Workshop in der Aus- und Fortbildungswerkstatt Bassum

Zwischen Metall sägen und Kräuter pflanzen

Alles selbst gemacht: Aurelian Jeske zeigt seiner Kräuter-Wasser-Treppe.
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Alles selbst gemacht: Aurelian Jeske zeigt seiner Kräuter-Wasser-Treppe.

Da es im Moment schwer ist, Kontakt zu Jugendlichen in der Berufsorientierung herzustellen, hat sich die Aus- und Fortbildungswerkstatt Bassum einen besonderen Workshop ausgedacht.

  • Besonderer Workshop zeigt den Bau einer Kräuter-Wasser-Treppe.
  • Aus- und Fortbildungswerkstatt will neugierig auf Berufe machen.
  • Weitere Workshops sind geplant

Bassum – In der Aus- und Fortbildungswerkstatt „taff“ in Bassum hängt der Geruch von Blumenerde in der Luft. An den Tischen mit den Schraubstöcken, wo normalerweise Auszubildende das Feilen und andere handwerkliche Fertigkeiten üben, stehen Schüler der achten und neunten Klassen aus verschiedenen Schulen. Sie setzen behutsam Minze, Thymian, Rosmarin und andere Kräuter in metallene Kästen, die schon mit Erde gefüllt sind.

Diese vier Kästen sind versetzt übereinander gebaut. Verbunden durch ein langes Rohr, das aus dem obersten Kasten emporragt und auf das eine mit Wasser gefüllte PET-Flasche umgedreht gesetzt werden kann. Durch dieses Bewässerungsrohr, in das mehrere Löcher gebohrt wurden, werden die Pflänzchen auf allen Ebenen mit unterschiedlich viel Wasser versorgt. Über dem obersten Pflanzenkübel ist ein Dach angebracht, durch das verdunstetes Wasser aufgefangen werden soll.

Kräuter-Wasser-Treppe lautet der Name des Projekts, das die Ausbildungswerkstatt zum ersten Mal für Schüler im Berufsorientierungsjahr anbietet. „Durch Corona war es uns nicht möglich, mit künftigen Auszubildenden an den Schulen in Kontakt zu treten“, schildert Derya Vurgun, Netzwerkkoordinatorin von „taff – technische ausbildung für fachkräfte“. So kam die Idee auf, stattdessen im Haus einen Workshop zu veranstalten, der mehrere Berufsfelder in sich vereint, um die Schüler darauf neugierig zu machen.

Verschiedene Fertigkeiten sind gefragt

Denn, um die Kräuter-Wasser-Treppe konstruieren zu können, braucht man Fertigkeiten aus verschiedenen Berufsfeldern. „Wir decken Konstruktion, Metallbau sowie Garten- und Landschaftsbau ab“, erklärt Ausbildungsleiter Markus Tönjes. „Die Kästen haben wir geliefert bekommen. Aber die Schüler mussten selbstständig Arbeitspläne erstellen, Eisen zusägen, unterschiedlich große Löcher bohren, Gewinde zuschneiden, mit Silikon abdichten und montieren.“

Insgesamt vier Tage haben die jungen Teilnehmer jeweils von 8 bis 16 Uhr fleißig gewerkelt – in den Osterferien wohlgemerkt. Am letzten Tag kommen die Pflanzen dazu, wobei die Schüler darauf achten müssen, welche von ihnen beispielsweise viel Wasser und Licht brauchen – also in die oberste Etage gehören.

Und damit alles perfekt läuft, ist sogar ein echter Fachmann dabei, nämlich Rainer Ostmann vom gleichnamigen Gartencenter, das unter anderem eine Filiale in Stuhr betreibt. Er hat nicht nur die Erde und die Kräuter mitgebracht, sondern auch viele interessante Informationen für die Jugendlichen. „Ich erkläre, was die Pflanzen brauchen und, dass gute Erde für sie genauso wichtig ist, wie für uns eine gesunde Ernährung.“

Teilnehmer haben viel Spaß

Ein Projekt wie die Kräuter-Wasser-Treppe hat er auch noch nicht zu Gesicht bekommen, findet die Idee aber „cool“ und fragt gleich mal nach, ob er ein solches Objekt in einer seiner Filialen ausstellen darf. Von seinen Schülern an diesem Tag ist er sehr angetan. „Alle sind gut dabei, hören zu und haben auch keine Hemmungen, sich die Hände dreckig zu machen“, lobt Ostmann.

Und ordentlich sind sie. Auf den Tischen und dem Boden hat sich die Blumenerde munter verteilt. Immer wieder greifen die neun Jugendlichen zu Besen und Handfeger und kehren sie sorgsam zusammen. Auch das ist etwas, was sie jetzt schon mal lernen können, findet Tönjes: den Arbeitsplatz sauber zu halten.

Aurelian Jeske ist einer von ihnen, der besonders umsichtig die Erde zusammenkehrt. Denn er ist mit der Begrünung seiner Treppe schon fertig. „Das Projekt hat mir viel Spaß gemacht und war eine tolle Abwechslung in den Ferien“, sagt der 13-Jährige. „Außerdem habe ich mehrere Berufe näher kennengelernt.“ Was er einmal werden möchte, weiß er noch nicht genau, aber „auf jeden Fall was mit Handwerk oder Technik“.

Auch Pit Luckas hat der Workshop gefallen. „Ich fand es sehr interessant, mit Metall zu arbeiten und habe viel über den Umgang damit gelernt.“ Weiß er schon, welchen Beruf er mal ergreifen will? „Auf jeden Fall nicht ins Büro“, stellt Pit klar.

Eine gelungene Premiere

Ausbildungsleiter Tönjes ist begeistert von seinen Schützlingen. „Sie haben voll mitgezogen – obwohl sie ja eigentlich Ferien haben und da auch was anderes machen könnten. Neben den handwerklichen Tätigkeiten wird auch über Nachhaltigkeit gesprochen. Hier steht beispielsweise Wasser im Zentrum, der wichtigste Rohstoff von allen.“ Die Kräuter-Wasser-Treppen dürfen die Teilnehmer mit nach Hause nehmen. „Das ist wichtig“, findet Tönjes. Dann haben die Schüler etwas, was sie mit eigenen Händen gebaut haben.

Für die Ausbildungswerkstatt war der Workshop eine Premiere, verrät Vurgun lächelnd. „Und sie ist gelungen.“ Zuvor hatte „taff“ Kontakt zu den Schulen in verschiedenen Kommunen wie Bassum, Sulingen, Syke und Twistringen aufgenommen und vorgefühlt, ob Interesse besteht. Die positive Resonanz bestärkt das Ausbildungsnetzwerk, den Workshop noch mal anzubieten.

Lernen vom Fachmann: Rainer Ostmann erklärt, worauf die Schüler achten müssen.

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