„Bassum neu denken – groß denken“

Unternehmer und CDU-Politiker haben Projektskizze für die Innenstadt erarbeitet

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Ansicht auf den Platz von der Sulinger Straße aus.

Seit Jahren ist die Sulinger Straße ein großes Thema, seit Jahren beißen sich Politik und Verwaltung die Zähne daran aus. Bisher ist nie der große Wurf gelungen. Das könnte nun anders werden, denn die CDU hat sich mit heimischen Unternehmern zusammengetan, um das Thema neu zu beleben. Am Dienstagabend stellten sie ihre Ideen in einem Pressegespräch vor. Zuvor hatten sie der Verwaltung einen Antrag übergeben, damit ihre Projektskizze in den zuständigen Gremien diskutiert wird.

Bassum - Am Tisch sitzen neben den CDU-Mitgliedern des Stadtverbandes und der Ratsgruppe auch vier Investoren, die in Bassum in den vergangenen Jahren erheblich investiert haben: Michael Maas, Horst-Dieter Jobst und Olaf Westermann. Für die Visualisierung zeichnet Markus Kreis vom Büro 3K verantwortlich. Sie alle machen deutlich: Wir sind bereit, auch weiterhin zu investieren.

Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Volker Meyer betont, dass es lediglich eine Skizze sei, auf deren Grundlage weitergearbeitet werden kann und soll. Alle sollen eingebunden werden – Politik, Verwaltung, Bürger und vor allem weitere Unternehmer.

Für die Fassadengestaltung könnte sich der Planer sogenannte Cover-Ziegel vorstellen.

„Wir haben uns mehrfach getroffen und überlegt, was wir in Bassum bewegen können“, erläutert Meyer die Vorgehensweise. Insgesamt gab es drei Gesprächsrunden. Dabei ließen die Unternehmer ihre Erfahrungen einfließen: Was braucht Bassum? Was fehlt? Was kann funktionieren? „Wir wissen, dass wir uns in diesem ersten Schritt auf fremdem Boden bewegen. Wir müssen natürlich auch die Eigentümer der Flächen mit ins Boot holen“, sagt Meyer. Die Idee, die sie verfolgen ist: Im Bereich Stadtmitte – zwischen Sulinger Straße, Kirchstraße und Bremer Straße – einen Marktplatz zu schaffen, ähnlich wie in Kirchweyhe. Um diesen herum sollen sich Handel, Wohnen und Dienstleistung ansiedeln. In der Projektbeschreibung heißt es: „Für die Attraktivität und die Belebung könnten zum Beispiel ein Vollsortimenter, Gastronomie, Restauration, Café, Ärzte, Elektromarkt, Bäckerei, Dienstleister, der Wochenmarkt und unterschiedliche Wohnformen sorgen.“

Im Fokus: der Parkplatz hinter dem Alten Amtshof

Eine geeignete Fläche ist der Parkplatz hinter dem Alten Amtshof. Wobei alle betonen, dass auch andere Standorte infrage kommen können. Die Variante, die Markus Kreis präsentiert, sieht den Abriss des Alten Amtshofs vor. „Damit sich die Sulinger Straße öffnet“, sagt Jobst. Der Platz bietet Wasserspiele, Sitzmöglichkeiten und Grün mit Blickachse auf ein markantes Gebäude: ein alternativer Standort für die Verwaltung. „Es könnte sich ebenso gut als Ärztehaus eignen“, so Kreis.

Entwurfsidee zu neuen Wohn- und Gewerbeeinheiten. 

Natürlich haben die Unternehmer bereits ihre Kontakte spielen lassen und sich umgehört. Horst-Dieter Jobst könnte sich dort einen Vollsortimenter vorstellen. Er denkt unter anderem an einen Cap-Markt. Dort arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung. Auch ein Sportgeschäft wäre denkbar, ein Outlet für Kinderspielzeug. Michael Maas: „Es sollten Teilbereiche herausgearbeitet werden, die ein Alleinstellungsmerkmal darstellen.“

Plan: Wohn- und Geschäftshaus an der Kirchstraße

An der Kirchstraße sieht der Plan ebenfalls ein neues Wohn- und Geschäftshaus vor – mit Tiefgarage, um die fehlenden Parkplätze auszugleichen. Darüber ist Platz für Wohnen. Die Gruppe möchte sowohl günstigen als auch höherwertigen Wohnraum schaffen.

Kreis ist überzeugt: „Es gibt viele Möglichkeiten, attraktiv, aber dennoch günstig zu bauen.“ Die Materialien spielen eine wichtige Rolle. Kreis denkt unter anderem an Ziegel, Glas und Holz. Der Gruppe ist die Optik wichtig. Maas: „Das Gebäude soll widerspiegeln, was sich in seinem Inneren abspielt.“

Bassumer Unternehmer und Mitglieder der CDU haben Pläne für eine attraktivere Stadtmitte erarbeitet: Mit dabei sind (v.l.) Michael Gillner, Horst-Dieter Jobst, Hans-Hagen Böhringer, Henning Meyer, Lena Tasto, Carsten Leopold, Volker Meyer, Michael Maas, Olaf Westermann und Markus Kreis. 

Alle hoffen, dass im ersten Schritt die politischen Gremien beraten, ob sie bereit sind, auf Grundlage der vorgeschlagenen Konzeption weiterzuarbeiten. Die Verwaltung soll prüfen, welche Grundstücke zur Verfügung stehen, welche planerischen Voraussetzungen geschaffen werden müssen und ob Fördermittel für verschiedene Bereiche beantragt werden können. Eine zeitnahe Diskussion wird angestrebt, denn bei einigen Objekten, unter anderem beim Alten Amtshof, endet die Zehnjahresfrist und mit ihr laufende Verträge.

„Bassum neu denken“

Olaf Westermann spricht allen Beteiligten aus dem Herzen, wenn er sagt: „Diese Konzeption wird gestützt von uns Unternehmern und nicht von Auswärtigen, die hier nicht leben, nicht arbeiten und auch nicht investieren. Wir haben ein großes Interesse daran, eine florierende Innenstadt zu bekommen.“ Einig sind sich alle darin, dass es so, wie bisher, mit der Sulinger Straße nicht weitergehen kann. „Wir wollen Bassum neu denken“, sagt Michael Gillner. Und Maas fügt hinzu: „Vor allem auch mal groß denken.“

Kommentar der Autorin

Jahrelang passiert nichts in Sachen Innenstadtentwicklung, hier und da kommt mal ein Einzelvorschlag auf den Tisch; Gutachten werden erstellt und verschwinden in Schubladen. Und plötzlich überschlagen sich die Fraktionen mit ihren Meldungen. Kaum hat die CDU ein Pressegespräch angekündigt, flattern in der Redaktion die Pressemitteilungen ein. 

Der Bürgerblock blockt gleich ab und nennt das Vorhaben unrealistisch. Die SPD übt sich in Vergangenheitsbewältigung und erinnert daran, dass sie das Lührsche Gebäude von Anfang an abgelehnt habe. Allerdings sehen die Sozialdemokraten die Notwendigkeit einer Neubeplanung. „Warum nicht also mit Bassumer Betrieben den nichtstädtischen Bereich aufkaufen und neu gestalten?“, heißt es. Das lässt hoffen. 

Was Besseres kann Bassum gar nicht passieren, als dass sich Unternehmer mit den politischen Vertretern zusammensetzen und gemeinsam die Zukunft planen. Vor allem, wenn diese Geschäftsleute bereit sind, Geld zu investieren. Die vorgelegten Pläne sind sehenswert. Auch wenn sich nicht alles davon umsetzen lassen wird, ein Versuch ist es wert. Daran sollten alle arbeiten. Unabhängig von persönlichen Animositäten oder früheren Ereignissen.

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