Ariane Müller aus Bassum ist Wolfsbotschafterin beim Naturschutzbund

„Willkommen Wolf“

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Ariane Müller setzt sich für den Schutz von Wölfen ein.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Willkommen Wolf“: Im Schaufenster des Antiquariats von Ariane Müller aus Bassum steht seit kurzem ein Wolf aus Pappmaché in Lebensgröße. Zusätzlich liegen jede Menge Hefte und Infobroschüren über den Vierbeiner in der Auslage. Ariane Müller möchte eine Lanze für den Wolf brechen. Sie ist Wolfsbotschafterin beim Naturschutzbund.

„Ich konnte nicht anders“, erklärt sie ihre Beweggründe. Sie möchte den Menschen die Ängste nehmen, Vorurteile abbauen und aufklären. Aus Naturschutzsicht sei die Rückkehr der Wölfe ein großer Erfolg. „Aber der Wolf ist ein Raubtier und weckt Urängste“, weiß Müller um die emotionsgeladene Diskussion.

„Als klar war, dass der Wolf auch in unserer Region wieder beheimatet ist, habe ich gedacht, dass er einen Fürsprecher braucht.“ Deshalb habe sie sich beim Naturschutzbund als Botschafterin registrieren lassen. Mittlerweile gibt es bundesweit etwa 500 solcher Botschafter.

„Meine Aufgabe ist es, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, sachlich zu informieren, Ängste abzubauen, auch Schulen und Kindergärten zu besuchen und für eine Akzeptanz zu sorgen“, erklärt Müller. Kein leichtes Unterfangen.

Sie weiß um die breite Front, die den Wolf misstrauisch beäugt. Allen voran besorgte Eltern, verärgerte Jäger, betroffene Schafhalter und verängstigte Waldspaziergänger. „Die Jäger sehen den Wolf als Konkurrenten. Absoluter Quatsch“, meint Müller. Der Wolf erweise sich als nützlich, weil er vor allem alte und kranke Tiere reiße. In Sachsen und Polen, wo der Wolf bereits seit längerer Zeit lebt, sei der Wildbestand nicht wesentlich reduziert worden.

Müller steht auch auf dem Standpunkt, dass der Wolf eine Existenzberechtigung habe und der Mensch lernen müsse, mit ihm zu leben. „Der Wolf ist Teil des Öko-Systems.“

Andere Länder würden es längst vormachen. „In Italien, Slowenien und Rumänien beispielsweise funktioniert das Zusammenleben.“ Auch in Sachsen hätte sich die anfängliche Aufregung gelegt, nachdem der Wolf Anfang der 90er-Jahre aus Polen eingewandert sei.

Voraussetzung eines Zusammenlebens sei, dass sich die Menschen auf die Veränderung einstellen müssen. „Dazu zählt, dass Schafhalter ihre Tiere schützen“, so Müller. Der Wolf sei schlau. „Eine Weide voller Schafe, nur umzäunt mit Stacheldraht, ist für ihn eine Einladung.“ Einzig hohe Schutzzäune und Herdenschutzhunde seien wirksame Maßnahmen. Das gilt es zu akzeptieren, findet Müller.

Auf die Gefahr für Menschen angesprochen: „In den letzten Jahrzehnten gab es lediglich neun bekannte Todesfälle durch Wölfe. Keiner davon ereignete sich in Deutschland. In fünf Fällen waren Tiere an Tollwut erkrankt. In vier Fällen sind sie angefüttert worden und haben dadurch ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verloren. Anfüttern ist der größte Fehler, den man machen kann“, sagt Müller. Der Wolf sei nun mal ein Raubtier.

Der Mensch gehöre aber nicht zu seinem Beuteschema. Müller: „Ich laufe auch weiterhin durch den Wald. Das Risiko, von Wildschweinen angegriffen zu werden oder an einem Zeckenbiss zu erkranken, ist wesentlich höher.“ Sicherlich werde der Wolf Deutschland im Laufe der kommenden Jahre flächendeckend bevölkern. „Aber er wird sich nicht unerschöpflich vermehren“, ist die Wolfsbotschafterin überzeugt. „Dafür sorgen allein schon der Verkehr, die natürliche Auslese – nur die Hälfe der Welpen erleben das zweite Jahr – und unerlaubte Abschüsse.“ In Deutschland sei ein Rudel bereits komplett verschwunden.

Während der Fortbildungen habe sie viel über die Biologie und das Verhalten der Tiere gelernt. Dieses Wissen möchte sie nun weitergeben. Anfragen beantwortet Ariane Müller unter folgender Kontaktadresse: wolfsbotschafterin@t-online.de

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