Bassum sucht Stellvertreter für Schiedsmann

Miteinander reden statt übereinander

Günter Kattau ist neuer Schiedsmann.
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Günter Kattau ist neuer Schiedsmann.

Günter Kattau war Stellvertreter für die erste Schiedsfrau Bärbel Wisloh in Bassum. Nun hat er ihr Amt übernommen und die Stadt sucht einen Stellvertreter für ihn. Kattau erzählt, was auf die Bewerber zukommt und was sie mitbringen sollten.

  • Amtsgericht verweist bei Nachbarschaftsstreit immer an die Schiedsleute.
  • Kommunikation löst viele Probleme.
  • Interessierte Bewerber sollten Spaß am Umgang mit Menschen haben.

Bassum – Viel Ärger könnte aus der Welt geschafft werden – wenn die Leute mehr miteinander reden würden. Das ist die Erfahrung, die Günter Kattau aus Bassum gemacht hat. Und er muss es wissen. Zwei Jahre war er Stellvertreter der ersten Schiedsfrau Bärbel Wisloh. Jetzt hat er ihr Amt übernommen. Und die Stadt Bassum sucht nun wiederum einen Stellvertreter für Kattau.

Günter Kattau wurde vor zwei Jahren durch eine Anzeige in der Zeitung auf dieses Amt aufmerksam. „Es klang interessant für mich, also habe ich angerufen und mich beworben.“ Kattau ist ein kommunikativer Mensch und mag es, Probleme auszudiskutieren. So bekam er das Ehrenamt übertragen.

Doch bevor er anfing, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten einzugreifen, nahm er an einer Pflichtschulung teil. Dort wurden ihm unter anderem ein paar Paragrafen aus dem Nachbarschaftsrecht vermittelt und Beispielfälle vorgestellt. Kattau hörte Vorträge eines Amtsgerichtsdirektors und einee Gerichtsvollziehers. Denn mit beiden hängt sein Ehrenamt zusammen.

Oft sprechen die Parteien nicht miteinander

„Wenn Leute sich wegen eines Nachbarschaftsstreits an das Amtsgericht wenden, verweist das immer zuerst an das Schiedsamt. Die Partei, die den Antrag stellt, meldet sich bei mir und ich biete an, vorbeizukommen. Das nennen wir Tür-und-Angel-Gespräch. Nachdem ich bei der ersten Partei war, suche ich die zweite auf und rede mit ihr.“ Auf diese Weise konnte Kattau schon viele Probleme lösen. Meist, weil sich herausstellte, dass der einen Partei gar nicht bewusst war, dass sie die andere mit ihrem Verhalten verärgert hat – da diese das Problem nie angesprochen hatte.

Kattau hat den Eindruck, dass es bei vielen Menschen offenbar eine Hemmschwelle gibt, Dinge offen anzusprechen, und die Fähigkeit, miteinander zu reden, immer mehr abnimmt. Die Nachbarschaft sei nicht mehr so intensiv wie früher, die Menschen kämen nicht mehr so oft ins Gespräch.

Sollte die erste Partei jedoch das Tür-und-Angel-Gespräch ablehnen, geht es gleich ins Schiedsverfahren. Das bedeutet, die Antragsteller zahlen 50 Euro Vorschuss, Kattau setzt sich mit beiden Parteien an einen Tisch und versucht, das Problem zu lösen. Darüber setzt er ein Protokoll auf.

In dem könnte beispielsweise stehen, dass Herr A. sich dazu verpflichtet, seine Hecke regelmäßig zu stutzen, damit sie nicht mehr in das Grundstück von Herrn B. hineinragt.

Gibt es keine Einigung, geht‘s zum Amtsgericht

Sind sich alle einig, wird das Protokoll von Kattau mit einem Dienstsiegel beglaubigt und ist damit rechtsverbindlich. Das heißt: Alle müssen sich daran halten. Klappt das nicht, greift der Gerichtsvollzieher ein.

Gibt es keine Einigung, fertigt Kattau auch darüber ein Protokoll an. Mit diesem Erfolglosigkeits-Protokoll kann der Antragsteller dann Klage beim Amtsgericht einreichen. Aber das ist Günter Kattau in den zwei Jahren nur einmal passiert. „Alle anderen Fälle konnte ich außergerichtlich regeln.“

Diese Erfolgserlebnisse motivieren Kattau dazu, sein Ehreamt weiter auszuüben. Außerdem macht es ihm Spaß, immer neue Leute kennenzulernen und ihnen vielleicht weiterzuhelfen. Besonders schön sei es, wenn die Menschen nicht nur ihren Streit beilegen, sondern sich vielleicht noch mehr aufeinander zubewegen, sodass am Ende vielleicht aus einst verfeindeten Nachbarn Freunde werden.

Grundsätzlich versuche ich immer, Verständnis für die jeweils andere Seite zu wecken.

Günter Kattau

Über konkrete Fälle darf Günter Kattau mit niemandem reden. Das musste er bei seiner Vereidigung beim Amtsgericht schwören.

„Eine Strategie, wie ich vorgehe, habe ich nicht. Das hängt immer von den Leuten und dem Fall ab“, sagt er. „Aber grundsätzlich versuche ich immer, Verständnis für die jeweils andere Seite zu wecken, in dem ich sage: «Wie würdest du dich fühlen, wenn die Hecke auf dein Grundstück wuchern würde?»“

Sein künftiger Stellvertreter sollte kommunikativ sein und Spaß am Kontakt mit Menschen haben. „Er muss immer unparteiisch sein und darf sich auf keine Seite ziehen lassen – was einige Leute natürlich versuchen. Die glauben, wenn man zu ihnen kommt, dass man das Ganze nun in ihrem Sinne regelt. Dann muss ich ihnen erklären, dass das nicht so laufen wird.“ Jura-Vorkenntnisse braucht man hingegen nicht.

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