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Reparaturen und Repowering im Windpark Albringhausen

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Von: Anika Seebacher

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Im Windpark Albringhausen ist viel los, um die Arbeiten rechzeitig fertigzustellen.
Im Windpark Albringhausen ist viel los, um die Arbeiten rechzeitig fertigzustellen. © Westwind/Zumaya

Im Windpark Albringhausen laufen Reparaturarbeiten sowie das Repowering parallel. Die zehn neuen Anlagen sollen im Sommer 2023 fertiggestellt sein.

Albringhausen – Es ist ein nebliger Morgen. Von den Windkraftanlagen sind selbst aus der Nähe lediglich die Türme zu sehen. Der Rest bleibt im Grauschleier, die Rotoren stehen mangels Wind still. Doch im Windpark selbst sind Lastwagen, Bagger, Kräne und jede Menge Menschen unterwegs.

Zehn neue Windkraft-Anlagen werden gebaut, sieben alte überarbeitet

Zwischen 30 und 40 Fachkräfte arbeiten täglich im Windpark Albringhausen, sagt Andre Meyer, Projektleiter der Westwind Projektierung GmbH & Co. KG aus Kirchdorf. Das Unternehmen betreibt den Windpark, in dem aktuell mehrere Projekte laufen: Sieben Anlagen im Windpark Albringhausen I werden überarbeitet, im Windpark Albringhausen II erfolgt das Repowering mit zehn neuen Anlagen.

Wer in den vergangenen Wochen Detonationen in Albringhausen bemerkt hat, könnte die Sprengung der Betonsockel und Fundamente der demontierten Windenergieanlagen im Bereich des Windparks II, einst Windpark Bassum, mitbekommen haben. Denn dort laufen seit Mitte Januar vorbereitende Maßnahmen. „Wir müssen die Wege für den Schwerlastverkehr ausbauen und Flächen für die Kräne verfestigen“, erläutert Meyer die Arbeiten des Tiefbauunternehmers Koldewei aus Schwaförden. Darüber hinaus sind Fachkräfte damit beschäftigt, Drainagen um die künftigen Anlagen zu legen, da in dem Windpark laut Meyer nur wenig Gräben für die Entwässerung vorhanden sind.

Nachdem die alten Betonsockel der Windkraftanlagen gesprengt wurden, müssen Metallreste aus den Trümmern entfernt werden. Nur so lässt sich das Material im Anschluss weiterverarbeiten.
Nachdem die alten Betonsockel der Windkraftanlagen gesprengt wurden, müssen Metallreste aus den Trümmern entfernt werden. Nur so lässt sich das Material im Anschluss weiterverarbeiten. © Seebacher

„Den Betrieb der 13 alten Anlagen haben wir zum Jahreswechsel eingestellt“, sagt der Projektleiter des Kirchdorfer Unternehmens. Obwohl sie noch funktionsfähig sind, werden die Maschinen aus dem Jahr 2000 durch zehn neue ersetzt. „Da ist die Frage nach dem ökonomischen Sinn durchaus berechtigt“, findet Meyer. Doch dieser sei gegeben: „Wir bekommen am Ende nicht nur den fünffachen Ertrag bei der Energiemenge, sondern sparen auch deutlich bei den CO2-Emissionen.“

Westwind verkauft alte Anlagen nach Moldawien und in die Ukraine

Die alten Anlagen mit einer Nennleistung von 1,5 Megawatt und einer Nabenhöhe von fast 85 Meter können aus wirtschaftlicher Sicht noch weiter betrieben werden. Deshalb hat Westwind sie an Betreiber im Ausland verkauft. Zunächst transportieren Lastwagen die Teile in ein Zwischenlager nach Polen. Zu einem späteren Zeitpunkt, so der Plan, sollen die Windräder in Moldawien und der Ukraine wieder aufgestellt werden.

Durch den Neubau kommen zehn Anlagen mit einer Nennleistung von je 5,56 Megawatt und einer Nabenhöhe von rund 166 Meter in den Windpark. „Es entsteht ein vollkommen anderes Bild“, gibt Andre Meyer zu. Lauter seien die Giganten dabei keinesfalls. „Aufgrund der geringeren Drehgeschwindigkeit der Rotorblätter scheinen die Anlagen ruhiger zu laufen“, sagt der Westwind-Projektleiter.

Andre Meyer, Projektleiter
Andre Meyer, Projektleiter © Westwind/Zumaya

Weitere Neuerungen lassen sich ihm zufolge unter dem Aspekt bedarfsgerecht zusammenfassen. Einerseits werde künftig das rote Signalfeuer an den Köpfen nur noch eingeschaltet, wenn Hubschrauber oder Flugzeuge in der Nähe fliegen. „Das nennt sich bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung.“ Andererseits können die Anlagen bedarfsgerecht abgeschaltet werden, um so den Schutz des Rotmilans und anderer Greifvögel sicherzustellen. „Wir statten alle Anlagen noch vor der Brutsaison mit einem Detektionssystem aus“, sagt Meyer und erklärt, dass es sich dabei um einen Ring aus insgesamt 26 Kameras je Windrad handelt. Dieser wird am Turm angebracht und meldet über eine Künstliche Intelligenz, sobald sich ein Greifvogel nähert. „Dann wird die Anlage aus dem Wind gedreht.“

Die Testphase werde von einem Gutachter begleitet, die Erkenntnisse sollen anderen Windpark-Betreibern zur Verfügung gestellt werden. „Für uns sind der Umwelt- und Naturschutz wichtige Themen“, unterstreicht Meyer. „Wir wollen schließlich mit der naturnahen Stromerzeugung alle Facetten unter einen Hut bringen.“

Repowering im Windpark Albringhausen II soll im Sommer 2023 abgeschlossen sein

Bis Juni sollen die Vorbereitungen beendet sein, ab September startet der Turmbau. „Die ersten Anlagenteile werden zum Jahreswechsel fertig sein“, rechnet Meyer. Mit Blick auf den Gesamtzeitplan für das Repowering spricht er von einer Fertigstellung bis zum Sommer 2023.

An dieser Stelle soll künftig eine leistungsstärkere Windkraftanlage stehen. Dazu musste eine Bestandsanlage weichen.
An dieser Stelle soll künftig eine leistungsstärkere Windkraftanlage stehen. Dazu musste eine Bestandsanlage weichen. © Seebacher

Im Windpark Albringhausen I sind weitere Arbeiter beschäftigt. Sieben Anlagen vom Typ 5.3-158 des Herstellers General Electric gingen dort im Frühjahr 2021 ans Netz. Bei der abschließenden Inspektion wurde allerdings ein Chargenfehler festgestellt, der Reparaturarbeiten erforderlich machte. „Dafür müssen die Blätter und die Rotornabe abgebaut und die Kanzel heruntergeholt werden“, erläutert der Projektleiter.

Anfangs waren die Experten von 14 Tagen je Anlage ausgegangen. „Da waren wir allerdings zu optimistisch“, gesteht Meyer, „aus den 14 Tagen sind jetzt vier Wochen geworden.“ Alle anderen Windenergieanlagen produzieren aber trotz des Verarbeitungsfehlers Strom. „Das hat keine Auswirkungen auf die Produktion. Allerdings würde es die Lebensdauer beeinträchtigen, wenn wir den Fehler nicht beheben lassen“, erklärt Meyer, dass eine Anlage in der Regel für 25 Jahre konzipiert ist. Bei den ersten Anlagen sind die Fehler bereits behoben, bis Ende Mai sollen die Reparaturen beendet sein.

Doch wo bleibt die Energie der Anlagen, die Meyer als „kleines leistungsstarkes Kraftwerk“ bezeichnet? „Zunächst geht der Strom über unsere Trassen ins Umspannwerk nach Neuenkirchen.“ In dem 110-kV-Umspannwerk arbeiten Trafos neben dem Windpark Albringhausen auch Energie aus Twistringen auf. Schließlich speist Westwind gemäß des EEG den Strom ins Netz der Avacon.

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