Politik und Bürger tauschen sich aus

2+1-Ausbau der B 51: „Psychisch gestörte Raser“

Der Saal war voll bei Lüdeke: Etwa 80 Besucher waren zur Info-Veranstaltung zum Ausbau der B 51 gekommen. - Foto: Michael Walter

Nordwohlde - Von Michael Walter. „Wir lassen uns informieren“ – Unter diesem Motto hatten die Bassumer SPD, Bürgerblock und Grüne für Donnerstag zu einem Info-Abend über den geplanten Ausbau der B 51 ins Gasthaus Lüdeke eingeladen. „Wir möchten die Meinung unserer Bürgerinnen und Bürger in dieser Sache erfahren“, hieß es in der Einladung. Viel Neues haben sie dabei nicht zu hören bekommen.

Gut 80 Besucher überwiegend älteren Semesters waren gekommen. Praktisch ausschließlich – genau wie die Veranstalter – Gegner des Ausbaus. Die Marschrichtung des Abends gab Jürgen Schierholz von der Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde-Fahrenhorst vor, indem er eine knappe halbe Stunde die bereits in der Vergangenheit vorgebrachten Kernargumente gegen die geplante 2+1-Lösung rekapitulierte und mit seinem persönlichen Fazit schloss: „Es ist ja alles falsch, was für den Ausbau spricht“ und „Überholdruck ist eine Erfindung psychisch gestörter Raser“.

Eine Auffassung, der sich die Besucher weitestgehend anschlossen. Und schon mit dem dritten Wortbeitrag kamen die Verschwörungstheoretiker zum Zug: „Wer profitiert denn von dem Ausbau? Wer steckt dahinter? Warum wird das Projekt vorangetrieben, wenn so wenig dafür spricht?“, stellte einer der Gäste ominöse subversive Drahtzieher in den Raum. Ob er denn damit von Korruption spreche, wollte ein anderer wissen. Das wäre dann ja eine mögliche Erklärung, lautete die Antwort.

Inhaltlich nicht wirklich neu

Danach bemühten sich die Veranstalter doch noch um ein wenig Sachlichkeit, um an diesem Abend möglichst viele Gründe zu sammeln, mit denen sie die Argumente der Gegenseite aushebeln könnten. Das war zwar insgesamt recht fruchtbar, inhaltlich aber auch nicht wirklich neu.

Argument Zeitgewinn: „Spätestens in Fahrenhorst, am Ende der Ausbaustrecke, stehen sie doch ohnehin wieder alle hintereinander“, hieß es da. Torsten Eggelmann, ehemaliges Rats- und Kreistagsmitglied der Grünen, brachte das auf die Spitze: „Ich hab mir das mal ausgerechnet. Ich könnte durch den Ausbau auf dem Weg nach Bremen eine Minute Fünfundvierzig sparen. In dieser Zeit könnte ich mir bequem die Schuhe zubinden.“

Argument mehr Sicherheit: Die meisten Unfälle auf der B 51 seien keine Überholunfälle, sondern Abbiegeunfälle. Der 2+1-Ausbau werde das nicht verbessern.

Argument Überholen: Am Ende der Überholspur würden die Überholenden gewaltsam auf die rechte Spur drängeln, dadurch Bremsmanöver und Auffahrunfälle auslösen.

Dazu die bekannten grundsätzlichen Thesen: Der Ausbau koste unverhältnismäßig viel Geld, verbrauche viel Fläche, zahlreiche Bäume müssten dafür abgeholzt werden, und der Verkehr werde durch den Ausbau zunehmen.

Stadt Bassum ohne direktes Mitspracherecht

Ein guter Teil der Nachfragen aus den Besucherreihen bezog sich auf das bevorstehende Planfeststellungsverfahren und die Einflussmöglichkeiten darauf. Christoph Lanzendörfer (SPD) erklärte: Die Stadt Bassum müsse lediglich ihr Einvernehmen erklären und habe kein direktes Mitspracherecht. Dennoch würden die Planentwürfe öffentlich ausgelegt und jeder Einwohner habe die Gelegenheit, dazu eine Stellungnahme abzugeben. „Schön wäre es, wenn wir dann nicht 700 Mal den gleichen Einwand bekämen, sondern 700 verschiedene. Denn jeder einzelne muss abgewogen werden, und die Planer müssen dann ein Gegenargument dafür auf den Tisch legen.“

Wie die Chancen stehen, den Straßenausbau doch noch zu verhindern, lautete die Schlussfrage aus dem Publikum. Eike Sellmer (Grüne) räumte ein, sehr wahrscheinlich sei das nicht. „Wir können den Ausbau verzögern, vielleicht sogar um Jahre – aber wohl nicht verhindern.“

Kommentar: ...und sie dreht sich doch!

Von Michael Walter

Alles ist gut, so wie es ist. Veränderungen sind bestenfalls anmaßend, schlimmstenfalls Teufelswerk, auf jeden Fall aber unnötig, weil dadurch nur alles schlimmer wird. – Das ist eine buchstäblich mittelalterliche Geisteshaltung, die für Europa 1.000 Jahre lang Rückschritt und Stillstand bewirkt hat; vom Ende des Römischen Imperiums bis zur Renaissance. Speziell in Deutschland – so mein persönlicher Eindruck – ist diese Geisteshaltung seit 10 oder 20 Jahren wieder schwer im Kommen. Unser Land ist veränderungsfeindlich geworden. 

Du kannst nichts Neues mehr schaffen, ohne dass sich Menschen zusammentun, die dagegen auf die Barrikaden gehen. Die Argumente sind dabei komischerweise fast immer dieselben: Das bringt doch keinen Vorteil, die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen, die Belastung für die Umwelt und die Menschen ist unzumutbar. Dabei ist es praktisch egal, um welche Sache es geht. Ob es der Bau einer Stromleitung ist, einer Güterzugstrecke, eines Tiefseehafens oder der Transrapid (erinnert sich noch jemand daran? ...diese Magnetschwebebahn, die jetzt in China fährt...).

Würde heute in Deutschland die Eisenbahn neu erfunden werden – es gäbe keine Chance, dass sie jemals den Betrieb aufnimmt. Oder das Auto: Tausende von Kilometern Straßen kreuz und quer durch das Land pflastern? Völlig undenkbar. Am Ende gar noch ein Netz aus Autobahnen! Geht gar nicht!

Insofern ist es keine Überraschung, dass auch der Ausbau der B 51 Widerstand erzeugt. Und es ist das gute Recht eines Jeden, dagegen zu sein. Ich bin dafür! Und kann jedem nur empfehlen, ein paarmal wochentags von Nordenham nach Delmenhorst zu fahren. Vom Wesertunnel bis Brake ist die B 212 auf knapp 20 Kilometern als 2+1-Lösung ausgebaut. Da kann jeder ausprobieren, wie wunderbar das funktioniert. Der Rest der Strecke ist dann wieder der herkömmliche lange Jammer. Und das Fahren auf beiden Abschnitten ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Selbst wenn der Zeitvorteil nur marginal ist.

Lesen Sie hierzu auch:

Rat stellt sich gegen Ausbau der B 51

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