Für Hund und Katze

Zurück zu den Wurzeln mit Barfen: War früher wirklich alles besser?

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Wie gut ist die Ernährung mit rohem Fleisch für den Hund?

„Back to nature“ ist nicht nur das Motto einer Ernährungsform für uns Menschen - nein, auch für unsere liebsten Vierbeiner. Eine Methode nennt sich Barfen. Wie bereits berichtet steht der Begriff für „biologisch artgerechte Rohfütterung“. Haustierbesitzer füttern ihre Katzen und Hunde mit portioniertem, tiefgefrorenem Frischfleisch vom Rind, Schwein oder Geflügel. Der Gesundheitsaspekt soll dabei im Vordergrund stehen. Reaktionen im Netz zeigten, dass das Thema umstritten ist.

Dr. Stephanie van Loosen ist Tierärztin in Stuhr. Im Telefongespräch erläutert sie die hygienischen Risiken der Rohfütterung. Durch falsche Lagerung und zu hohe Temperaturen könne das Fleisch einen Stich bekommen. „Das geht vielen durch die Lappen“, sagt sie. Somit erhöhe sich das Risiko der Keimbildung. Salmonellen zum Beispiel lassen sich vom Tier auf den Menschen übertragen. Gerade für Senioren und Kinder sei das sehr gefährlich. 

Auch Tierarzt Dr. Jens Oetjen aus Weyhe sieht die Crux in puncto Keimbelastung. Durchfall sei eine Sache. Im schlimmsten Fall könne die Infizierung aber tödlich enden. „Ein negativer Aspekt, der zum Tode führen kann, reicht aus“, begründet er seine Meinung zum Barfen. Er sieht sich selbst nicht als Gegner und sagt auch, dass Barfen „sicherlich ganz gut“ sein kann, aber aus dem genannten Hygiene-Aspekt würde er es selbst nicht tun.

Barfen: Herrchen nicht ausreichend informiert

Van Loosen nennt als weitere Gefahr die unzureichende Information der Besitzer. Häufig würden Menschen ihre Hunde mit dem des Nachbarn vergleichen und grob abschätzen, ob die Art der Fütterung auch auf den eigenen Hund passt. Jedes Tier benötige aber eine „individuelle und akkurate Berechnung“ des Bedarfs. Neben einer Abklärung mit einem Tierarzt lasse sich das auch ganz leicht über Online-Rechner ermitteln.

Doch woher kommt eigentlich dieser Trend? Bei der Ernährung fragen sich Hundebesitzer häufig, was der Wolf fressen würde. Daraus ziehen sie ihre Schlüsse. Dass der Hund vom Wolf abstammt, ist unumstritten. Aber dass der Mops Penny so gut wie gar nichts mehr mit dem Wolf GW717m zu tun hat, würden viele dabei vergessen. 

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„Es sind sicherlich gute Ansätze dabei“, sagt van Loosen. Aber die Verhältnismäßigkeit müsse stimmen. Und die Lebensphase des Tieres. „Wenn Leute ihre Hunde im Welpenalter schon barfen, bekomme ich die Krise.“ Da ein Welpe noch wächst, brauche er Kalzium und Phosphor, ansonsten bekomme er Probleme mit den Knochen. Auch Nierenschäden seien Nebenwirkungen, die durch zu viel Protein herbeigeführt werden. 

Allergien führen zurück zu den Wurzeln

Ein anderer Hintergrund seien Allergien. Wie auch wir Menschen bekommen Haustiere zunehmend mehr davon. Neben Reaktionen auf Milben und Flohspeichel sei auch Getreide ganz vorne mit dabei. Da industriell hergestelltes Tierfutter zu fast 80 Prozent aus Getreide bestehe, seien die Haustierbesitzer „schon fast panisch auf der Suche nach einer Lösung.“ Also gehen sie zurück zu den Wurzeln. Für einen großen Hund - zum Beispiel einen Dobermann - kann das zum Verhängnis werden. Durch eine getreidefreie Fütterung steige das Risiko für bestimmte Herzerkrankungen. 

Die Tierärztin besitzt auch einen Hund. Er ist Allergiker. Barfen? Nein, sie füttert ihn mit herkömmlichem Futter. Auch wenn es hauptsächlich aus Getreide besteht, ist es „ausgewogen und vitaminreich“. Und was sagt der Hund? Zumindest zeigt er keine Reaktion.

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