Für BossHoss fehlen 20 Quadratmeter

Bassum Open Air: Warum die Organisator nicht jeden Wunsch-Act bekommen

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„Ohne meine Frau Gabi könnte ich die Arbeit nicht stemmen“, sagt Oliver Launer. Beide freuen sich auf das Konzertjahr 2020.

Über die Absage von Gianna Nannini war Oliver Launer, Organisator des Bassumer Open-Air-Festivals, schon etwas traurig. „Das wäre genau mein Ding gewesen“, schwärmt der 53-Jährige von der Rockröhre, die in den 70er- und 80er-Jahren zur Ikone wurde, aber auch heute noch Erfolge feiert. Das Nein war nicht etwa der Kleinstadt Bassum geschuldet.

Bassum - Ganz im Gegenteil. Das Festival hat sich mittlerweile einen Namen gemacht. „Vielmehr fehlt uns eine dritte Traverse“, erklärt Oliver Launer. Die Bühne im Park der Freudenburg biete zwar eine ganz besondere Atmosphäre, sie sei aber auch räumlich begrenzt. Was zum Beispiel auch zur Absage von The BossHoss führte. Zum großen Bedauern von Launers Frau Gabi. Sie hätte die Jungs gern in Bassum gehabt. „Die machen richtig Party!“

„Bei BossHoss fehlen genau 20 Quadratmeter Bühne“, sagt Launer. Bei Wincent Weiss, den das Ehepaar auch angefragt hatte, waren es 80 Quadratmeter. „Er hat seine gesamte Show auf die Fläche ausgelegt, uns stehen insgesamt nur 80 Quadratmeter zur Verfügung“, so Oliver Launer. Bei Foreigner scheiterte es an der Technik.

Wäre es da nicht sinnvoll, über eine Aufrüstung mitsamt Bühnenerweiterung nachzudenken? „Ehrlich gesagt, möchten wir vom Kopf her so frei bleiben, dass wir jederzeit aufhören können“, erklärt Launer.

Zum anderen könne auch jeder Künstler für sich entscheiden, sich einzuschränken. „Das hat beispielsweise Howard Carpendale getan“, erzählt der Bassumer. „Er ist mit einer viel kleineren Besetzung aufgetreten.“

Bassum Open Air: Saga verzichtet auf Teil der Gage

Saga verzichte in diesem Jahr sogar auf einen Teil der Gage. „Wir haben eine Mail bekommen, dass sie für das, was wir zahlen, eigentlich nicht auftreten. Aber da es ihnen das letzte Mal so gut gefallen hat, machen sie eine Ausnahme“, erzählt der Festivalbetreiber.

Viele Künstler genießen das Abenteuer Bassum: Zu Fuß zur Bühne gehen, direkter Kontakt zum Publikum, es gibt keinen großen Backstagebereich, dafür aber eine familiäre Atmosphäre. „Alle, die bisher da waren, haben gesagt, dass sie das toll fanden“, freut sich Launer.

Rea Garvey hätte sich in Bassum bestimmt auch pudelwohl gefühlt, ist er überzeugt. Aber der Gebietsschutz ließ einen Auftritt nicht zu. „Die Betreiber des Stoppelmarktes hatten Veto eingelegt.“ Garvey sollte dort auftreten. Ärgerlich sei, dass es dann dazu nicht gekommen war.

Exklusivität im hart umkämpften Festival-Markt

Zum Gebietsschutz: Dieser verbiete den Bands, zu bestimmten Zeiten vor und nach dem Festival sowie in einem bestimmten Umkreis woanders aufzutreten. Es gehe um Exklusivität im hart umkämpften Festival-Markt. „Auch der Deichbrand hat uns einige Absagen beschert“, bedauert Launer. Da aber genügend Künstler auf dem Markt seien, „sind wir mit der diesjährigen Besetzung mehr als zufrieden“. Wie bereits berichtet, sind 2020 unter anderem Milow, Level 42, Max Giesinger, Angelo Kelly and Family sowie die Schlagerkultstars Mia Julia Brückner, Tobee und Tim Toupet mit dabei.

„Wir sind da reingewachsen, haben aber auch Anfängerfehler gemacht“, blickt Launer zurück. „Auch bei den Agenturen gibt es weiße und schwarze Schafe. Uns wollte mal jemand richtig über den Tisch ziehen“, erzählt Launer. Die Verträge seien nicht ohne. „Viele Künstler sichern sich gegen alles ab. Eigentlich steht man immer mit einem Bein im Knast“, schmunzelt der Organisator. Doch das „Was wäre wenn...“ lässt ihn trotzdem gut schlafen. „Durch meine Verwaltungsausbildung kenne mich auch mit Gesetzestexten aus.“

Spontane Feier mit Klaus Lage

Dem Paar sei wichtig, mit den Künstlern klarzukommen. „Wir wollen selbst ja auch Spaß haben Es ist bei uns alles etwas familiärer und persönlicher. Das macht die Arbeit so besonders“, erzählt Launer. Und es gebe immer Überraschungen. So zum Beispiel eine spontane Feier mit Klaus Lage nach dem Konzert. Launer: „Der Auftritt war mein persönliches, musikalische Highlight 2019. Da haben alle gesagt, das war ein tolles Ding.“

Launer ist mittlerweile davon weg, den eigenen Geschmack in den Vordergrund zu stellen. „Wir können nicht nur Künstler engagieren, die wir mögen.“ Die 80er-Jahre seien nur für einen begrenzten Teil der Zuhörer interessant. „Wir brauchen immer mindestens einen, der Geld bringt. Dann können wir andere mit durchziehen.“

In diesem Jahr hat er zum ersten Mal die Werbung auch auf das Radio erweitert. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem die Bremer uns nicht kennen.“ In Radio Energy fand das Bassum Open Air einen Partner. Der Vorverkauf läuft. 2020 präsentiert das Ehepaar so viele Veranstaltungen wie noch nie. Insgesamt sind es elf Acts. „Wir blockieren drei Wochenenden. Da muss mich Gabi schon manchmal bremsen.“

„Bassumer haben gewisse Erwartungshaltung“

Aber Launer weiß auch: „Die Bassumer haben mittlerweile eine gewisse Erwartungshaltung.“ Deswegen gebe es die erste Schlagerparty. „Ich wollte mal für Abwechslung sorgen.“ Er sei immer offen für Vorschläge. Und so rannte Dagmar Finkmann von der Volksbank bei ihm offene Türen ein mit der Idee, etwas für die Jüngeren zu organisieren – ein Elektro-Festival. „Das wird alle vom Hocker reißen“, verspricht Launer. 

Neben den bereits genannten Stars gibt es weitere Höhepunkte: Bei Fans des Mittelalters hat die Gruppe Versengold einen Namen. Und noch drei weitere Auftritte sind eingetütet: Philharmonic Rock mit neuem Programm, die Musical Night mit Solisten und der Klassischen Philharmonie Nordwest sowie die Kiss Forever Band.

Launer freut sich, dass auch der Kreis der Sponsoren größer wird. Die Volksbank ist neu im Boot. Und auch die Stadt habe erkannt, „dass wir eine Marke sind, und unterstützen uns“.

Derzeit plant das Paar bereits das Festival 2021: Vier Konzerte sind schon eingetütet – die Namen bleiben allerdings erstmal geheim.

Mehr Informationen zu den Bands und Konzertterminen gibt es unter

www.bassum-open-air.de

Bassum Open Air: Das Programm

Freitag, 15. Mai: Kiss Forever Band (Festzelt in Osterbinde) 

Freitag, 5. Juni: Philharmonic Rock 

Samstag, 6. Juni: 1. Bassumer Schlagerparty, Beginn 16 Uhr 

Sonntag, 7. Juni: Saga 

Freitag, 3. Juli: Milow 

Samstag, 4. Juli: Dancing-Castle-Festival 

Sonntag, 5. Juli: Level 42 

Freitag, 17. Juli: Night of Musical 

Samstag, 18. Juli: Max Giesinger 

Sonntag, 19. Juli: Angelo Kelly and Family 

Freitag, 24. Juli: Versengold 

Es gibt zu allen Konzerten (außer Schlagerparty und Kiss Forever) Steh- und Sitzplätze. Karten gibt es bei Nordwestticket, Eventim, Papier und Tinte in Bassum, den Filialen der Volksbank, Gabis Kosmetik in Syke und natürlich in allen Geschäftsstellen der Kreiszeitung.

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