Trio Continuum beeindruckt im Vorwerk

Altes im frischem Jazz-Gewand

Jens Piezunka, Martin Flindt und Dirk Piezunka (v.l.) sind das Trio Continuum. - Foto: Kratz

Bassum - Von Angelika Kratz. Auf ein „schönes, kuscheliges Konzert“ freute sich Berthold Kollschen vom Bassumer Kulturforum und sollte nicht enttäuscht werden. Genau die richtige Mischung jazzbegeisterter Musikliebhaber fand sich am Donnerstagabend im Vorwerk der Bassumer Freudenburg ein.

Bevor das Trio Continuum passend zum Luther-Jubeljahr 2017 einen gewaltigen musikalischen Bogen zwischen altbekannten Kirchenliedern vor 500 Jahren und deren „leichter“ Interpretation Richtung Jazz spannte, gab es bei einem Gläschen Wein erst mal lockeren Smaltalk zum Anwärmen.

Für den Auftakt des gut zweistündigen Programms sorgte Psalm 130 „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, den Luther zur Jahreswende 1523/24 vertonte. Nun interpretierten Klarinette, Gitarre und Kontrabass weniger dramatisch die Urängste eines Menschen, denn statt einer dröhnenden Orgel hatte die Jazzvariation von Continuum eher sanfte, dennoch innige Aussagen ohne Blick auf das lodernde Fegefeuer.

Seit 2009 beschäftigen sich Dirk Piezunka (Saxophon, Klarinette, Percussion), sein Bruder Jens Piezunka (Kontrabass, Gesang) und Martin Flindt (Gitarre) mit traditionellen, oft mehrere Jahrhunderte alten Melodien und kleiden sie in ein neues Jazzgewand. Sicherlich für so manchen Zuhörer und Verfechter von traditionellen Kirchenliedern ungewöhnlich. In der Musikliteratur sind Bearbeitungen stets ein Ausdrucksmittel der eigenen Interpretation gewesen. Wenn diese nicht nur bei Johann Sebastian Bach, sondern auch bei Continuum gut gemacht werden, ist das eine Freude für die Ohren.

Das Publikum im Vorwerk kam voll auf seine Kosten und lauschte bekannten Stellen eines „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Passend zur Weihnachtszeit, ertönte ein ganz anderes „Freut euch ihr lieben Christen“. Da platzte es förmlich mit einem lautstarken „sehr schön“ aus einem Zuhörer heraus, denn die Originale aus dem Gesangbuch faszinierten in ihrem frischen Jazzgewand. Mal mehr, mal weniger eng am Thema, gab es statt gesungener Worte fast hörbare Aussagen von Saxophon, Klarinette, Kontrabass, Gitarre und den kleinen Untermalungen der Percussions.

Luther hätte es sicherlich gefallen

Freude mache es, die alten Stücke selber in die Hand zu nehmen und sie mit allem Respekt zu bearbeiten, verriet das Trio. Luther hätte es sicherlich gefallen, die lebendige Interpretation seiner Lieder zu hören, denen dennoch genau die richtige Portion an Ursprünglichkeit erhalten blieb. Die Seele durfte angstfrei in eigene Richtungen schweben, was sicherlich auch an den fehlenden Texten lag.

Beim Lobgesang auf das Osterfest klopfte der Osterhase gewaltig auf den Kontrabass und startete mit Gitarre und Percussion durch in den Frühling zur Auferstehung. „Mit Frieden und Freude fahr‘ich dahin“, ist eigentlich ein Beerdigungslied, machte aber in jazziger Form einfach gute Laune.

„Das ist ein Glücksgriff, Continuum hier zu haben“, konnte das Publikum mit den Organisatoren Berthold Kolschen und Claus Ulbrich nur übereinstimmen. Zugaben wurden gerne gegeben. Nach einem Liebeslied und der „güldnen Sonne“ aus längst vergangenen Zeiten gingen dann doch im Vorwerk die Lichter aus.

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