Krankheit wird immer häufiger

Dr. Faleh Zohbi: „Schlafapnoe-Zunahme ist auffällig“

Dr. Zohbi Faleh

Bassum - Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter unterschiedlichen Formen der sogenannten Schlafapnoe. Das hat eine bundesweite Auswertung der KKH (Kaufmännische Krankenkasse) ergeben. Vor allem bei den 55- bis 89-Jährigen hat sich die Zahl der Patienten mit nächtlichen Atemaussetzern zwischen 2006 und 2016 mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung beobachtet auch der Bassumer Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Faleh Zohbi. Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Herr Dr. Zohbi, haben Sie auch den Eindruck, dass immer mehr Menschen unter der Schlafapnoe leiden?

Dr. Faleh Zohbi: Auf jeden Fall. Die Zunahme ist deutlich und auffällig. Allein an diesem Tag hatte ich drei, vier Patienten, die darunter litten, teilweise auch junge Leute um die 30 Jahre. Aber es erkranken auch Kinder und Senioren um die 80. Deswegen sollten Eltern sehr aufmerksam sein und ihren Nachwuchs beobachten.

Was sind die Ursachen?

Dr. Zohbi Faleh

Zohbi: Man muss unterscheiden zwischen äußeren und organischen Ursachen. Zu den äußeren gehören Übergewicht, Alkohol, Rauchen, Müdigkeit und Stress. Bei den organischen Ursachen kann es sich um eine krumme Nasenscheidewand oder einen zu großen Schwellkörper des Nasenmuskels handeln. Zu 80 Prozent kommen die Aussetzer durch Probleme im Rachen, zum Beispiel, weil die Mandeln zu groß sind oder durch Rachenpolypen. Beides ist besonders bei Kindern oft der Fall. Auch ein Zäpfchen, das zu lang ist, kann Auslöser sein. Ist der Rachenraum zu eng, kollabiert die Atmung.

Welche Fälle haben Sie schon in Ihrer Praxis erlebt?

Zohbi: Ich hatte Leute, die zehnmal pro Stunde Atemaussetzer hatten, die zwischen 15 bis 45 Sekunden dauerten. Manche hören sogar für über 50 Sekunden auf zu atmen.

Woran merke ich, dass ich womöglich unter Schlafapnoe leide?

Zohbi: Sie fühlen sich müde, antriebslos, schlafen schnell ein und haben Konzentrationsprobleme. Obwohl sie viele Stunden geschlafen haben, haben Sie das Gefühl, als hätten sie im Boxring gestanden (lacht).

Welche Folgen kann das haben?

Zohbi: Durch die Atemaussetzer kommt es zu einem Sauerstoffmangel für Herz und Gehirn. Das kann zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Aber auch Sekundenschlaf kann eine Folge sein, was besonders am Steuer eines Autos gefährlich wird.

Was passiert, wenn ich wegen Verdacht auf Schlafapnoe zum Arzt gehe?

Zohbi: Als Patient bekommen Sie ein Polygraphie-Gerät mit nach Hause, das für eine Nacht ihre Werte während des Schlafes aufzeichnet. Der Arzt liest diese Werte und schickt Sie gegebenenfalls in ein Schlaflabor, wo Sie gründlich untersucht werden.

Wie geht es dann weiter?

Zohbi: Eine Variante ist eine Operation, bei der beispielsweise die Nasenscheidewand korrigiert wird, oder es einen Eingriff im Rachen gibt, um Platz für die Atemwege zu schaffen. Die zweite Variante wäre eine Atemmaske, durch die der Betroffene nachts mit Sauerstoff versorgt wird.

Ist das nicht sehr unangenehm?

Zohbi: Am Anfang ist das schwierig. Aber das ist bei Hörgeräten auch so. Ich sage den Leuten dann immer, dass sie Geduld haben müssen. Man gewöhnt sich daran.

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