Dr. Christoph Lanzendörfer setzt in seinem neuen Buch bewusst zwei Punkte

Tragende Pfeiler der Politik: Sachlichkeit und Gefühl

Christoph Lanzendörfer hat bisher 15 Bücher geschrieben – sieben medizinische Fachbücher, vier Romane und vier politisch-philosophisch-soziologische Sachbücher. - Foto: Seidel

Bassum - Von Anke Seidel. Er ist Mediziner, Politiker und Autor aus Leidenschaft: 15 Bücher hat Dr. Christoph Lanzendörfer bereits geschrieben – und hat bei seinem jüngsten ganz bewusst zwei klare Punkte gesetzt. „Sachlich. Und emotional.“So lautet der Titel des 226 Seiten starken Werks, das er als Beitrag zur politischen Theorie verstanden wissen will. „Einen Anstoß haben die Ereignisse wie die Trump-Wahl, der Brexit und die Abstimmung zur Verfassungsreform in Italien gegeben, aber auch das Vorgehen der Troika in Griechenland“, erklärt Lanzendörfer.

Seit vier Jahrzehnten engagiert sich der 60-Jährige politisch – in der SPD. Seit einem Vierteljahrhundert führt er die sozialdemokratische Stadtratsfraktion in seiner Heimatstadt Bassum. Das erklärt den Untertitel seines neuen Werkes: „Die Seele linker Politik.“ Das Buch richte sich an alle, „die in der Öffentlichkeit mitmischen wollen“, sagt der Autor. 900 Exemplare habe er bereits verkauft, fügt er hinzu.

Seine Überzeugung ist es, dass in der Politik Gefühle genauso ihren Raum haben müssen wie Sachlichkeit. Aber sie dürfen nicht missbraucht und instrumentalisiert werden. Genau das ist es, was Dr. Lanzendörfer immer wieder beobachtet und ihn „richtig voller Brast“ reagieren lässt.

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten sieht Lanzendörfer so: „Einer, der Präsident aller werden wollte, log, zeterte, tat alles, um die Nation zu polarisieren, er spielte auf der schlimmsten Klaviatur von Hetze, Hass und Gezänk.“ Und, so der Autor weiter, „über zwei Drittel seiner Aussagen im Wahlkampf waren nachweislich falsch, erlogen: Eine bewusste Falschaussage nennt man ja Lüge.“

Missbrauch von Emotionen in der Politik – das gilt für Lanzendörfer genauso für das Verfassungsreferendum in Italien: „Da gab es eine völlig unsachliche Argumentation. Ich entscheide doch ein Verfassungsreferendum nicht nach emotionalen Kriterien!“, empört sich der Mediziner.

Gruppierungen wie die AfD, deren drei Buchstaben Lanzendörfer mit „Ausländer-freies Deutschland“ übersetzt, hätten bewiesen, „dass man zumindest anfangs ohne jedes Programm und ausschließlich mit populistischen Parolen weit kommt“.

In seiner Analyse beschäftigt sich der Mediziner zunächst mit dem Bild, das sich der Mensch vom Menschen macht. „In der Geschichte der Menschheit gab es immer einen Gemeinsinn“, sagt er. „Dass wir uns diese Frage: Was ist der Mensch? Einzelkämpfer oder Gruppenwesen? überhaupt neu stellen müssen, liegt am Siegeszug des Neoliberalismus“, sagt der Autor. Lanzendörfer beleuchtet das ökonomische Denken und seine Auswirkungen einerseits – und befasst sich andererseits mit der Emotionalität in der Politik. Nach Abwägung aller Aspekte des menschlichen Daseins kommt Lanzendörfer zu dem Schluss: „Es ist kaum begründbar, dass Emotionen als Teil des menschlichen Strebens überall eine Rolle spielen dürfen, nur in der Politik soll man sachlich, sprich: emotionsfrei agieren. Das ist schon sehr verwunderlich und absolut lebensfremd.“

Der 60-Jährige befasst sich genauso mit den Themen des Handelns und formuliert das wirkliche Ziel so: „Menschen in Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität leben lassen zu können.“

Kritisch setzt er sich mit dem Christentum und seiner Haltung in der Flüchtlingsfrage auseinander, entlarvt eine unheilvolle Dynamik – und reflektiert genauso Begriffe wie Patriotismus und Heimat: „Das sind menschliche Gefühle, die nicht missbraucht werden dürfen!“

„Sachlich. Und emotional.“ ist im Buchhandel unter der

ISBN-Nr. 9783743177215

erhältlich. Es kostet 9,90 Euro

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