Neues Bestimmungsbuch beschreibt auf 420 Seiten 174 verschiedene Sorten

Apfel ist nicht gleich Apfel

Ariane Müller mit dem neuen Apfelsorten-Bestimmungsbuch.
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Ariane Müller mit dem neuen Apfelsorten-Bestimmungsbuch.

Bassum – Der Apfel ist statistisch gesehen des Deutschen liebste Frucht. Fast 22 Kilogramm verspeist jeder Bürger pro Jahr rein rechnerisch. Schon Adam und Eva kannten sie nur zu gut, berichtet die Bibel. Heute ist die Sortenvielfalt so groß, dass Verbraucher und Gartenbesitzer gleichermaßen über Sorten rätseln. Fundierte Antworten gibt der Ratgeber „Apfelsorten in Deutschland“, ein 420 Seiten starkes Nachschlagewerk.

Darin stellen Ariane Müller aus Bassum und Dankwart Seipp aus Lutten exakt 174 Apfelsorten vor. Beide sind Pomologen, verfügen also über fundierte Kenntnisse der verschiedensten charakteristischen Merkmale der unterschiedlichen Apfelsorten. „Das ist eine Wissenschaft“, betont Ariane Müller. Denn es gebe eine nahezu unüberschaubare Vielzahl an Apfelsorten, die zum Teil schon sehr alt sind. Schon rund 10 000 Jahre vor Christus bauten Menschen Äpfel an. Die ursprüngliche Heimat dieser Frucht ist Zentral- und Westasien.

Himbeerapfel von Sloupno

Ein vergleichsweise junges Gewächs ist zum Beispiel der Himbeerapfel von Sloupno. „Er stammt ursprünglich aus Böhmen“, erklärt Ariane Müller – und berichtet, dass diese historische, seit 1890 bekannte Sorte fast nur noch im heutigen Landkreis Diepholz zu finden sei. Verbreitet habe ihn die ehemalige Baumschule Eggers aus Melchiorshausen: „Sie muss irgendwie Kontakt nach Böhmen gehabt haben.“

Der Himbeerapfel, der sich durch ein ganz besonders delikates Aroma auszeichnet, ist nur ein Beispiel für die Sortenvielfalt einer kulturhistorischen Frucht, die noch heute in so gut wie jedem Hausgarten wächst. „Viele Menschen schätzen die besonderen Eigenschaften eines bestimmten Apfelbaumes und möchten ihn nicht missen“, wissen die Autoren des neuen Ratgebers – und: „Um einen abgängigen Baum zu ersetzen oder weitere Bäume dieser Sorte zu beschaffen, benötigt man den korrekten Sortennamen.“

Ein Bestimmungsbuch mit den Titel „Norddeutschlands Apfelsorten“ hatte das Autorenduo schon 2015 herausgebracht – mit Ökowert Emden als Partner. „Weihnachten 2016 war es schon ausverkauft“, betont Ariane Müller, und stellt klar, wie groß die Nachfrage war: „Ein Exemplar wurde für bis zu 200 Euro gehandelt.“

Ihr neues Bestimmungsbuch ist in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienen – im Eigenverlag. Zwar hätten große Verlage ihr Interesse bekundet: „Aber wir hätten unsere Rechte abgeben müssen. Das wollten wir nicht“, betont Ariane Müller. Sie beschäftigt sich seit den 1980er-Jahren mit der Historie des Apfels und seinen unterschiedlichen Sorten.

Roter Eiserapfel schon im 16. Jahrhundert

Zwar habe es im Lauf der Jahrhunderte auch Beschreibungen gegeben – zum Beispiel über den roten Eiserapfel, der bereits im 16. Jahrhundert um Bamberg und Nürnberg angebaut wurde und bis in die 1950er-Jahre in Europa weit verbreitet war – weil er eine hervorragende Lagerfähigkeit besitzt. Alte Beschreibungen waren zumeist von Zeichnungen begleitet.

„Im vorliegenden Buch sind die Früchte im Studio fotografiert worden“, berichtet das Autorenduo über die Zusammenarbeit mit dem Fotografen Lutz Poltrock. „Die verschiedenen Ansichten der Früchte, Schnittbilder und Kerne lassen sich dadurch in einer Abbildung kombinieren.“ Besonders wichtig ist den Autoren dabei die Stielansicht: „Ein entscheidendes Merkmal bei der Sortenbestimmung.“

Bei der Auswahl der Früchte achteten die Autoren darauf, die mögliche Bandbreite innerhalb einer Sorte darzustellen: „So entstanden Bilder mit ihren sortentypischen Merkmalen zur Pflückreife, die die Beschreibungen in den Texten verdeutlichen.“ Angaben zur Reifezeit und Haltbarkeit der Sorte, besondere Ansprüche an den Standort und Anfälligkeit gegenüber Krankheiten gehören genauso dazu. Sie sollen „Entscheidungshilfen sein bei der Auswahl von passenden Sorten für den Hausgarten, die Obstwiese oder die Landschaft“.

Wichtige Basis: Praktisches Wissen

Eine wichtige Basis ist das praktische Wissen, das sich die Bassumerin angeeignet hat. In Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz hat Ariane Müller mit Apfelfreunden gesprochen: „Ich bin bestimmt weit über 100 000 Kilometer gefahren!“ Bei sogenannten Apfeltagen brachten ihr Gartenbesitzer Früchte mit dem Wunsch der Sortenbestimmung. So wuchs die fundierte Erfahrung.

„Das ist ein Prozess“, sagt die Autorin heute, die selbst Apfelbäume mit den Zweigen verschiedenster Sorten veredelt und deren Wuchs genau beobachtet – entweder im eigenen Garten oder dem guter Freunde. Ariane Müller weiß, wie man auf einem Baum bis zu 20 verschiedene Sorten züchten kann.

„Wir wollen diese Erfahrung der Nachwelt erhalten und unser Wissen weitergeben“, sagt die Bassumerin. Sie forscht als Pomologin weiter, hat schon wieder 20 Sortenbeschreibungen fertiggestellt. Im Winter kämen wahrscheinlich noch weitere hinzu, schmunzelt sie.

Die druckfrische neue Apfel-Enzyklopädie hat für sie einen ganz besonderen Wert: „Das Buch ist auch noch in 200 Jahren gültig – wenn es die beschriebenen Sorten dann noch geben sollte.“

Wie vielseitig der Apfel ist, beweist Pomologin Ariane Müller mit einem Apfelgenuss rund um das Jahr mit Früchten, die aus dem eigenen Garten stammen. Fünf Bäume reichen dafür schon aus. Richtig veredelt und gepflegt, kann schon im Juli die Sorte George Cave geerntet werden, gefolgt von Gravensteiner, Holsteiner Cox und rotem Bärläppsch – komplettiert von der Champagner Renette, die lange gelagert werden kann. So lange, bis die ersten Früchte von George Cave wieder genussreif sind. 

Das Buch

„Apfelsorten in Deutschland“ von Ariane Müller/Dankwart Seipp /  Lutz Poltrock ISBN 978-3-00-070429-1, 420 Seiten, 78 Euro

Von Anke Seidel

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