Bestattungskultur im Wandel

Friedhof Bassum bietet neue Formen an

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Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Urnenbestattung.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Max M. hat sich entschieden: Um seinen Angehörigen nach seinem Tod nicht zur Last zu fallen, möchte er anonym bestattet werden. Eine Urne unter dem grünen Rasen, kein Stein, keine Arbeit. Die Angehörigen respektieren seinen Wunsch – doch glücklich sind sie damit nicht. Sie haben später keinen Ort, wo sie innehalten und gedenken, keinen Platz, wo sie Blumen oder ein Grablicht aufstellen können.

Diese Problematik beobachten sowohl Nordwohldes Friedhofsverwalterin Ute Schiermeyer als auch ihre Kollegin aus Bassum, Petra Haase. „Die Leute informieren sich über verschiedene Bestattungsformen, aber sie scheinen weniger mit ihrer Familie darüber zu reden, wie die darüber denkt“, meint Haase. Der Sterbende meine es gut, doch für die Angehörigen sei es oft sehr traurig, keinen Ort zum Trauern zu haben. Viele bereuten später, dem einfach so zugestimmt zu haben.

Die Bestattungskultur hat sich mit der Gesellschaft gewandelt. Das bestätigen die drei Friedhöfe in Bassum, Neubruchhausen und Nordwohlde. „Seit etwas zehn Jahren wird verstärkt nach Urnenbestattungen gefragt“, sagt Sabine Marx, zuständig für Neubruchhausen. Doch daneben gebe es selbstverständlich auch noch die Erdbestattungen und die anonymen Gräber mit Sarg und Urne.

Angebot von Dyaden-Urnengräber

Auch in Nordwohlde entscheiden sich vermehrt Leute für die Urne. „Aus diesem Grund wurde bereits angeregt, demnächst Dyaden-Urnengräber anzubieten“, so Schiermeyer. Dort könnten dann Urnen von Ehepartnern gemeinsam bestattet werden.

Die großen Grabstätten verkleinern sich immer mehr, weil immer seltener ganze Familien zusammen beerdigt werden. „Das liegt daran, dass die Kinder häufig ganz woanders leben.“

Trotzdem sagt Schiermeyer, dass Nordwohlde im Vergleich noch recht traditionell sei. „Sargbestattungen überwiegen und es gibt auch noch Familiengräber.“ Auch gänzlich anonyme Bestattungen gibt es in Nordwohlde nicht. „Auf einer Stele werden die Namen der Verstorbenen festgehalten. Dort dürfen die Angehörigen auch Gestecke, Blumen oder kleine Engel hinstellen, wenn sie mögen“, sagt Schiermeyer.

Auch auf dem Friedhof in Bassum werden Urnen verstärkt nachgefragt, machen aber bislang nur etwa ein Drittel der Bestattungen aus. „Vor etwa zehn Jahren hatten wir etwa eine bis zwei Urnenbestattungen, jetzt sind es 20 bis 30“, sagt Petra Haase. Daneben gibt es die Sargbestattungen und auch die anonymen Gräber. Bei Letzteren haben die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung oft die Trauer der Angehörigen beobachtet, wenn diese keinen Ort zum Gedenken haben. „Darum bieten wir seit ein paar Jahren Partnerschaftsgräber an“, erzählt Friedhofsgärtner Tobias Witte. „Dort gibt es einen Grabstein, Rasen, Dauerbepflanzung sowie eine Stelle für Gestecke oder Schalen. Die Friedhofsverwaltung übernimmt die Pflege. So haben die Angehörigen keine Arbeit und trotzdem einen Ort zum Trauern.“

„Das Interesse ist da“

Und wie ist die Resonanz? „Das Interesse ist da“, sagt Wittke, aber es habe sich wohl noch nicht so herumgesprochen. Außerdem schrecken die Kosten vielleicht auch einige Leute ab.

Doch das Angebot des Friedhofes soll sich noch vergrößern. „Wir planen, bis zum nächsten Jahr auch Baumbestattungen anzubieten“, so Wittke. Besucher hätten deswegen schon angefragt, weil auch andere Friedhöfe dieses Angebot machen. „Wir könnten uns vorstellen, an einer Stelle vier bis fünf Bäume zu pflanzen und dort Urnen beizusetzen.“ Da die Gräber sich immer mehr verkleinern, gibt es auf dem Friedhof viele freie Stellen, die man nutzen kann.

Doch egal, für welche Bestattungsform man sich am Ende entscheidet, es sei wichtig, in der Familie offen und vor allem rechtzeitig darüber zu reden, rät Haase. Die Hinterbliebenen sollten ihre Meinung dazu sagen dürfen, denn letztendlich müssten sie mit der Wahl der letzten Ruhestätte ihres geliebten Menschen leben.

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