Wenn die Tasche dich freundlich anlächelt

Ansgar Arbeiter aus Bassum fotografiert Gesichter in Gegenständen

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Nur eine Mütze? Oder ein verdutztes Gesicht? Anders Arbeiter macht die Augen auf und findet spannende Motive. 

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Wen die Tasche anlächelt, die Stecktdose böse anfunkelt, wem das Haus charmant zuzwinkert und das Toastbrot einen verschlafenen Blick zuwirft – der ist nicht unbedingt verrückt. Er teilt nur eine Eigenschaft mit vielen Menschen, unter anderem Ansgar Arbeiter aus Bassum. Denn der sieht überall in seinem Alltag Gesichter. Vor 14 Jahren brachte ihn eine Freundin darauf und Arbeiter begann, verstärkt auf dieses Phänomen zu achten – und seine Beobachtungen mit der Kamera festzuhalten.

Inzwischen verfügt der passionierte Hobby-Fotograf über eine recht stattliche Sammlung. 474 Bilder hat er geschossen. Sie zeigen Gesichter in Gegenständen, Bauwerken oder Lebensmitteln. Bei manchen sieht man es sofort, wie bei einer Tasche, die ein grantiges Gesicht zu ziehen scheint. Bei anderen muss man ein zweites Mal hinschauen, um beispielsweise in dem Eingang einer Kirche einen entsetzten Gesichtsausdruck zu sehen. Letztere Fotos gefallen Arbeiter übrigens besser, weil man diese erstmal auf sich wirken lassen und sich Zeit nehmen muss.

Mit weitaufgerissenen Augen und geöffnetem Mund scheint das Haus den Betrachter anzustarren.

Als Arbeiter mit seinem Hobby begann, hatte er immer eine Alukamera und Wechselobjektive dabei. Denn gezielt auf die Suche nach Motiven geht er nie. Er überlässt es dem Zufall und geht mit offenen Augen durch die Welt. Inzwischen ist das Smartphone sein wichtigster Begleiter geworden. Er knipst in seinem beruflichen Alltag als Informatiker, in der Freizeit und sogar im Urlaub. Wichtig ist ihm, die Bilder nicht zu konstruieren, sondern das abzubilden, was er vorfindet. Das kann auch mal der Belag einer Straße sein oder eine Bierdose, die er auf einem Festivalgelände entdeckt hat.

Wenn die Pizza einen so treuherzig anschaut, bekommt man plötzlich Gewissensbisse.

All seine Schätze hat er digital abgespeichert. Anfangs hat er ihnen noch Namen gegeben wie „Aliengesicht“, „Eierkopp“ oder „Gehäusegesicht“. Doch mittlerweile sind es einfach zu viele. Auch seine Frau hat sich von seinem Hobby anstecken lassen, hält nach Gesichtern Ausschau und schickt ihm welche, wenn sie sie findet.

Hat er bei all den vielen Bildern nie daran gedacht, eine Ausstellung zu machen? Arbeiter schmunzelt und schüttelt den Kopf. Aber eines seiner Bilder hat es schon mal in ein Buch geschafft: „Dinge mit Gesicht“ von Konrad Lischka. Dort hat er einen Kanalschacht abgelichtet, der den Betrachter anzugrinsen scheint.

Angriff der Riesenspinnen! Doch für manch nüchternen betrachter einfach nur ein Kran.

In der Fachsprache heißt die Eigenschaft, überall Gesichter zu sehen übrigens Pareidolie. Es ist ein beliebtes Phänomen auf Fotografien: Auf Twitter folgen mehr als 600 000 Menschen der Seite „Faces in Things“ („Gesichter in Dingen“). Dort werden Bilder von grimmig dreinschauenden Putzmobs oder langnasigen Kleiderhaken veröffentlicht. „Para“ steht im Griechischen für neben oder gegen und „Eidolon“ für Bild oder Form. Pareidolie beschreibt beispielsweise auch, warum Menschen in Wolken Formen erkennen. Verantwortlich dafür ist die Autovervollständigung im Gehirn.

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