Landwirte fürchten angesichts der Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels um ihre Existenz

„Außer Spesen nichts gewesen“

Die Bassumer Landwirte trafen bei den Verbrauchern auf viel Verständnis für ihre Aktion. Organisiert hatte Henry Ziemer (4.v.l.) diese Aktion. - Foto: Büntemeyer

Bassum - 13 Bassumer Landwirte folgten am Mittwoch dem Aufruf des Landvolk-Kreisverbandes Mittelweser und machten ihren Herzen Luft. Sie sind in großer Sorge um ihre berufliche Zukunft, sie fürchten angesichts der Preispolitik des Einzelhandels um ihre Existenz und den Fortbestand ihrer Höfe.

Henry Ziemer, der diese Aktion in Bassum koordinierte, nannte Zahlen, die von seinen Kollegen bestätigt wurden: Es sei Tatsache, dass bei Preisen von 1,30 Euro pro Kilo Schweinefleisch, 3,80 Euro pro Kilogramm für Rindfleisch und 0,24 Euro für den Liter Milch die Herstellungskosten nicht mehr gedeckt sind. „Wir leben zur Zeit von der Substanz“, erklärt einer der Landwirte.

Hinzu komme, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) mit großem Getöse einen Pool eingerichtet habe, aus dem die Landwirte zusätzlich Geld erhalten sollten, die sich dem „Tierwohl“ verschrieben haben.

Sie mussten verschiedene Kriterien erfüllen, für die sie in Vorleistung traten: Sie boten den Tieren mehr Platz in den Ställen, was bedeutete, dass sie die Anzahl ihrer Schlachttiere reduzierten. Und sie richteten die Ställe um, sorgten beispielsweise für „Beschäftigungsmaterial“ für die Tiere.

Ziemer: „Natürlich wurden diese Auflagen zweimal jährlich kontrolliert, und als dann das Geld aus dem Pool ausgezahlt werden sollte, stellte man fest, dass die Geldmenge nicht ausreichte.“ Der LEH, der seine Marge mit Verweis auf die Aktion „Tierwohl“ um rund 60 Cent pro Kilogramm Schweinefleisch erhöht hatte, von denen drei Cent in den Pool geflossen waren, war nicht bereit, den Pool um weitere Centbeträge zu erhöhen. Daher wurde ausgelost, wer von den Landwirten in den Genuss des Geldes kam. „Für die anderen hieß es: Außer Spesen nichts gewesen“, so Ziemer.

Dieser Zynismus macht die Landwirte wütend, zumal ihnen aus Umfragen bekannt ist, dass die Verbraucher durchaus bereit sind, mehr für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu bezahlen. „Aber diese Mehreinnahmen steckt sich der LEH in die Taschen“, schimpft Ziemer. Er hatte die Bassumer Landwirte als Bezirkssprecher am Mittwoch zur Teilnahme an der Protestaktion aufgefordert. Er hatte sie außerdem mit entsprechendem Material ausgestattet, um vor den Filialen von Aldi, Rewe, Lidl und Netto die Kunden anzusprechen und sie über das beschämende Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels und die daraus resultierende schwierige wirtschaftliche Lage auf den Höfen aufmerksam zu machen.

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