Auffälliger Wert in Neubruchhausen / NLWKN wartet zweite Untersuchung ab

Antibiotika im Grundwasser in hoher Konzentration

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Immer häufiger wird Antibiotika im Grundwasser nachgewiesen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Tierarzneimittel gehören nicht ins Grundwasser. Und doch weisen seit einigen Jahren Proben immer wieder Spuren von Antibiotika auf. So auch in Neubruchhausen, wie eine Untersuchung des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küstenschutz- und Naturschutz (NLWKN) ergibt.

An der Messstelle NeubruchhausenI wurde Sulfamethoxazol nachgewiesen – und zwar in erheblicher Menge. Bisher gibt es keinen festgelegten Grenzwert, wie Dr. Lars Germershausen vom NLWKN, Betriebsstelle Hannover-Hildesheim, mitteilt. Das Umweltbundesamt habe lediglich einen Richtwert vorgeschlagen. Dieser liegt bei 100 Nanogramm (ng) pro Liter (l). In Neubruchhausen wurden 349,9 ng/l gemessen. Untersuchungszeitraum war vom 15. Februar bis zum 1. Mai 2015. Dass dieser Wert hellhörig macht, streitet Germershausen nicht ab. Deshalb habe es im Herbst (1. September bis zum 30.Oktober) eine zweite Messung gegeben. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Die Messstelle in Neubruchhausen liegt zwischen Bassum und Neubruchhausen, direkt in der Nähe der Landesstraße.

Ziel der Untersuchung sei es gewesen, den Status Quo zu ermitteln. Man sei weit davon entfernt, Ursachen benennen zu können.

„Wir können derzeit nicht zwingend sagen, dass die erhöhten Werte auf Tierarzneimittel zurückzuführen sind“, sagt Lars Germershausen. Sulfamethoxazol werde sowohl in der Tiermedizin als auch in der Humanmedizin verwendet.

Theoretisch sei es möglich, dass von Menschen eingenommenes Antibiotika über die Ausscheidungsorgane ins Abwasser gelangt seien. Von dort könnten sie über eine kaputte Kanalisation oder eine defekte Kleinkläranlage ins Grundwasser gesickert sein. Ebenso möglich sei, dass die in der Tierhaltung verwendeten Arzneimittel über die Gülle auf die Äcker ausgebracht worden seien. Auch eine unsachgemäße Entsorgung der Medikamente wäre denkbar.

Germershausen lässt sich auf keinerlei Spekulationen ein und verweist stattdessen auf eine Presseerklärung des NLWKN. „Aktuell deutet sich eine Verdichtung der Wirkstoffbefunde in den Regionen mit vergleichsweise hoher Viehbesatzdichte an“, heißt es darin. Weiter ist zu lesen: „Wir stehen erst am Anfang der Untersuchungen. Abschließende Aussagen zu den vorherrschenden Eintragspfaden können derzeit nicht getroffen werden. Auf welchem Wege die Arzneimittelrückstände in das Grundwasser gelangen, soll durch ein Projekt des Umweltbundesamts sowie durch ein ergänzendes Projekt des NLWKN in Cloppenburg herausgefunden werden.“

Laut der Landesbehörde sei der Verbrauch von Tier-antibiotika in Niedersachsen „alarmierend“. 700 Tonnen seien 2012 nach Niedersachsen geliefert worden. „Das sind 40 Prozent der insgesamt in Deutschland von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte ausgelieferten Antibiotika. 500 Tonnen davon gingen allein in sieben Landkreise in der Weser-Ems-Region“, heißt es. Die verabreichten Medikamente würden nach der Ausscheidung durch die Tiere mit dem Dünger auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebracht. Mit der Versickerung können sie in den Boden und das Grundwasser gelangen.

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