„Es wird auch wieder bessere Jahre geben“

Ernte drei Wochen zu früh - Landwirt Meyer-Schorling zeigt sich optimistisch

+
In diesem Jahr erntet der Landwirt drei Wochen zu früh. Das führt zu Mindererträgen von 40 bis 50 Prozent.  

Bassum - Von Janna Silinger. Jürgen Meyer-Schorling sitzt in der Kabine seines Mähdreschers. Ein sechsjähriger Claas Lexion 650. Kennt man in der Szene. Draußen knallt die Mittagssonne auf die Felder runter. „Als wär es nicht schon trocken genug.“ Aber Meyer-Schorling fühlt sich drinnen, an Bord seines Gefährts, ziemlich wohl, bei angenehmen 22 Grad Celsius. „Das kann man schon gut aushalten“, sagt er zufrieden. „Besser hier drinnen, als da draußen wie eine Bratwurst zu brutzeln.“

Er erntet Weizen. Drei Wochen zu früh in diesem Jahr. „Wir haben 40 bis 50 Prozent Mindererträge bei Weizen, Gerste, Raps und Triticale, durch die Trockenheit“, berichtet er. Das ist schon eine enorme Einbuße. Warten auf den Regen ist aber keine Option, denn wenn er nicht kommt, dann ist die komplette Ernte tot. „Das ist so wie bei einem Menschen. Wer nichts trinkt, verdurstet irgendwann.“ Also wird gehandelt, bevor es endgültig zu spät ist.

Für die Landwirte, die groß aufgestellt sind, viel Fläche und vielleicht zusätzlich noch Vieh haben, ist das nicht so dramatisch. Doch die Existenz kleinerer Betriebe könne so etwas bedrohen. Zumindest, wenn es mehrere Jahre hintereinander passiert. Aber das glaubt Meyer-Schorling nicht.

Was er glaubt: Die Politik könnte handeln, die Landwirte unterstützen. Zum Beispiel in puncto Bewässerung. Ein Brunnen koste locker 25.000 Euro, dazu kämen der Energieverbrauch, die Instandhaltung und die aufwendige Technik. Das kann sich nicht jeder leisten. Außerdem befindet sich die Region um Bassum in einer Tonschale. Um an das Grundwasser zu gelangen, müsse sehr tief gebohrt werden. Das mache die Anschaffung eines Brunnens komplizierter und kostspieliger als in anderen Regionen.

Die Verbraucher wollen günstiges, gutes Essen - ein Problem

Ohne Unterstützung jedoch wird nicht bewässert, die Erträge fallen deutlich geringer aus und das Produkt könnte teurer werden, befürchtet der Landwirt.

Das rege dann wieder die Verbraucher auf. Früher hätten die Menschen 40 bis 50 Prozent ihres Einkommens für Nahrung ausgegeben, heute seien das nur noch zehn bis zwölf. Möglichst günstig soll es sein. Und am besten auch noch Bio. „Und wenn es dann nach Gülle riecht, weil wir damit düngen, sind auch wieder alle sauer.“

Meyer-Schorling wünscht sich mehr Verständnis und Entgegenkommen. Denn es gebe Aspekte, die auf politischer Ebene scheitern, bei denen Landwirte machtlos seien, wie etwa die Frage nach finanzieller Unterstützung in Jahren wie diesem. Und es fehle an Wertschätzung. Das mache sich sogar auf der Straße bemerkbar.

Landwirt Jürgen Meyer-Schorling sitzt bis zu 14 Stunden am Tag in seinem Mähdrescher.

Der Landwirt hat zwar auch eigene Felder und eigenes Vieh nahe seines Hofs, doch ein Teil seiner Arbeit besteht darin, die Felder seiner Kollegen zu ernten. „Das liegt daran, dass ich die Maschinen habe. Nur seine eigenen Felder zu ernten, lohnt sich nicht, da die sehr teuer sind.“

Wenn er dann mit einem Mähdrescher auf der Straße unterwegs ist, komme es immer wieder vor, dass andere Verkehrsteilnehmer ihm den Mittelfinger zeigen, wenn sie ihn überholen. „Kein schönes Gefühl.“ Immerhin erleichtern diese Maschinen immens das Leben der Landwirte und im Endeffekt auch das der Bevölkerung. Früher hätten zehn Leute zwei Wochen für das gebraucht, was sein Mähdrescher heute an einem Tag schafft.

Aber er gibt sich nicht klein. Trotz gelegentlicher Konflikte und der doch eher lästigen Büroarbeit, die leider immer komplexer werde, liebe er seinen Job. Es sei eine Berufung.

Dieses Jahr ist das Wetter eine Katastrophe, sagt der Landwirt

Ruhige Popmusik kommt aus den Boxen in den Ecken der Kabine. Momentan verbringt Meyer-Schorling bis zu 14 Stunden am Tag in seinem Mähdrescher. Selbst die Mittagspause. Dann denkt er über alles Mögliche nach. Das sei wie beim Autofahren. Es gehe einem vieles durch den Kopf. Aber manchmal hört er auch einfach nur dem Radio zu, während draußen der Staub umher wirbelt.

Im Radio geht es derzeit viel um Dürre. Und der Landwirt weiß, dass das Wetter extremer wird, daran bestehe kein Zweifel. Und das sei definitiv auch nicht schön zu reden. In diesem Jahr sei es katastrophal. Doch er zeigt sich optimistisch, ist der Überzeugung, dass es auch wieder bessere Jahre geben wird. Es sei schon immer ein Auf und Ab gewesen.

Das Handy klingelt. Meyer-Schorling nimmt ab. Es ist sein Auftraggeber, der wissen möchte, ob ihm die Kaffeepause in einer halben Stunde recht wäre. „Das kann man schon gut aushalten.“  

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

"Gelbwesten"-Krise: Macron äußert sich am Montagabend

"Gelbwesten"-Krise: Macron äußert sich am Montagabend

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Martfelder Weihnachtsmarkt

Martfelder Weihnachtsmarkt

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Unfall: Fußgänger bei Borwede mitten auf B51 unterwegs

Tödlicher Unfall: Fußgänger bei Borwede mitten auf B51 unterwegs

Schwerer Unfall in Rehden: Zwei Personen verletzt

Schwerer Unfall in Rehden: Zwei Personen verletzt

Verkehrsunfall in Stuhr: Mann stirbt hinter dem Steuer

Verkehrsunfall in Stuhr: Mann stirbt hinter dem Steuer

Gemeindefeuerwehr Weyhe nimmt 16 neue Einsatzkräfte auf

Gemeindefeuerwehr Weyhe nimmt 16 neue Einsatzkräfte auf

Kommentare