Gedenkveranstaltung in Bassum

Kundgebung erinnert an IS-Genozid an Jesiden im Nordirak

Jugendliche Teilnehmer der Kundgebung halten Schilder mit Bildern der Vertreibung vor sich, im Vordergrund brennende Teelichter.
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Mit Schildern und Kerzen erinnerten Teilnehmer an die Ereignisse von vor sieben Jahren.

Gut 50 Teilnehmer haben am Dienstagabend in Bassum der jesidischen Opfer des IS-Terrors gedacht. Der Genozid dürfe nicht in Vergessenheit geraten, forderten die Redner.

Bassum – „Niemals werden wir unsere Schwestern und Brüder vergessen, die ermordet wurden“, sagte der junge Jeside Marwan Samoki bei einer Kundgebung am Bassumer Rathaus. Gut 50 Teilnehmer haben am Dienstagabend eines Völkermords im 21. Jahrhundert gedacht.

Vor sieben Jahren, am 3. August 2014, hatte der „Islamische Staat“ (IS) die Stadt Shingal (arabisch: Sindschar) im Nordirak eingenommen. Die Terror-Milizen verschleppten, vergewaltigten und ermordeten Tausende der dort eingeschlossenen Jesiden.

Um daran zu erinnern, waren Familien mit Kindern, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gekommen. „Jeder der hier anwesenden Jesiden kann seine eigene Geschichte erzählen“, sagte Organisator Hartwig Hornborstel in seinem Redebeitrag. Auch heute fänden sich neue Massengräber, auch heute seien die Jesiden in ihrer Heimat nicht in Sicherheit.

„Wir dürfen vor diesen Gräueltaten nicht die Augen verschließen“, forderte Hornborstel. Er regte an, dass Jesiden ihre Erlebnisse beispielsweise in Schulen verbreiten sollten, ähnlich wie Überlebende des Holocaust. „Der Genozid darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagte er abschließend.

Die Redner: (v.l.) Christiane Weitzel, Hartwig Hornbostel, Marwan Samoki .

Christiane Weitzel, Ratsfrau für die Grünen, sprach von einem grausamen Genozid, durch den ein Drittel der jesidischen Glaubensgemeinschaft vertrieben wurde. Das Geschehen müsse juristisch-völkerrechtlich aufgearbeitet werden. Weitzel warb dafür, anlässlich des Genozids einen Gedenktag zu etablieren. Und dafür, dass Bassum nach der Wahl dem Seebrücke-Bündnis für sichere Fluchtwege beitritt.

Marwan Samoki wies darauf hin, dass die Verfolgung der Jesiden bis heute andauere. Er erinnerte an Tausende Frauen, die noch in den Händen des IS sind. In Frieden und Sicherheit leben, das sei bis heute in seiner alten Heimat nicht möglich.

Der heute 21-Jährige hatte sich nach dem Einmarsch der Milizen alleine in die Türkei durchgeschlagen. „Acht Tage hatte ich keinen Kontakt zu meiner Familie. Die wussten nicht, ob ich noch lebe, und ich wusste nicht, ob sie noch leben“, erzählte er. Über die Flucht sagte Samoki: „Viele haben es nicht geschafft.“

Bassum, so Samoki, „hat uns als Familie, nicht als Flüchtlinge aufgenommen.“ Deutschland sei schon eine zweite Heimat geworden.

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