Folgen von Corona

Bassum: Ehepaar Pußack hat mit Spätfolgen zu kämpfen und warnt vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Virus

Petra und Werner Pußack aus Bassum in Namibia
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Petra und Werner Pußack (hier auf einem Urlaubsfoto) sind froh, ihre Corona-Erkrankung überstanden zu haben. Mit den Spätfolgen haben sie jedoch nach wie vor zu kämpfen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich im Landkreis Diepholz 3855 Menschen mit dem Virus infiziert; 3653 gelten als genesen. Aber was heißt genesen? Viele leiden unter Spätfolgen. So auch das Ehepaar Pußack, das viele Jahre schon in Bassum ein Reisebüro betreibt.

  • Ehepaar Pussack hat Corona überstanden, aber mit Spätfolgen zu kämpfen
  • Werner Pusack lag fünf Tage auf der Intensivstation, seine Frau blieb mit Fieber allein zu Hause. Es war ein Albtraum.
  • Beide warnen vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Virus

Bassum – Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich im Landkreis Diepholz 3855 Menschen mit dem Virus infiziert; 3653 gelten als genesen. Aber was heißt genesen? Viele leiden unter Spätfolgen. So auch das Ehepaar Pußack, das seit vielen Jahren in Bassum ein Reisebüro betreibt.

Im November merkt Werner Pußack: Irgendetwas stimmt nicht. Er fühlt sich nicht wohl, hat leichte Temperatur. Vielleicht eine Grippe? Auch seiner Frau geht es nicht gut. Doch Corona schließen die beiden eigentlich aus. Denn als sie im Oktober nach Namibia reisen wollten, fiel ein Schnelltest auf dem Flughafen Hamburg bei Petra Pußack positiv und bei ihrem Mann negativ aus.

Daraufhin gingen sie in Quarantäne. „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir – vor allem meine Frau – nur drei Wochen später infiziert sein sollten“, erzählt Pußack, derauch geführte Touren durch Namibia und Südafrika anbietet.

„Unsere Kontaktpersonen waren alle negativ.“

Doch ein Test bringt die Bestätigung: Beide haben sich mit Covid-19 angesteckt. Wo sie sich das Virus eingefangen haben, können die Eheleute nicht nachvollziehen. „Unsere Kontaktpersonen waren alle negativ.“

In der ersten Woche sind die Symptome noch leicht. „Meine Frau hatte stärkere als ich. Aber dann ging es mir immer schlechter. Mein Fieber stieg bis auf 40 Grad, ich hatte keinen Appetit und litt unter Atemnot.“ Der Hausarzt, dessen Besuche quasi vor der Haustür enden, rät dem 64-Jährigen, ins Krankenhaus zu gehen. Ein Rettungswagen holt ihn ab.

Für seine Frau beginnt ein Albtraum. Sie ist allein, hat 39 Grad Fieber, durch das Virus ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren und fragt sich: Was passiert jetzt mit meinem Mann? Bei ihrem ersten Anruf im Krankenhaus bekommt sie die Nachricht: „Es sieht schlecht aus. Er muss die ersten drei Tage überstehen, dann könnte es gut gehen.“

„Wenn ich nicht apathisch war, habe ich geweint“

Petra Pußack kann nicht mehr sagen, wie sie die darauffolgende Zeit überstanden hat. „Jedes Mal, wenn das Telefon geklingelt hat, habe ich einen Herzinfarkt bekommen. Wenn ich nicht apathisch war, habe ich geweint. Da war ich fast froh, wenn mein Fieber so hoch war, dass ich schlafen musste. Und ich war dankbar über jeden neuen Tag, weil mit ihm sich die Chancen meines Mannes verbessert haben.“

Was der 56-Jährigen in dieser Zeit Kraft gibt, sind ihre Nachbarn, die ihr Essen vor die Tür stellen und ihre Schwägerin, mit der sie viel telefoniert. „Manchmal haben wir gar nicht gesprochen, weil ich nur geheult habe.“ Auf tröstende Umarmungen oder auch nur die Anwesenheit einer anderen Person im Haus muss sie verzichten.

Währenddessen liegt ihr Mann fünf Tage auf der Intensivstation und wird mit einer Sauerstoffmaske beatmet. Er wird gefragt, wie weit die Behandlungen gehen sollen, was die Ärzte tun dürfen, um sein Leben zu verlängern, und was nicht. „Da bekommt man schon ein komisches Gefühl“, erinnert sich Pußack. Er liegt isoliert, darf keinen Besuch haben und kann mit seiner Frau nur begrenzt kommunizieren. Einmal bekommt er mit, dass im Nebenzimmer Hektik ausbricht. „Da haben wir ein Problem“, sagt ein Arzt. Was passiert ist, ob es sich bei dem Notfall um einen anderen Corona-Patienten gehandelt hat, weiß er nicht. Und obwohl das Personal viel zu tun hat, fühlt sich Pußack gut betreut.

Konzentrationsprobleme und auch die Kondition ist angeschlagen

Als es ihm besser geht, liegt er noch für zwei Tage auf der Isolierstation und kann das Krankenhaus Anfang Dezember wieder verlassen. Neun Kilogramm leichter. Auch seine Frau hat die Erkrankung abschütteln können. Ende gut alles gut?

Nein. Denn noch immer leidet das Ehepaar unter den Spätfolgen. „Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war ich bei 20 bis 30 Prozent meiner früheren Verfassung. Jetzt bin ich so bei 60 bis 70 Prozent.“ Seine Kondition ist angeschlagen und er leidet unter Konzentrationsproblemen. „Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich den Hof gefegt – meine Frau meinte, ich hätte eher den Boden gestreichelt“, so Pußack und schmunzelt.

Petra Pußack hat ihren Geruchs- und Geschmackssinn fast vollständig wieder. Doch sie leidet unter motorischen Problemen, Tremor und Wortfindungsstörungen. Wenn sie sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren muss, fängt sie an zu zittern. „An manchen Tagen ist alles wie früher, an manchen ist es wieder schlechter. Wir wissen nie, wie es morgen sein wird.“ Dementsprechend können sie auch ihre Arbeit schlecht planen.

Noch mehr Angst als vorher

Wenn Petra Pußack Menschen sieht, die die Abstands- und Hygieneregeln bewusst ignorieren, macht sie das wütend. „Obwohl wir laut den neuesten Erkenntnissen drei Monate vor einer neuen Erkrankung sicher sind, habe ich noch mehr Angst als vorher. Denn wir könnten Überträger sein. Und diese Erfahrung, die wir gemacht haben, wünsche ich keinem.“

Werner Pußack glaubt, dass viele Leute sorglos mit dem Virus umgehen, weil sie hauptsächlich von leichten Verläufen hören. „Irgendwelche Sportler, die sich infizieren und nach einer Woche wieder zurück auf dem Platz sind. Auch wenn die neuen Maßnahmen zum Teil widersprüchlich sind, denke ich, dass sie sein müssen.“

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