Ein knappes „Ja“

Ausschuss für Stadtentwicklung empfiehlt, neue Fläche für GAR nutzbar zu machen

Jeder produziert Müll. Bei der GAR wird er sortiert.
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Jeder produziert Müll. Bei der GAR wird er sortiert.

Bassum – Wenn drei bestimmte Großbuchstaben auf der Tagesordnung einer Ausschusssitzung der Stadt Bassum auftauchen, dann ist das schon fast ein Garant für emotionale Debatten. Die Rede ist von der GAR. Und so geschah es dann auch, als die Mitglieder des Gremiums für Stadtentwicklung mit nur einer Stimme Mehrheit dafür votierten, die Planungen eine Runde weiterzudrehen, die am Ende eine neue Fläche für den Recyclingbetrieb nutzbar machen sollen.

Dass die GAR die an ihren Betrieb in Kätingen angrenzende Fläche, auf der ein etwa 30 Jahre alter Eichenwald wächst, gern nutzen möchte, ist schon lange bekannt – und umstritten. Die Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst hat mehr als 400 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.

Zunächst stellte Planer Michael Meier von der Planergruppe NWP das Vorhaben sowie verschiedene Gutachten vor. So handele es sich laut Meier nicht um eine Erweiterung des Betriebs, sondern um einen Ersatz für gepachtete Flächen, die in Zukunft wegfallen könnten. Die GAR wolle für den Fall gerüstet sein und etwa 80 Prozent der besagten Grundstücks gewerblich nutzen. Die westliche Grünfläche und die südlichen Gehölze blieben erhalten, ebenso wie der Grünbereich um das Regenrückhaltebecken und den Feuerlöschteich.

„Der Betrieb muss, was den Lärm betrifft, auf die angrenzenden Wohnhäuser Rücksicht nehmen“, so Meier. Die GAR würde auf der neuen Fläche im Grunde nichts Anderes tun als auf dem bereits genutzten Gelände, also Abfälle sammeln, sortieren, behandeln und lagern. Zudem können dort Abstellflächen für Container und Lastwagen entstehen sowie Bürogebäude gebaut werden.

Es sei nicht zu befürchten, dass der Verkehr zunehme, da der Betrieb ja nicht erweitert werde. Die Verkehrszählung habe ergeben, dass etwa 800 Fahrzeuge an einem Wochentag dort unterwegs sind und gut 350 Lastwagen von etwa 5 bis 17 Uhr. „Der Lärmschutzwall funktioniert, es gibt nur eine leichte Überschreitung in der Nacht bei einem der Häuser“, so Meier.

Ein weiteres Gutachten, das sich mit der Tierwelt der besagten Fläche befasst, habe ergeben, dass keine bestandsgefährdeten Arten bedroht seien. Dennoch: „Es ist ein Eingriff in die Natur und Landschaft. Der Wald muss an anderer Stelle ersetzt werden“, so Meier. Die GAR habe bereits ein Angebot für einen Bereich beim Sandaubbau in Stühren gemacht, wo die drei Hektar Wald plus einem blühreichen Saum angelegt werden könnten. Die Untere Naturschutzbehörde muss das nun prüfen.

Alfred Krüger, Anlieger und Mitglied der Bürgerinitiative, äußerte in der Einwohnerfragestunde massive Zweifel an den vorliegenden Berichten. Die Verkehrszählung bilde nicht den Alltag ab, und das Gutachten über die Tierwelt sei nicht vollständig. Er als Jäger wisse, dass sowohl die Kreuzkröte, der Uhu als auch die Waldschnepfe das Gebiet aufsuchen würden, und werde das auch nachweisen.

Christiane Weitzel (Grüne), sprach sich entschieden gegen eine Nutzung der Fläche aus. Damit verschwinde ein struktur- und artenreicher Wald, der Vögeln und Fledermäusen Obdach und Nahrung biete. „Der Klimawandel macht es schwer, einen neuen Wald anzupflanzen. Zudem ist diese Fläche bereits ein Ausgleichsgebiet und die Anwohner leiden schon jetzt unter dem Verkehr.“ Außerdem dem wisse die Firma noch nicht einmal, wann und wofür sie die Fläche brauchen wird.

Meier wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es auch immer eine Weile dauere, bis alle formalen Hürden genommen seien – also Flächen genutzt werden dürfen, weswegen ein Betrieb im Voraus planen müssen.

Auch Jürgen Falck vom Bürger-Block bezeichnete die Begründung für die Erweiterung als „dünn“. „Nur weil mal Flächen der GAR wegfallen könnten, kann man kein Wald- und Trinkwasserschutzgebiet hergeben – für eine fraglich notwendige Nutzung.“ Stattdessen schlug Falck eine andere, westlich gelegene Ackerfläche vor, so dass der Wald bleiben könne.

Damit positionierte Falck sich anders als sein Fraktionsvorsitzender Hermuth Straßburg, der sich für die Nutzung aussprach. „Recycling ist wichtig und das Lärmgutachten sagt, dass es machbar ist. Ich stimme zu, weil ich möchte, dass das Verfahren weitergeht und Behörden und Anwohner dazu gehört werden können.“

CDU-Fraktionschef Hans-Hagen Böhringer stimmte ebenfalls für die Nutzung, da die Fläche der GAR gehöre und Gewerbetreibende ihr Potenzial ausschöpfen müssten, um arbeiten zu können. Christoph Lanzendörfer, SPD-Fraktionsvorsitzender, stimmte dagegen. Zwar denke auch die SPD an die Mitarbeiter, die ein Recht auf ihre Stellen hätten, aber der Grundgedanke gehe ihnen nicht weit genug. „Die GAR ist nötig – aber nicht dort, wo sie jetzt steht. Wir müssen eine neue Position finden.“ In der Nähe der AWG sei sie eher am Platz.

Sechs Ausschussmitglieder stimmten für eine Nutzung der Fläche, fünf dagegen. Nun muss der Verwaltungsausschuss sich mit den Unterlagen befassen. Im Februar oder März werden sie öffentlich, im Rathaus und Internet, ausgelegt, so dass Bürger und Behörden dazu Anmerkungen machen können.

Von Julia Kreykenbohm

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