Dresdner und Rostocker Straße freigegeben

Mit dem Verkehr kommt auch der Ärger

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Der Weg zwischen der Dresdner und der Bremer Straße ist eine beliebte Strecke für Hundehalter. Doch seit auch Autos ihn passieren dürfen, gibt es Ärger.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Der Kastenwagen kommt auf dem asphaltierten Weg entlanggebraust, der die Bremer mit der Dresdner Straße verbindet. Der ist so schmal, dass keine zwei Autos aneinander vorbeifahren können. Als der Wagen sich den Spaziergängern mit ihren Hunden nähert, bremst er ab und fährt an die Seite, sodass zwei Räder über den Randstreifen rollen.

So rücksichtsvoll wünschen sich Andreas Paul, Melanie Stein, Uwe Rinas und anderer Anwohner der Dresdner und Rostocker Straße in Bassum auch andere Verkehrsteilnehmer, die die noch namenlose Straße nutzen. Doch dieser Fahrer sei eher eine Ausnahme. Seit die Straße für den öffentlichen Verkehr zugänglich gemacht worden ist, gibt es Ärger.

„Wenn wir mit den Hunden spazierengehen, werden wir häufig angehupt und beschimpft“, berichtet Stein und erzählt, dass sie von einer besonders rabiaten Autofahrerin sogar schon angefahren worden sei, weil Stein sich geweigert hatte, neben der Straße zu laufen und die Frau nicht einsah, ihr auszuweichen. Andreas Paul nickt zustimmend. Auch bei ihm wäre ein Streit mit einem Autofahrer einmal fast eskaliert.

Das sei nicht immer so gewesen. Jahrzehntelang hätte man die Straße, die nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegeben war, problemlos nutzen können. Doch seit ein paar Wochen sei alles anders. „Da wurden die Verbotsschilder abgenommen und plötzlich durften auch Autos auf der Straße fahren“, berichtet Uwe Rinas.

Keine Gespräche mit den Anwohnern

Niemand habe vorher mit den Anwohnern über diese Neuerung gesprochen, von denen sich einige nun täglich ärgern – und auch Angst haben. „Wenn der Wind stark weht oder man eine Kapuze aufhat, hört man die Autos, die oft mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, nicht kommen. Außerdem nutzen Kinder die Straße als Schulweg, teilweise auch welche, die noch sehr unsicher auf dem Fahrrad unterwegs sind“, sagt Stein.

Paul sorgt sich um die Kinder, die auf der Straße spielen, beispielsweise Inline-Skates laufen. Außerdem sehe man auch häufig Fahrradfahrer und Nordic-Walker.

Er habe schon mit dem Ordnungsamt wegen dieser Probleme telefoniert. „Doch da sagte man uns, die Kinder sollen auf den Spielplatz und wir mit den Hunden zum Petermoor gehen. Die Anwohner sollten sich an den Verkehr gewöhnen, weil an der Straße ohnehin bald ein Baugebiet entsteht. Vermutlich muss erst etwas passieren, bevor man etwas tut.“

„Können über Tempolimit reden“

Was wünschen sich Paul und seine Mitstreiter? „Wir möchten, dass entweder das alte Verbot wieder in Kraft tritt oder zumindest die Autofahrer dazu gebracht werden, ihre Geschwindigkeit den gegebenen Umständen anzupassen – beispielsweise mit einem Tempolimit von 50 Stundenkilometer.“

Über ein Tempolimit könne man gern sprechen, sagt Ordnungsamtsleiter Andreas Abelt auf Nachfrage. Allerdings erst, wenn das Baugebiet erschlossen ist, weil „wenn wir jetzt dort einfach ein Tempolimit setzen, müssten wir auf sämtlichen Gemeindeverbindungsstraßen darüber nachdenken. Zurzeit ist dort keine Wohnbebauung, sondern freies Feld. Aber wenn erstmal Häuser stehen, ändert sich auch die Situation, und wir werden vermutlich eine Gehweg-Anlage bauen.“

Die Arbeiten für das Baugebiet beginnen im Mai. „Die Anwohner müssen sich dann auf weiteren Verkehr einstellen, da Zulieferer und Lastwagen den Weg passieren werden“, so Abelt.

Durchfahrt bleibt in jedem Fall erlaubt

Dass die Stadt das Baugebiet Richtung Döhren ausgewiesen hat, sei auch der Grund, warum die Durchfahrtsbeschränkung aufgehoben worden sei und das werde nicht mehr rückgängig gemacht. Abelt rät, auf andere Strecken auszuweichen: „Wir haben sehr viele schöne Ecken in Bassum.“ Auch für Kinder gebe es attraktivere Orte zum Spielen als diese Straße.

Den Ärger der Anwohner darüber, dass sie im Vorfeld nicht informiert worden sind, kann Abelt zwar nachvollziehen, sagt aber auch: „Es ist nicht üblich, eine Bürgerbefragung durchzuführen, wenn ein Verkehrsschild abgenommen wird. Das würde in uferlose Diskussionen ausarten. Das Straßenverkehrsamt hat den Vorgang abgesegnet.“

Den Anwohnern, die von Autofahrern genötigt und abgedrängt werden, rät Abelt, sich die Kennzeichen zu notieren und Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Schließlich sei dies ein klarer Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

Experten-Einschätzung und ein Tipp für Anwohner

Wolfgang Rehling ist Polizist und Geschäftsführer der Verkehrswacht Diepholz. Wie schätzt er die Situation ein?

 „Ich kann den Ärger der Leute verstehen, aber die Stadt ist im Recht. Eine sofortige Geschwindigkeitsbegrenzung ist nur möglich, wenn eine über das normale Maß hinausgehende Gefährdung vorliegen würde – und die sehe ich in diesem Fall nicht“, so Rehling. Die Autofahrer müssten vom Gesetz her angepasst fahren und das heißt, dass niemand mit 100 Stundenkilometer über die Straße fegen darf, wenn Spaziergänger unterwegs sind. 

Doch was können die Anwohner tun, bis vielleicht eine Geschwindigkeitsbegrenzung kommt? „Sie könnten ein Schild aufstellen, mit dem sie um Rücksichtnahme bitten. Es sollte originell sein, damit es auffällt und wirkt. Wichtig ist, dass es keinem Verkehrsschild ähnlich sieht und nicht den Weg beeinträchtigt.“

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