Bassumer Sozialausschuss diskutiert

Freiwilligenagentur, ja oder nein?

Im Reparatur-Café Bassum werden immer Ehrenamtliche gesucht, die sich einbringen und engagieren. Eine Freiwilligenagentur könnte vielleicht helfen, sie zu finden. archiv
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Im Reparatur-Café Bassum werden immer Ehrenamtliche gesucht, die sich einbringen und engagieren. Eine Freiwilligenagentur könnte vielleicht helfen, sie zu finden. archiv

Brauchen oder nicht brauchen, das ist in Bassum die Frage. Und zwar in Bezug auf eine Freiwilligenagentur oder auch Ehrenamtsbörse. Das Thema geistert schon eine ganze Weile durch den Raum. Die Arbeitsgruppe Soziale Infrastruktur hat sich ihm angenommen. „Die Einrichtung einer solchen Freiwilligenagentur liegt mir am Herzen“, bekannte der Erste Stadtrat Norbert Lyko, der auch Mitglied dieser Gruppe ist, auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales und Familie.

Bassum - Lyko und seine Mitstreiter haben Kontakt zur Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) hergestellt und sich die Arbeit von Agenturen in der Nachbarschaft wie in Syke angeschaut, sich über Argumente und Kosten informiert.

Dann die Frage: Braucht Bassum sowas? Die Antwort lautete: Nein. Denn die Lindenstadt hat eine gute Ehrenamtsstruktur. Noch. Doch wie ist es in der Zukunft? Wird es auch dann noch genug Ehrenamtliche für die vielen, wichtigen Aufgaben geben, auf die keine Gemeinschaft verzichten kann?

Info-Veranstaltung in den September verschoben

Eine Kristallkugel hat die Arbeitsgruppe zwar nicht, aber sie möchte die Stimmen derjenigen hören, die auf Freiwillige angewiesen sind, wie zum Beispiel das THW. Alle Vereine, Verbände und Institutionen sollten auf einer Info-Veranstaltung im Mai zu Wort kommen und ihre Meinung dazu äußern. Da Corona diesen Plan zunichte gemacht hat, wird die Veranstaltung nun in den September verschoben.

Vorher möchte die Gruppe wissen, wie die Politik über eine Faba (Freiwilligenagentur Bassum) denkt. „Denn wir wollen nichts in Aussicht stellen, was dann nicht kommt“, so Lyko. Das Szenario, dass die Vereine eine solche Agentur befürworten und die Politik sie anschließend ablehnt, möchte er verhindern. „Darum fragen wir Sie, ob Sie den Weg mitgehen würden“, wandte er sich an die Ausschussmitglieder.

Heinz Houben aus der Arbeitsgruppe hatte einen Vortrag vorbereitet, in dem er vorstellte, was solch eine Freiwilligenagentur alles leisten kann. „Sie passt sich den Gegebenheiten jeder Kommune an. Sie kann Brücken zwischen den einzelnen Akteuren bauen, sie aufeinander abstimmen und koordinieren. Sie betreibt Netzwerkarbeit, berät und greift Themen auf. Sie ist Ansprechpartner für alle Fragen und Wünsche rund um das Thema Ehrenamt. Zudem akquiriert und motiviert sie Menschen, die noch nicht ehrenamtlich engagiert sind. Sie wäre auch eine gute PR für Bassum als lebenswerte Kommune.“

Kostenpunkt: Etwa 10.000 Euro

Die Kosten für die Faba würden mit etwa 10 000 Euro zu Buche schlagen, weil eine hauptamtliche Stelle dafür eingerichtet werden müsste. Das sei natürlich eine zusätzliche Belastung für den Haushalt in schwierigen Zeiten. Aber: „Gerade wenn die Wirtschaft schwächelt, muss das ehrenamtliche Engagement gefördert werden“, fand Houben und schloss mit dem Satz: „Bürgerliches Engagement unterstützt die Kommune. Nun sollte die Kommune das bürgerliche Engagement unterstützen.“

Bei den Ausschussmitgliedern kam die Idee für eine Faba gut an. „Ich finde so eine Agentur sehr wichtig“, erklärte Christiane Weitzel (Grüne) und Michael Gillner sagte: „Die Pandemie zeigt, wie wichtig soziale Kontakte und das Miteinander sind. Viele Vereine fürchten derzeit, ehrenamtliche Helfer zu verlieren.“

Jonathan Kolschen (SPD) nannte die Faba „eine sinnvolle Ergänzung“ zum bestehenden Angebot. „Man könnte sie vielleicht am Senioren-Service-Büro andocken.“ Allerdings habe er auch gehört, dass das Land nur eine Freiwilligenagentur pro Landkreis fördere. Lyko erklärte, das prüfen zu wollen.

Fraktionen beraten über Freiwilligenagentur

Für Maria Babic (Die Linke) wäre die Faba mehr als eine Ergänzung. „Es ist eine Koordinierungsstelle, die Sachen bekannt macht und zeigt, was es alles vor Ort gibt.“ Jürgen Falck (Bürgerblock) wollte wissen, was die Hauptaufgabe der Faba wäre: Koordinierung oder neue Felder des Ehrenamts kreieren? „Beides“, erwiderte Hans Dieter Renner von der Arbeitsgruppe und betonte nochmal, dass die Faba niemandem etwas wegnehmen wolle. „Sie soll moderieren und helfen. Viele Vereine brauchen doch Mitglieder, in Bassum und den Ortschaften.“

Mit diesem großen Gedankenpaket wurden die Ausschussmitglieder in ihre jeweiligen Fraktionssitzungen geschickt, wo sie sich damit auseinandersetzen sollen. „In der nächsten Sitzung hätten wir dann gern ein Feedback, ob wir auf dem Weg weitergehen sollen“, schloss Lyko.

Von Julia Kreykenbohm

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