Angelika Schultze aus Nordwohlde möchte das Geschäft neu eröffnen

Dorfladen erwacht aus dem Dornröschenschlaf

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Angelika Schultze (l.) und Architektin Doris Schorling-Lehmkuhl studieren die Pläne. Sie haben noch jede Menge zu tun.

Nordwohlde - Von Frauke Albrecht. Der Dorfladen Nordwohlde soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. In diesem Fall ist Angelika Schultze der Prinz. Anfang 2016 möchte sie die Tür öffnen. „Vielleicht geht es sogar ein bisschen schneller“, sagt sie. „Das hängt davon ab, wie wir mit den Umbauarbeiten voran kommen.“

Ihr Vorhaben hat sich im Dorf mittlerweile herumgesprochen – und es gibt Lob von allen Seiten. Das freut die Mittfünfzigerin, denn ist der Laden erst einmal offen, braucht sie Kundschaft. Die Nordwohlder können also dabei helfen, den Dorfladen wachzuküssen.

Die Menschen müssen sich mit „ihrem“ Dorfladen identifizieren – „auch wenn die Butter vielleicht etwas teurer sein wird. Denn eines steht fest, „ich kann mit den billigen Discountern preislich nicht konkurrieren“, sagt Schultze.

Dafür aber werden die Kunden alles finden, was sie zum Leben benötigen – mehr noch. Angelika Schultze möchte dem Ort wieder den Dorfmittelpunkt zurückgeben. Das Geschäft soll zugleich Begegnungsstätte und Treffpunkt werden. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, einen Kaffee trinken und ein Schwätzchen halten können.

Angelika Schultze hat viele Ideen und nimmt sich die Freiheit, einiges auszuprobieren. Ihr zur Seite steht Freundin und Architektin Doris Schorling-Lehmkuhl. Sie plant nicht nur den Umbau, sondern steht auch mit Rat und Tat zur Seite. So sind beide in den vergangenen Monaten viel unterwegs gewesen, um sich andere Dorfläden in der Region anzuschauen, unter anderem in Dötlingen und Otersen. „Es gibt viele erfolgreiche Modelle“, hat Schultze herausgefunden.

„Ich empfinde das wie ein Puzzle“, sagt sie. Aus vielen Facetten setzt sie sich ein für sie stimmiges Konzept zusammen. Noch längst sind nicht alle Details geklärt. Sie verhandelt zum Beispiel noch mit Firmen die Lieferbedingungen aus.

Die Lebensmittelbranche ist für sie neu. Deshalb erntet sie neben ganz viel Zuspruch auch Skepsis, vor allem von Insidern. Doch davon lässt sich die lebenslustige Frau nicht beeindrucken. Sie ist sich ihrer Stärken bewusst: „Ich kann sehr gut organisieren.“ Schultze hat viele Jahre in Amerika gelebt und gearbeitet, unter anderem für die deutsch-amerikanische Handelskammer im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Stationen waren Hamburg und Luxemburg.

2003 zog die Familie – Schultze ist verheiratet und hat zwei Söhne – zurück in den Norden. „Mein Mann kommt aus der Gegend.“ Bei der Suche nach einem geeigneten Domizil spielte damals die Infrastruktur eine Rolle, erinnert sie sich. Nordwohlde hat einen Kindergarten, eine Schule, eine Bank, und damals gab es auch einen Laden. Als dieser schloss, fand Schultze das sehr bedauerlich. „Ich bin immer daran vorbeigefahren und habe gedacht: ,Da muss doch etwas passieren‘.“

Langsam wuchs in ihr die Idee, dem Dorfladen neues Leben einzuhauchen. Doch noch traute sie sich nicht. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie auf einer Reise durch Schottland auf einen kleinen Laden stieß und mit dessen Besitzerin ins Gespräch kam. „Sie hatte sich erst mit 60 Jahren selbstständig gemacht und sagte zu mir: ,Wenn ich das mit 60 kann, können Sie das doch erst recht‘“, schmunzelt Schultze.

Es dauerte noch einige Wochen. Dann fasste sie den Entschluss, die Besitzer der Nordwohlder Immobilie zu kontaktieren. Schultze wollte nicht mieten, sondern kaufen. „Ich bin sehr glücklich, dass sich das Ehepaar Niehaus dazu entschieden hat, obwohl es einen Nachmieter hatte.“

Derzeit wird das Gebäude komplett saniert, bekommt neue Fenster, neue Leitungen, Dämmung et cetera. Das ganze Programm. Die Wohnung oben soll später vermietet werden. Das Erdgeschoss wird Ladenbereich – mit Sitzecke, Cafébereich und Toiletten. „Mein Ziel ist, täglich zu öffnen. Am besten schon morgens um 6Uhr, um die Pendler abzupassen“, erklärt Schultze. Dass sie das nicht allein schaffen kann, ist ihr bewusst. Sie wird sich Hilfe suchen.

Das Warensortiment soll ein Komplettangebot umfassen – vom Waschmittel bis zum Schreibblock, vom Brötchen bis zur Zahnbürste. „Wenn wir es hinbekommen, möchte ich auch Waren liefern“, sagt Schultze und hat mit diesem Service gerade die älteren Bürger im Blick.

Den Namen des Ladens möchte sie noch nicht verraten. „Ein bisschen muss das Ganze ja auch noch spannend bleiben“, schmunzelt sie. Das neue Schild sei auf jeden Fall schon bestellt.

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