Bassum Talk über Tourismus / Studentin Julia Netzel präsentiert Analyse / Bürgermeister sieht Handlungsbedarf

Kleinstadt mit geringem Selbstwertgefühl

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Das Duo Goldilocks and the Nightingale überzeugte mit Folk.

Bassum - Von Maik Hanke. Großes touristisches Potenzial hat Bassum, aber das wird viel zu wenig genutzt. Das war die wichtigste Erkenntnis des Bassum Talk, zu dem das Kulturforum am Sonntag ins Vorwerk an der Freudenburg eingeladen hatte. Die meisten Bassumer wissen demnach selbst gar nicht, was sie an ihrer Stadt und den umliegenden Ortsteilen eigentlich haben.

Grundlage für die Diskussion war die Bachelor-Arbeit der Bremer Studentin Julia Netzel. Sie hatte das touristische Potenzial Bassums untersucht. Dazu hatte sie Bassumer und Nicht-Bassumer befragt, die Angebote analysiert und einen Vergleich zu den umliegenden Gemeinden gezogen (wir berichteten).

„Erstaunlicherweise“, sagte Netzel, hatten die Bassumer Bassum in der Umfrage besser bewertet als die Nicht-Bassumer. Das habe die Studentin verwundert, weil sie häufig die Erfahrung gemacht habe, dass viele Bassumer selbst nicht zufrieden mit dem Angebot vor Ort seien – oder das Angebot kaum kennen.

„Wir haben ein Angebot? Das wusste ich ja noch gar nicht“ und „Ist ja schon ganz schön langweilig hier“ seien oft Grundtenor der Bassumer gewesen. Auch Susanne Vogelberg, bei der Stadt zuständig für Tourismus, habe das geringe Selbstwertgefühl der Bassumer zu ihrer Stadt bemerkt. Es sei „auffällig, wie negativ das zum Teil ist“.

In der Umfrage besonders schlecht schnitten die Bereiche Shopping, Übernachtung und Kultur ab. Bestwerte gab es für Erholung, das Straßenfestival Piazzetta und den Tierpark.

Bassum habe viele weitere Alleinstellungsmerkmale wie das Stift oder die Freudenburg. Das Podium und einige der knapp 30 Zuhörer fanden auch lobende Worte für die schönen Rad- und Wanderwege. Viele Bassumer müssen die allerdings erst noch für sich entdecken.

Jürgen Laschinski, Ortsvorsteher in Albringhausen und Besucher beim Talk, ist es wichtig, Bassum nicht nur auf den Stadtkern zu reduzieren. „Bassum besteht nicht nur aus Bassum“, sagte er. „Bassum hat auch in der Fläche jede Menge kleiner Highlights.“ Ihm ist es wichtig, dass das zukünftig besser kommuniziert wird.

Kommunikation, das war sowieso die wohl wichtigste Handlungsempfehlung, die Julia Netzel in ihrer Arbeit herausgearbeitet hatte. Die Stadt muss dringend mehr Werbung betreiben.

Während die Bassumer kaum wissen, was es im Ort gibt, kennen Auswärtige, etwa aus Bremen, die Stadt nicht einmal. „Ich kannte Bassum vorher auch nicht“, gab die Bremer Studentin zu.

„Da müssen wir ran“, forderte Prof. Dr. Rainer Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Bassumer Grünen und Netzels Prüfer an der Hochschule Bremen. Er führte aus, dass Kommunikation aber nicht nur bedeutet, Flyer zu bedrucken. Viele Leute informieren sich heute im Internet und in den sozialen Medien. Das sei in Bassum „das nächste Problem“. Bürgermeister Christian Porsch stimmte zu: „Ganz klar, wir müssen da was machen und wir werden da was machen.“

Wichtiges Thema der Diskussion war auch die Innenstadt. Netzel bezeichnete sie als „ziemlich ausgestorben“. Die Stadt habe laut Rainer Hartmann allerdings nur wenig Einfluss auf die Entwicklung, schließlich sei sie auf private Unternehmer angewiesen, die Geschäfte betreiben wollen. Es sei „eine einfache Frage von Angebot und Nachfrage“. Nachfrage sei allerdings in Bassum kaum vorhanden.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Stadt Gewerbetreibende zumindest unterstützen kann.

Und eine Erkenntnis haben die Bassumer am Sonntag noch gewonnen: dass es noch viele gute unbekannte Musiker in der Gegend gibt. Das Bremer Duo Goldilocks and the Nightingale – Melanie Neuhöfer und der in Wedehorn verwurzelte Karsten Block – war beim Talk zu Gast und verzauberte das Publikum mit sanftem Folk und glasklaren Stimmen. Über die Kultur braucht sich Bassum also eigentlich gar keine großen Sorgen machen.

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