Scheinbare Sinnlosigkeit als Gefahr

Viel Ärger um wenige Meter: Anwohner der Kätinger Heide wollen ein Stück Leitplanke weghaben

Ein Abschnitt der für Ärger sorgt: Anwohner der Kätinger Heide wünschen sich, dass die Leitplanke zwischen der Baumgruppe (links) und dem einzelnen Baum und dem Schild (rechts) entfernt wird.
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Ein Abschnitt der für Ärger sorgt: Anwohner der Kätinger Heide wünschen sich, dass die Leitplanke zwischen der Baumgruppe (links) und dem einzelnen Baum und dem Schild (rechts) entfernt wird.

Wenn Mara Schwabe, Kirsten Janßen-Frauen und Martin Beimel von der Straße Kätinger Heide über die B 51 schauen, können sie nur den Kopf schütteln. Denn auf der anderen Seite läuft seit Kurzem eine Leitplanke entlang, die auf einem Teilstück die Bundesstraße von einem freien Acker abgrenzt. „Ich verstehe nicht, warum man sie dort hingebaut hat. Dort steht kein Baum“, sagt Schwabe. Doch die scheinbare Sinnlosigkeit der Maßnahme sei nicht das Problem. Sondern die Gefahr, die durch sie entstehe.

Bassum – „Jeden Tag rollen hunderte Lastwagen mit Tempo 100 auf dieser Straße. Die Autofahrer setzen häufig zu waghalsigen Überholmanövern an, und dadurch entstehen brenzlige Situationen für diejenigen, die aus der Kätinger Heide nach links abbiegen oder in sie einfahren wollen“, berichtet Schwabe. „Da man als Linksabbieger nicht sehen kann, ob jemand gerade zum Überholen ansetzt, lautet die einzige Lösung: Gas geben und im Notfall rauf auf den Acker. Denn lieber lenke ich dort drauf als in den Gegenverkehr. Ich fürchte, dass es jetzt zu mehr und auch schwerwiegenden Unfällen kommen wird.“

Leitplanke an der B51: Kein Ausweichen auf Acker mehr möglich

Schwabe sieht die Situation auch mit den Augen einer Motorradfahrerin. Wenn diese von einem Auto gestreift würden, hätten sie immer die Chance gehabt, auf den Acker auszuweichen oder zu fallen. Nun würden sie im Ernstfall gegen die Planke gequetscht. „Die Ausweichfläche wurde genommen – und ich verstehe nicht, warum? Welchen Nutzen hat diese Leitplanke?“

Auch Janßen-Frauen und Beimel können diese Maßnahme nicht nachvollziehen. „Wenn Lastwagen in die Kätinger Heide abbiegen wollten, haben sich die Autofahrer oft über den Acker an ihnen vorbeigeschoben. Jetzt entsteht ein Rückstauverkehr“, schildert Janßen-Frauen. Sie, Beimel und Schwabe wünschen sich, dass die Leitplanke vor dem Acker wieder entfernt wird und stattdessen ein Tempo 70 Schild plus ein Überholverbot eingeführt wird.

Thomas Rödel von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg zeigt sich über den Ärger der Anwohner unterrichtet. „Wir haben die Situation bereits geprüft, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass alles richtig gemacht worden ist.“

Bassum: Leitplanke muss Wirkungslänge haben

Dass die Planke zwischen dem einen Baum und der Baumgruppe durchlaufe, habe einen Sinn. „Nach der Baumgruppe, beziehungsweise nach dem Schild, das auf der einen Seite neben dem einzelnen Baum steht, muss die Leitplanke noch 90 Meter weiterlaufen, damit überhaupt ein Schutz entwickelt wird. Wir nennen es Wirkungslänge. Es würde also keinen Sinn machen, die Leitplanke zwischendurch aufzumachen.“ Rödel betont, dass es bei diesen Maßnahmen nicht darum gehe, Bäume zu schützen, sondern Verkehrsteilnehmer. „Dasselbe gilt für das besagte Schild, das an einem Rohrmast befestigt ist. Dieser ist nicht umfahrbar, also so fest im Boden verankert, dass er bei einem Unfall nicht nachgeben würde.“ Was eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung angehe, so sei der Landkreis zuständig.

Zahlreiche Unfälle auf der B51

Und was sagt der Landkreis? „Seit Jahren ist auf dem gesamten Abschnitt der B 51 nördlich von Bassum leider ein Verkehrsunfallgeschehen mit teilweise sehr tragischem Ausgang festzustellen. Der Wunsch der Anwohnerinnen und Anwohner nach weiteren Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverboten ist daher verständlich“, schreibt Pressesprecherin Mareike Rein.

Es seien bereits zahlreiche Überholverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen angeordnet worden. Trotzdem komme es immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen – auch aufgrund von Missachtung der ergriffenen Maßnahmen.

„Im Rahmen der Regelverkehrsschau im September dieses Jahres wurde auch der Bereich der B51 befahren und die Teilnehmenden waren sich dabei einig, dass hier nur ein entsprechender Ausbau der B51 unter anderem mit gesicherten Überholabschnitten Abhilfe schaffen kann“, so Rein. „Die Landesbehörde für Straßenbau hat eine Ausbauplanung erstellt, die sich bereits in den Vorbereitungen für ein Planfeststellungsverfahren beim Landkreis Diepholz befinden.“

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