Bei Spaziergang im Waldstück

Albringhauser findet ungesicherte Totschlagfalle: „Das ist Tierquälerei“

Gefährlich: Das Loch im Boden ist frei zugänglich. Kinder, die reingreifen, würden sich lebensbedrohliche Verletzungen zuziehen.
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Gefährlich: Das Loch im Boden ist frei zugänglich. Kinder, die reingreifen, würden sich lebensbedrohliche Verletzungen zuziehen.

Bei einem Spaziergang vor wenigen Tagen in einem Waldstück in seinem Heimatort findet Wolfgang Zell aus Albringhausen eine gefährliche Waffe.

Albringhausen – Zum Glück hat er seinen kleinen Hund an der Leine. Die Totschlagfalle, die Zell entdeckt, könnte den Vierbeiner gut das Leben kosten. Aber nicht nur Tiere leben in Albringhausen gefährlich. Spielende Kinder hätten ebenso in das Loch im Boden greifen können. Es ist frei zugänglich. Die Folgen will sich Zell gar nicht ausmalen.

Falle in Albringhausen: Tiere sterben auf grausame Art und Weise

Der Naturliebhaber wundert sich bei seinem Ausflug über zwei Kunststoffrohre, die aus dem Boden an einem leichten Abhang ragen. „Nanu, was ist das?“, fragt er sich und schaut nach. Auf dem Boden bemerkt er einen Deckel. Als er diesen anhebt, staunt er nicht schlecht. Dort liegt in einem Kunststoffbehälter, der mit den Rohren verbunden ist, ein gespanntes Tellereisen. Darauf befestigt ist ein Aasköder. Tiere, die durch den Geruch angelockt werden, lösen die Falle aus und sterben auf grausame Art und Weise. Wenn sie Glück haben, sind sie sofort tot. Es gibt unzählige Berichte über Vorfälle, bei denen sich Tiere lange Zeit quälen.

Zell löst die Falle mit einem Ast aus, denn er ist überzeugt davon, dass diese Art der Fallenjagd hierzulande verboten ist. Er fragt eine Freundin, die seit mehr als 30 Jahren Jägerin ist. Sie hält überhaupt nichts von dieser Art der Jagd. „Das ist Tierquälerei“, lautet ihre Aussage. Ob die Falle in Niedersachsen erlaubt sei, vermag sie jedoch nicht mit Sicherheit zu sagen.

Totschlagfallen Gefahr für Haustiere und auch Kinder

Das Problem bei diesen Fallen sei: Durch den Geruch werden nicht nur Marder oder Fuchs angelockt, sondern auch andere Tiere. Vielfach ist es laut Presseberichten schon vorgekommen, dass Haustiere getötet wurden. Die Rohre sind groß genug, dass kleine Hunde oder auch Katzen dort hineinlaufen können.  Sollten Kinder damit spielen und hineingreifen, können sie sich lebensgefährlich verletzen. „Das kann doch nicht erlaubt sein?“, so Zell. Doch, es kann! Das ist das Ergebnis einer telefonischen Anfrage bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde im Landkreis Diepholz.

Mit einem Ast löst Wolfgang Zell die Falle aus.

Totschlagfalle in Albringhausen für Jagd auf Marder

„Die Falle, die auf den Bildern zu sehen ist, wurde nach Rücksprache mit dem Jagdausübungsberechtigten für die Jagd auf Marder aufgestellt. Das Betreiben der Fangjagd mit einem solchen Fanggerät ist unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften für befugte Personen zulässig“, schreibt Mareike Rein, Pressesprecherin des Landkreises, in einer Mail. Da die Marder-Population in diesem Revier sehr hoch sei, solle eine Reduzierung insbesondere dem Schutz von Boden- und Baumbrütern dienen, so Rein weiter. Nach Rücksprache mit dem Revierinhaber habe sich dieser umgehend die Falle vor Ort angeschaut und festgestellt, „dass sich der Draht gelöst hatte, mit dem der Deckel fixiert war“. Dieser Deckelmechanismus verhindere die Zugriffsmöglichkeit auf die Falle und diene dem Schutz Dritter. Der Mangel sei direkt vor Ort behoben worden.

Die Antwort lässt aber auch viele Fragen offen: Unter anderem die, warum es unbedingt eine Totschlagfalle sein muss, warum dort keine Lebendfalle eingesetzt wird, wie hoch die Marderpopulation genau ist, und wer das feststellt, warum bei solchen Fallen keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen vorgeschaltet sind?

Einer erneuten Anfrage nimmt sich Kreisrat Jens-Hermann Kleine an. „Ein spannendes Thema“, sagt er. Diese Art der Fallenjagd sei im Bund durchaus strittig. Es gebe vier Bundesländer, die Totschlagfallen verboten haben. Kleine nennt das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Berlin. In Niedersachsen jedoch sei es ein zulässiges Mittel der Jagd.

Der Zugang zu der tödlichen Falle.

Tierschutzorganisationen fordern Verbot von Schlagfallen

Der Berechtigte in dem besagten Fall habe eine Erlaubnis, einen sogenannten Fallenschein. Konkrete Zahlen zur Marderpopulation gebe es nicht. „Das schätzen die Jagdberechtigten selbst ein“, sagt Kleine. Er betont aber auch, dass die Fallen täglich kontrolliert und vor Zugriff geschützt werden müssen. Wer das kontrolliere? Keiner. Das könne der Landkreis verständlicherweise nicht leisten.

Der Kreisrat verweist auf die Notwendigkeit der Bejagung von Marder und Fuchs, um Bodenbrüter zu schützen. Darüber könne auch Dr. Marcel Holy Auskunft geben, der am Dümmer ein Artenschutzprojekt betreut. Dort haben sich in den vergangenen Jahren Waschbär, Marderhund und Mink extrem ausgebreitet und die Zahl der Bodenbrüter massiv reduziert. Das bestätigt Holy. Aber er betont auch, dass am Dümmer ausnahmslos Lebendfallen zum Einsatz kommen.

Tierschutzorganisationen, aber auch Umweltverbände wie der Nabu fordern seit Jahren ein Verbot der Schlagfallen oder auch Abzugeisen genannt. Auch bei naturverbundenen Jägern wie den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd AGNJ ist diese Jagdmethode verpönt.

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