Podiumsdiskussion der Kreiszeitung

Einer stichelt, einer kontert: Bassumer Bürgermeisterkandidaten im Rededuell

Osterbinde – Porsch oder Launer? Launer oder Porsch? Wer ist der bessere Bürgermeister für Bassum: Der Amtsinhaber oder der Herausforderer? Hilfestellung bei der Suche nach der Antwort wollte gestern Abend die Kreiszeitung geben. Mit einer Podiumsdiskussion im Gasthaus Freye in Osterbinde, moderiert von Chefredakteur Hans Willms. 70 Zuhörer waren coronabedingt maximal zugelassen.

Die Spielregeln des Abends: Gleiche Redezeit für beide, eine kurze Vorstellungsrunde und ein paar Aufwärm-Fragen, die ein wenig aufzeigen sollten, wie Porsch und Launer privat so ticken. Jogginghose oder Anzug? Kneipe oder Sternerestaurant? Dann: Der eigentliche Diskussions-Block. Gleiche Themen für beide, aber nicht die gleichen Fragen, abwechselnd antworten, und wer anfängt, war zuvor ausgelost worden.

Es ging um Wirtschaft und Verkehr, Einzelhandel und Innenstadt, Rathaus und Verwaltung. Schnell wurde die taktische Marschroute deutlich: Herausforderer Oliver Launer setzte auf den Gegensatz von Dynamik zu Lethargie – was er auch ein paarmal wörtlich so sagte –und versuchte nachzuweisen, wo die Stadtverwaltung unter Porschs Führung in den letzten sieben Jahren zu wenig Eigeninitiative entwickelt habe. Und der amtierende Bürgermeister konterte mit Beispielen, die belegen sollten, dass die Verwaltung im Rahmen ihrer Möglichkeiten tatsächlich eine ganze Menge auf den Weg gebracht habe.

Uneinnigkeit beim Ausblick in die Gewerbe-Zukunft

Bei der Wirtschaftsförderung zum Beispiel: Da sei die Entwicklung von Gewerbeflächen viel zu kurzfristig gedacht, so Launer. Ein neues Gebiet wie der Karrenbruch werde bereits relativ schnell wieder voll sein. Die Planung neuer Flächen müsse 20 bis 50 Jahre im Voraus gedacht werden. Konter Christian Porsch: Das sei überhaupt nicht praktikabel. Flächennutzungspläne seien für 20 bis 25 Jahre konzipiert und würden innerhalb dieser Zeit fünf- bis sechsmal geändert, weil sich die Verhältnisse geändert hätten.

Christian Porsch (l.) war im Verlauf der Diskussion häufig in der Defensive, gab sich aber keine Blöße. Oliver Launer versuchte dementsprechend immer wieder, Porsch mangelnde Initiative nachzuweisen.

Angriff Launer: Es gebe kaum neue Firmenansiedlungen in Bassum. Bei den meisten handele es sich um Umsiedlungen innerhalb Bassums. Konter Porsch: Es gebe sogar so viele Bewerbungen um Grundstücke, dass die Stadt sich aussuchen könne, welche Firmen am besten zum bestehenden Branchenmix passten.

Gretchenfrage: Wie hältst Du‘s mit der GAR? Der Abfall-Recycler möchte seinen Standort auf der Kätinger Heide ausbauen. Oliver Launer steht auf dem Standpunkt: „Keine Erweiterung, kein Quadratmeter mehr.“ Begründung: „Das ist nicht der große Anbieter von Arbeitsplätzen und auch nicht der große Steuerzahler für Bassum.“ Christian Porsch sieht das anders: „Die GAR ist ein ganz wichtiger Faktor und muss die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln.“ Grund: „Es ist besser, wenn hier bei uns die Wertstoffe sortiert werden, und nicht in Asien.“

Bürgermeister-Podiumsdiskussion mit der Kreiszeitung bei Freye in Osterbinde. Von links: Kandidat Oliver Launer, Chefredakteur Hans Willms als Moderator und Amtsinhaber Christian Porsch.

Wie ein roter Faden zog sich bei Oliver Launer die Sulinger Straße durch beinahe alle Themenblöcke. Sie ist für ihn das Paradebeispiel einer zu lethargisch agierenden Stadtverwaltung. „Es hat sich nichts getan. Seit sieben Jahren. Es hat nicht eine Aktion gegeben, wo die Stadt gesagt hätte: Wir machen was, wir haben eine Idee.“ Innenstadtentwicklung brauche Zeit, hielt Porsch entgegen. „Das Problem haben andere Städte auch, bis hin zum Oberzentrum Bremen.“ Ideen gebe es durchaus, und die Zahl der Leerstände sei gar nicht so groß. „Zwei bis drei Läden, die einem Unternehmer gehören.“ Und: „Es wird sich dort in Zukunft etwas tun.“

Oliver Launer sieht mangelnde Eigeninitiative beim Rathaus

Mangelnde Eigeninitiative unterstellte Oliver Launer dem Verwaltungs-Chef auch in Sachen Rathaus – das jetzige ist zu klein, einen Neubau hatte der Rat als nicht finanzierbar abgelehnt – und Nachnutzung des Krankenhaus-Geländes, wenn die Zentralklinik in Borwede steht. These: Zu viel Abwarten, zu viel „Gutachteritis.“ Externe Berater zu engagieren sei rausgeworfenes Geld. „Wir müssen selber Gedanken entwickeln und nicht immer auf andere warten.“

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„Der Bürgermeister ist ja kein König“, hielt Porsch dagegen. Und – im konkreten Fall bezogen auf das Thema Verkehr – wenn er zu allen Fragen immer die Lösung wüsste, würde er ja keine Gutachter brauchen.

Unwidersprochen blieb Oliver Launers Appell ans Publikum: „Egal, wen Sie wählen, ob Christian oder mich – gehen Sie zur Wahl! Es nutzt keinem, wenn er gewählt wird und die Beteiligung liegt nur bei 30 Prozent.“

Im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Niedersachsen berichtet kreiszeitung.de am Sonntag, 12. September 2021, über die aktuellen Entwicklungen, die Ergebnisse, die gewählten Bürgermeister und Landräte.

Rubriklistenbild: © Heinfried Husmann

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