bei diesem Anruf möchten wir ihnen die Möglichkeiten im Handwerk aufzeigen. Schließlich können Bewerber noch am 1. September oder am 1. Oktober einsteigen.“

Sehr gute Karriere-Aussichten im Handwerk

Und die Karriere-Aussichten seien sehr gut. „Es werden in den nächsten Jahren viele leitende Positionen frei, Inhaber suchen Nachfolger für ihre Betriebe. Und die Gesellenprüfung ist nur ein erster Schritt. Viele wissen vermutlich nicht, dass ein Meisterbrief zum Studium an einer Hochschule berechtigt“, so Lessmann.

Genaue Zahlen für Bassum und Twistringen liegen der Agentur für Arbeit zwar nicht vor, aber dass es deutlich weniger Bewerber gibt als im Vorjahr, kann Pressesprecherin Claudia Zimmermann bestätigen. „Das ist wohl auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen sind wir zum G9-Abitur zurückgekehrt, sodass Gymnasiasten fehlen. Zum anderen fehlt vermutlich vielen die Berufsorientierung. Außerdem sind auch die Betriebe etwas verhaltener, was die Ausbildung angeht, weil sie erst mal schauen müssen, wie es wirtschaftlich weitergeht.“

Von Julia Kreykenbohm

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