Atomschutzbunker statt Klassenzimmer

Prüfungsgruppe der Prinzhöfte-Schule Bassum erlebt Geschichtsunterricht unter der Erde

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Mirko Krumm zeigt Schülern Verbindungsmöglichkeiten zur Außenwelt.

Bassum - Von Katharina Schmidt. Alarm ertönt. Der Heulton warnt vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen. 17 Jugendliche stehen zusammengedrängt im Atomschutzbunker in Bassum-Helldiek, umgeben von drei Meter dicken Betonwänden. Die Schutzbelüftung – entwickelt, um radioaktive Partikel abzufiltern – surrt. Trotz allem wirken die 14- bis 19-Jährigen entspannt. Sie wissen: Es ist kein Ernstfall, sondern eine Simulation im Rahmen einer außergewöhnlichen Unterrichtsstunde an der Prinzhöfte-Schule.

Diese begann gestern vor dem ehemaligen Warnamt, das auf dem Schulgelände liegt. Treffen war um 8.30 Uhr an der Eingangstür aus Metall, die zwischen moosbewachsenen Mauern eingelassen ist. Ein paar Schüler kamen einen Tick zu spät. Mirko Krumm, Vorsitzender des Vereins „Warnamt II“ und Führer der gestrigen Besichtigungstour, nahm es mit Humor. „Ich bin froh, dass wir nicht für den Ernstfall üben. Dann wäre es jetzt zu spät“, sagte er schmunzelnd.

Während der ganzen Geschichtsstunde im Atomschutzbunker blieb die Stimmung locker – obwohl das Thema, der Kalte Krieg, alles andere als fröhlich war. Angst von Atomangriffen prägte die damalige Zeit. Das wird in den größtenteils unterirdischen Räumen deutlich.

Wer durch die Eingangstür tritt, muss zunächst durch eine Schleuse und einen Dekontaminations-Bereich. Auf vier Geschossen finden sich kahle Flure, spartanische Schlafräumen, Wassertanks, jede Menge Technik und Räume, in dem Mitarbeiter des Warnamts ab 1962 atomare, biologische und chemische Angriffe beobachtet haben. „Die hatten hier die Aufgabe, in den Himmel zu gucken und zu beobachten, ob sich irgendwelche kriegerischen Handlungen entwickeln“, fasste Mirko Krumm zusammen.

Der Bunker war ausschließlich für den Schutz der Mitarbeiter vorgesehen. Normalerweise gingen sie nach Feierabend nach Hause, im Notfall hätten sie aber 30  Tage in dem Bunker überleben können. Ein solcher Extremfall ist nie eingetreten. Es gab lediglich Übungen.

Die Schüler rümpften die Nase bei dem Gedanken, mit 200 Mann auf engstem Raum in einem Bunker zu leben, in dem es nur zwei Duschen gibt. Beängstigend fanden sie hingegen die Info, dass es Atombomben gibt, die ein ganzes Land problemlos auslöschen können.

Insgesamt schienen sie interessiert, stellten zwischendurch Fragen und bereiteten sich dabei nebenbei auf eine anstehende Prüfung vor. Die Lehrerin Carolina Oslath hatte die Führung in die Wege geleitet.

Unter dem Motto „Leben in die Schule holen, am Leben lernen und mit der Schule ins Leben gehen“ gibt es derzeit mehrere neue Unterrichtsprojekte an der Prinz-Höfte-Schule. Die Schüler besuchen Menschen im Altenheim oder bringen Kindergartenkindern Akrobatik bei, teilt Pressesprecherin Susanne Hinrichs mit. Demnächst bekämen sie Besuch von lokalen Politikern und ab Ostern würden Kinder unter professioneller Anleitung ihr Mittagessen selbst kochen.

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