80.000 neue Behälter

Verpackungstonne ersetzt den gelben Sack im Kreis Diepholz

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Der gelbe Sack hat ausgedient – das zeigt Landrat Cord Bockhop (r.) gemeinsam mit (v.l.) Rolf Husmann, Friedrich Iven, Andreas Nieweler, Peter Fassbinder, Astrid Schlegel, Elmar Könemund, Günter Brockhoff und Britta Zender. 

Bassum - Von Anke Seidel. Spannende Zeiten für die Bürger und die AWG (Abfall Wirtschafts Gesellschaft) im Landkreis Diepholz: Die Verpackungstonne soll Anfang kommenden Jahres den gelben Sack ersetzen - ohne dass neue Kosten für Müllverursacher entstehen.

Gleich unter vier verschiedenen Größen sollen die Bürger wählen dürfen, damit ihnen passgenaue Behälter für Joghurt-Becher, Lebensmittel- oder Buchfolien, Plastik-Blumentöpfe und andere Verpackungen zur Verfügung stehen. Die defekte Kanne oder die ausgediente Rührschüssel aus Kunststoff darf allerdings nicht hinein.

„Die kommunale Wertstofftonne wäre unser Traum, unser Optimum, gewesen“, erklärte Landrat Cord Bockhop als Vorsitzender des AWG-Aufsichtsrats am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Behälter-Modelle. Aber sie sei – allen intensiven Bemühungen zum Trotz – in Berlin nicht durchsetzbar gewesen, obwohl sich der Deutsche Landkreistag dafür genauso eingesetzt habe wie die AWG.

Wie unbeliebt der gelbe Sack im Landkreis Diepholz ist, stellte der Landrat mit einer Zahl klar: „80 Prozent unserer Bürger wollen die Verpackungstonne“, so Bockhop. Die 20 Prozent, die keine Tonne wollen, können weiterhin den gelben Sack nutzen.

Ausdrücklich dankte der Landrat AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler für sein großes Engagement. Dass der Landkreis Diepholz die Verpackungstonne schon 2019 einführen könne, sei nicht selbstverständlich. „Im Landkreis Emsland klappt es nicht“, bestätigte Nieweler.

Spannende Zeiten sind es für die AWG deshalb, weil das Duale System Deutschland, kurz DSD, regulär nach drei Jahren Sammelleistungen ausschreibt, die sich eigentlich noch auf den gelben Sack beziehen müssten. Denn das neue Verpackungsgesetz – Basis für die neue Tonne – tritt erst 2019 in Kraft.

Neue Behälter bis zum Ende des Jahres 

Aber in „sehr pragmatischen Gesprächen“, so formulierte es Andreas Nieweler, habe man der Firma Recycling Kontor Deutschland in Köln – und damit dem der AWG zugelosten Partner im Dualen System – die Vorteile der Verpackungstonne auf mittelfristige Sicht darlegen können.

Spannende Zeiten sind es für die AWG und die Bürger genauso, weil der Gewinner dieser Ausschreibung erst Ende August feststehen wird. „Wir haben unseren Hut in den Ring geworfen“, erklärte Nieweler vor Mitgliedern des Aufsichtsrates.

Konkret ausgeschrieben sind die Bereitstellung und Verteilung der neuen Behälter sowie deren Leerung und außerdem eine Kombination dieser beiden Lose.

Gewinnt die AWG die Ausschreibung, stellt sie den 217.000 Bürgern im Landkreis rund 80.000 neue Behälter zur Verfügung und organisiert die Leerung. Vorteil des kreiseigenen Entsorgungsbetriebs: Er verfügt bereits über die Strukturen und kennt alle Abfuhrbedingungen im gesamten Landkreis. Konkurrenz gibt es allerdings von privaten Entsorgungsunternehmen.

Egal, wer den Auftrag gewinnt – die Behälter müssen bis zum Jahresende verteilt sein. Wer keine Tonne wünscht, kann weiterhin gelbe Säcke nutzen – muss diese aber künftig selbst zu einem der Wertstoffhöfe der AWG bringen. Die Abholung dieser Säcke direkt von den Grundstücken der Bürger werde vom Dualen System nicht mehr finanziert, hieß es am Mittwoch.

Mit der neuen Verpackungstonnen-Regelung ist auch die Neuanschaffung von bis zu fünf Sammelfahrzeugen verknüpft. Die AWG favorisiert Seitenlader – so, wie sie bereits bei der Abfuhr der grauen Tonne sowie der Bio- und der Papiertonne im Einsatz sind.

Kosten für Bürger erst für mögliche Wertstofftonne

Spannend bleibt die Frage: Wie geht es nach drei Jahren weiter mit der Verpackungstonne? „Wir müssen abwarten, was in diesen drei Jahren passiert“, so Andreas Nieweler. Wenn die Recycling-Quote von jetzt 35 Prozent auf 60 Prozent ansteige, könne 2020 oder 2021 über eine Ausweitung der Verpackungstonne auf weitere Wertstoffe entschieden werden. Bei einem positiven Votum könne der Bürger 2022 auch die ausgediente Rührschüssel aus Kunststoff in die Tonne werfen – aber mit Kostenbeteiligung. Denn das Duale System finanziert ausschließlich Sammlung und Verwertung von Verpackungen.

Ausgediente Plastikprodukte aus dem Haushalt – wie die alte Regentonne oder Plastik-Spielzeug – können die Bürger künftig in den AWG-Wertstoffhöfen in ausgewiesene Behälter werfen. Die Mitarbeiter wissen aber aus Erfahrung, dass Bürger immer wieder Nicht-Verpackungen über den gelben Sack entsorgen.

Aufsichtsrats-Mitglied Elmar Könemund hatte vor allem die Bürger im Blick, die auch weiterhin den gelben Sack nutzen wollen und bei der Abgabe im Wertstoffhof womöglich vor geschlossenen Türen stehen: „Landen da am Ende nicht mehr gelbe Säcke in der Botanik?“, hinterfragte er eine mögliche Zunahme der Umweltverschmutzung. AWG-Geschäftsführer Nieweler verneinte. Da habe er großes Vertrauen in die Bürger.

Lesen Sie auch: Im Landkreis Oldenburg entscheiden die Bürger, ob sie Tonne oder Säcke nutzen wollen

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