Schnullerbaum im Tierpark Petermoor

Wenn der Trostspender zur Gefahr wird

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Auf dem Spielplatz am Göpel im Twistringer Ortsteil Stelle gibt es bereits seit einigen Jahren einen Schnullerbaum.

Bassum - Die Bilder, die Iris Nielsen zeigt, sind erschreckend. Ein fünfjähriges Kind hat den Mund geschlossen – und kann trotzdem seine Zunge herausstrecken, weil die vorderen Zahnreihen verkürzt sind und nicht schließen. Mögliche Folgen des sogenannten Offenen Bisses: Probleme beim Essen und Sprachstörungen. Kind und Eltern steht dann ein langer Leidensweg bevor, der sie zu Logopäden, Kieferorthopäden und manchmal sogar -chirurgen führt. Ein Leidensweg, der bei vielen vermeidbar wäre, glaubt Nielsen. Wenn die Eltern das Kind schneller vom Schnuller entwöhnen würden.

Die Sprachfachkraft der Bassumer Kindergärten macht sich Sorgen. Immer öfter bemerkt sie Kinder, die noch im fortgeschrittenen Alter mit Nuckel im Mund herumlaufen – mit gravierenden Folgen. „Von etwa 115 Kindern, die ich dieses Jahr in der Sprachüberprüfung hatte, haben nur rund 20 keine Auffälligkeiten gezeigt. Ein erschreckender Durchschnitt.“

Schon bei Säuglingen werde zum Schnuller gegriffen und später setze sich das fort, wann immer das Kind Laute von sich gebe. „Dabei wollen die Kleinen oftmals nur kommunizieren.“ Besonders fatal sei dies im Alter von eineinhalb Jahren, wo die Sprachentwicklung große Sprünge mache. „Da erlernen sie so viel“, sagt Britt Merdon vom Familienservicebüro der Stadt Bassum. „Sie bilden Silben und Laute. Doch das können sie nicht, wenn sie den Schnuller im Mund haben. Sie sprechen gehandicapt. Auch mit dem Schlucken und Kauen kann es Probleme geben.“ In Anbetracht dessen, was der „Trostspender“ anrichten kann, wenn er zu oft und lange genutzt wird, spricht Nielsen gar von „Körperverletzung“.

Sie empfiehlt, den Schnuller so wenig wie möglich einzusetzen. Natürlich sei das nicht bei jedem Kind so einfach, vor allem bei den sogenannten Schreikindern. Doch wenn er in Gebrauch ist, sollten Eltern ihn den Kleinen so früh wie möglich wieder abgewöhnen. „Ein Zweijähriger ist leichter abzulenken. Je älter das Kind wird, desto mehr wird dann diskutiert. Mit Beginn des dritten Lebensjahres sollte der Schnuller dann weg sein“, so Nielsen.

Dass der Abschied den Kindern nicht immer leicht fällt, wissen Nielsen und Merdon und haben sich deswegen etwas Besonderes ausgedacht:

Am Sonntag, 1. September, wird von 11 bis etwa 16 Uhr ein Schnullerbaum im Tierpark Petermoor eingeweiht. Das ist ein Baum, der bereits in der Nähe des Teiches steht. An ihm können die Kleinen ihren Schnuller hängen und sich damit von ihm endgültig verabschieden. „Wir wollen damit auch die Eltern auf die Thematik aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass ihr Kind schnell entwöhnt wird.“

Unterstützung bekommen sie dabei von den Bassumer Feuerwehrleuten, die die Knirpse und ihre Eltern mithilfe einer Hubbühne zu den Zweigen bringen. „Auch die Jugendfeuerwehr wird vor Ort sein“, verspricht Feuerwehrpressesprecher Dennis Heuermann. Die Organisatoren hoffen, dass der Anblick der roten Autos und der Brandbekämpfer in ihrer Schutzkleidung die Kleinen über den Abschied hinwegtröstet. Außerdem bekommt jedes Kind noch ein Buch geschenkt. „Wir wollen das Ganze als einen kleinen Familientag im Tierpark zelebrieren, der einmal im Jahr stattfindet“, erklärt Merdon. „Das Datum geben wir immer im Vorfeld bekannt. Es wird allerdings kein Event mit Essen und Trinken sein.“

Die Resonanz im Vorfeld sei schon sehr positiv gewesen, weiß Nielsen, die auf viele kleine und große Besucher hofft. Sie hat schon einen Vorrat an Baumwollfäden besorgt, mit denen die Schnuller in die Zweige gehängt werden sollen. Dort können die Kinder sie immer mal wieder besuchen, wenn sie im Tierpark sind. Doch zurückholen ist ausgeschlossen. „Da kommen sie nicht mehr ran, die sind dann weg“, sagt Merdon.

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