Antrag zur Umbenennung der Hindenburgstraße sorgt für Diskussionen

Anwohner wollen gehört werden

Die Umbenennung der Hindenburgstraße wird kontrovers diskutiert.
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Die Umbenennung der Hindenburgstraße wird kontrovers diskutiert.

Bassum – Die Nachricht sei ein bisschen wie eine Bombe aus heiterem Himmel gefallen. So schildert Günter Lettau seine Gefühle, als er aus der Zeitung erfuhr, dass die SPD beantragt, die Hindenburgstraße umzubenennen. Hintergrund: Der ehemalige Reichspräsident habe es nicht verdient, durch einen Straßennamen geehrt zu werden, schreibt die Fraktion. Er habe sich unter anderem an der sogenannten Osthilfe bereichert und Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht, um seine Machenschaften zu vertuschen.

Sein Vorgänger im Amt, Friedrich Ebert, wäre in den Augen der SPD der passendere Namensgeber für die Hindenburgstraße (wir berichteten).

„Ich bin entsetzt und finde dieses Vorhaben überflüssig“, sagt Lettau, der Anwohner der Hindenburgstraße ist. „Wir haben gerade ganz andere Sorgen – in der Welt und in Bassum. Stattdessen sollte man sich lieber Gedanken über die Entwicklung der Innenstadt machen, zum Beispiel über den Leerstand in der Sulinger Straße. Meiner Meinung nach sollten wir auch nicht den Richter über die Vergangenheit spielen und uns vor Augen halten, dass es damals auch eine andere Zeit war.“

Ursula Reitz lebt selber nicht an der Hindenburgstraße, besitzt aber dort Immobilien. Die Debatte um den Namen sei nicht neu. „Ich erinnere mich, dass vor vielen Jahren mal eine Gruppe von jungen Leuten durch die Straße zog und eine Umbenennung forderte. Doch das verlief wieder im Sand.“

Reitz möchte ebenfalls keinen neuen Namen. „Wir sollten die Vergangenheit nicht unter den Teppich kehren. Stattdessen könnte man doch eine Informationstafel zu Hindenburg anbringen, wo sein Handeln dargestellt und in den historischen Kontext eingearbeitet wird. Für mich ist dass dann auch keine Glorifizierung einer Person, sondern Darstellung des Zeitgeschehens. Und Geschichte hat nun mal sowohl positive als auch negative Aspekte.“

Helmut Behrens als Anwohner der Hindenburgstraße und Hobby-Historiker stimmt ihr zu. „Wir haben 90 Prozent der Anwohner gefragt und die sind alle gegen eine Umbenennung. Und letztendlich wird das Ganze auch mit Kosten und enormem Aufwand verbunden sein. Überall muss man seine Adresse ändern lassen und die ansässigen Firmen brauchen ein neues Logo.“

Gegen eine Friedrich-Ebert-Straße haben die Anwohner grundsätzlich nichts. „Aber das sollte dann vielleicht in einem Neubaugebiet passieren. Es gab doch in der letzten Zeit mehrere Gelegenheiten dazu“, findet Lettau.

Für die Gruppe steht fest, dass sie eine Unterschriftenaktion machen und die Liste an den Bürgermeister übergeben wird. „Wir wünschen uns, dass das Ganze nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden wird und hoffen auf eine Anwohnerbefragung vor der Entscheidung. Da vertrauen wir auf den Rat der Stadt, dass er uns ernst nimmt“, sagt Reitz. „Immerhin haben wir die Umbenennung auszubaden.“

Von Julia Kreykenbohm

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