Archäologen haben ihre Arbeit in Stühren abgeschlossen

Auf den Spuren einer Siedlung

Die Grabungsfläche in Stühren: Die dunkle Verfärbung zeigt den Hausgrundriss.
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Die Grabungsfläche in Stühren: Die dunkle Verfärbung zeigt den Hausgrundriss.

Bassum – Tiefe Löcher werden in den Boden gegraben und Holzpfosten hineingestellt. Zwischen die Pfosten kommt ein Geflecht aus Weiden- und Haselnussruten, die von außen und innen mit Lehm verstrichen werden und die Wände bilden. Hausbau in der Bronzezeit. Ein Gebäude, das nur etwa 30 Jahre halten wird. Doch seine Spuren sind noch über 4000 Jahre später zu sehen. In diesem Fall in Stühren.

Dort haben archäologische Grabungen den Grundriss eines Hauses zu Tage gefördert. 13 Meter lang und 7 Meter breit. „Dazu kommen ein Nebengebäude sowie Gruben, in denen sowohl Vorräte gelagert als auch Abfälle entsorgt wurden“, berichtet Friedrich Wilhelm Wulf, Bezirksarchäologe vom Landesamt für Denkmalpflege in Hannover.

Datiert wird das Gebäude auf die ältere Bronzezeit, etwa 1800 bis 1300 vor Christus – also zu der Zeit, in der auch die bekannten Grabhügel in Stühren entstanden.

Leben in der Bronzezeit

Wie muss man sich das Leben in dieser Zeit vorstellen, die als Bronzezeit bezeichnet wird, weil die Menschen für ihrer Werkzeuge mehr und mehr Bronze anstelle von Stein verwendeten? – Die Menschen lebten wie in der vorhergehenden Jungsteinzeit von Ackerbau und Viehzucht. Allerdings wurden in Stühren bisher keinerlei Knochen von Tieren gefunden, die die damaligen Bewohner möglicherweise hielten.

Zum Ernten benutzten die Menschen Sicheln aus Bronze. Damit kamen sie schneller vorwärts als mit Steinklingen und konnten mehr Menschen ernähren. Sie entdeckten die Saubohne und erfanden die Herstellung von Käse aus Kuhmilch. Zu den Haustieren kam das Pferd hinzu. Sie lebten in Großfamilien aus acht bis zehn Personen auf einem Gehöft zusammen. Aber auch Dörfer mit bis zu acht Familien wurden gefunden.

Könnte es in Stühren auch solch eine Siedlung gegeben haben? Friedrich Wilhelm Wulf kann sich das gut vorstellen. Zumindest lassen die vielen Hügelgräber in der Umgebung darauf schließen, dass nicht nur eine Familie dort lebte. Aber um Gewissheit zu bekommen, müssen die Archäologen sich in Geduld fassen, bis auch der Rest des insgesamt 29 Hektar großen Gebiets erschlossen wird. Bisher sind nur sieben Hektar erforscht.

Vorausgegangen war der Antrag der Firma Meyer und Schreiber, dort Sand abzubauen. Bevor es losgehen konnte, nahmen die Archäologen das Gebiet in Augenschein (wir berichteten).

Die Grabung vor Ort übernahm das Unternehmen „Archäologische Dienstleistung Blanck“ aus Bruchhausen-Vilsen – und fand neben dem Grundriss des Hauses auch 50 Brandgräber. „Die sind allerdings jünger als das Gebäude“, weiß Wulf.

In den Hügelgräbern wurden die Toten mit allem bestattet, was sie für ihr Leben im Jenseits benötigten. In der jüngeren Bronzezeit, etwa um 1300 vor Christus, ging man dann dazu über, die Toten zu verbrennen. Die Asche des Scheiterhaufens wurde dann in einer Grube bestattet.

50 Brandgräber

Die 50 Gräber, die in Stühren untersucht wurden, stammen aus den Jahrhunderten um Christi Geburt, erklärt der Leiter des Referats Archäologie.

Warum man von der Körper- zur Brandbestattung überging, sei ein bislang ungelöstes Rätsel, sagt Wulf. Diese Form der Bestattung geriet in Norddeutschland erst wieder aus der Mode, als die Sachsenkriege mit der Taufe Herzog Widukinds endeten – und damit das Christentum eingeführt wurde.

Haben die Archäologen in den 50 Brandgräbern etwas gefunden? „Nur wenig Metall und Keramik“, sagt Wulf. „Und eine angeschmolzene Gürtelschnalle aus Bronze, die wahrscheinlich einem Mann gehört hat.“

Bereits Anfang Februar haben die Archäologen das Feld wieder geräumt, das nun zum Abbau freigegeben ist. Das archäologische Denkmal wird dadurch zerstört – ist aber nicht verschwunden, denn alle Funde wurden genau aufgezeichnet. In ein paar Jahren, wenn die nächste Fläche abgebaut werden soll, werden sie zurückkehren – und dann vielleicht sogar den Rest der ehemaligen Siedlung freilegen.

Von Julia Kreykenbohm

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