Schutz für Greifvögel

Nabu klagt gegen Windpark in Albringhausen

Windkraftanlagen in Albringhausen.
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Zeitweiliger Stillstand: Die Windkraftanlagen in Albringhausen drehen sich zwischen Anfang März und Ende August nur manchmal.

Die neuen Windanlagen in Albringhausen stehen dieser Tage häufig still. Das hat mit Abschaltzeiten zum Schutz von Greifvögeln zu tun. Dies teilt der Landkreis auf Anfrage dieser Zeitung mit. Die Auszeit vom Wind ist das Ergebnis eines außergerichtlichen Vergleichs.

Bassum – Der Naturschutzbund (Nabu) hatte gegen die Genehmigung der sieben neuen Windanlagen durch den Landkreis Diepholz beim Verwaltungsgericht Hannover Klage eingereicht. Er sah den Vogelschutz in der erteilten Genehmigung nicht ausreichend berücksichtigt. Das Gericht schlug einen Vergleich vor. Nabu, Landkreis und der Betreiber, in diesem Fall die Firma Westwind, gingen darauf ein.

Das war bereits Mitte 2020. Der erlassene Änderungsbescheid ist nicht öffentlich gemacht worden. Warum nicht? Diese Frage beantwortet Mathias Falldorf vom Fachdienst Bauordnung und Städtebau beim Landkreis mit den Worten: „Weil er das nicht muss.“

Einen ersten Hinweis darauf erhielt diese Zeitung von Anwohnern, die sich wundern, dass drei der Anlagen seit Längerem dauerhaft stillstehen.

Eine Nachfrage beim Landkreis ergab daraufhin, dass es in dem Bereich einen Brutverdacht eines Rotmilans gibt. Und in diesem Fall – laut neuer Vereinbarung – werden die Anlagen abgeschaltet.

Rotmilan

Im Wortlaut heißt es: „Kommt es beispielsweise zu einer Brutansiedlung des Rotmilans in der Nähe einer Anlage, müssen sämtliche Anlagen im Umkreis von 1 500 Metern – vom Sonnenauf- bis Sonnenuntergang – in der Zeit vom 1. März bis zum 31. August bei Windgeschwindigkeiten von weniger als zehn Metern in der Sekunde abgeschaltet werden.“ Das ist derzeit der Fall.

Eingriffe werden geahndet. Auch dazu gibt es eine Passage in dem Regelwerk: „Sollte es Anhaltspunkte geben, dass menschliche Manipulation zum Abbruch einer Brut geführt hat, bleibt es bei der Abschaltung, solange sich Betreiber, Nabu und Untere Naturschutzbehörde des Landkreises nicht auf eine Wiederinbetriebnahme geeinigt haben.“

Wer stellt fest, ob Vögel brüten? Alle Beteiligten haben sich auf einen unabhängigen ornithologischen Sachverständigen geeinigt – die Wahl fiel auf Mitarbeiter des Naturschutzringes Dümmer.

Demnach kartieren Sachverständige jedes Jahr in der Zeit vom 20. Februar bis 15. April die Besetzung der Horste und führen wöchentlich eine Begehung durch, die im Februar mindestens drei Stunden und im März und April mindestens sechs Stunden umfasst.

Erntezeit

Nicht nur im oben genannten Zeitraum sind die Sachverständigen unterwegs, sondern auch in der Erntezeit. Dann sind viele Greifvögel auf Nahrungssuche, weil Kleinstlebewesen aufgescheucht werden.

In dieser Zeit müssen laut Vereinbarung die Anlagen drei Tage abgeschaltet werden. Stellt der Ornithologe in einem 300-Meter-Radius um die Anlagen vermehrte Aktivitäten fest, könne die Abschaltzeit verlängert werden. Diese Regelung gilt allerdings nur für die Anlagen I bis IV.

Rohr- und Wiesenweihe

Abschaltzeiten gibt es ferner während der Balz- und Ansiedlungsphase der Rohr- und Wiesenweihe (in einem Radius von 600 Metern) sowie bei der Brut und beim Ausfliegen der Jungvögel. Auch diese Tätigkeiten müssen die Sachverständigen im Rahmen von Begehungen zu vorgegebenen Zeiten feststellen. Sie wurden bereits fündig: Ein Wiesenweihenpaar hat Nachwuchs. In Kürze sollen die Jungvögel beringt werden.

Monitoring

Zum besseren Schutz der Greifvögel seien Monitorings verabredet worden – darunter ist eine dauerhafte regelmäßige Überprüfung des Bestandes zu verstehen.

Auch für Mäusebussard, Feldlerche und Fledermäuse hat der Nabu Nachbesserungen erzielt (siehe Infokasten).

Automatisiertes Detektionssystem

Anlagen, die sich nicht drehen, kosten den Betreiber Geld. Um sich die Kosten für die aufwendigen Untersuchungen durch die Gutachter jedes Jahr aufs Neue zu sparen – und vor allem, um pauschale Abschaltzeiten zu vermeiden – hat der Windparkbetreiber die Möglichkeit, ein sogenanntes Detektionssystem an den Anlagen zu installieren. Das System muss in der Lage sein, die Vogelarten Rotmilan, Rohr- und Wiesenweihe sowie Mäusebussard zu erkennen.

Derzeit testet Westwind an zwei Anlagen ein solches Kamerasystem. „Die Kameras erkennen an den Flugbewegungen, um welche Vogelart es sich handelt, und stellen fest, ob die Gefahr einer Kollision besteht“, erklärt Christian Meindertsma die Funktionsweise. Wenn das der Fall sei, sende die Kamera ein Signal an die Anlage, die sich dann aus dem Wind drehe. Soweit die Theorie.

Meindertsma setzt auf diese künstliche Intelligenz und hofft, bald erste Ergebnisse zu haben. Bedarfsgerechte Abschaltungen „tragen zu einer besseren Energieausbeute und damit zum Erreichen der Klimaschutzziele bei“, so Meindertsma.

Ziel ist es, diese Systeme später an allen Anlagen zu installieren. Auch an denen, die noch kommen.

Repowering von zehn Anlagen

Die Windkraftplanungen in Albringhausen gehen nämlich weiter. Im Rahmen eines Repowerings sollen zehn Anlagen ausgetauscht werden – ältere kleine gegen neue große.

In diesem Fall will der Nabu voraussichtlich von einer Klage absehen, wie Elke Meier, Fachbereichsleitung Naturschutz beim Nabu Hannover, auf Anfrage erklärt. Sie ist zuversichtlich, dass der Anlagenbetreiber durch die intensiven Verhandlungen soweit sensibilisiert sei, auf die Belange des Naturschutzes einzugehen.

„Im Prinzip finden wir Repowering gut“, so Meier. Außerdem seien die Repowering-Standorte im Bereich Albringhausen längst nicht so problematisch wie die Erweiterungsfläche.

Unterm Strich zieht Meier ein positives Fazit: „Die Gespräche haben lange gedauert. Es war ein intensiver Prozess. Die vereinbarten Überprüfungen laufen über Jahre. Wir stehen ja jetzt erst am Anfang.“

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