Alfred Büngen liest im Vorwerk aus dem Tagebuch von Paul Meinheit vor

Mehr als das übliche Seemansgarn

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Alfred Büngen, Chef des in Vechta beheimateten Geest-Verlages, las im Vorwerk der Freudenburg.

Bassum - Von Ulf Kaack. Unterhaltsam und spannend las Alfred Büngen am Donnerstag im Vorwerk aus dem Buch „Die Tagebuchaufzeichnungen des Seefahrers Paul Meinheit von 1889 bis 1905“ vor. Initiator des Literarischen Abends war das Kulturforum und konnte sich über ein volles Haus freuen.

Vor zwei Jahren entdeckte die Bassumerin Ulrike Meinheit die autobiografischen Aufzeichnungen ihres Großonkels Paul Meinheit, in denen er seine Erlebnisse in der weltweiten Seefahrt und seinen Werdegang vom Schiffsjungen zum Schiffsoffizier schriftlich fixiert hatte. Mit erheblichem Arbeitsaufwand übertrug sie die Texte in lateinische Schrift und redigierte sie zu einem druckfähigen Manuskript, das vom Geest-Verlag aus Vechta kürzlich in Buchform präsentiert wurde.

Das Rezitieren aus dem Werk übernahm Verlagsleiter Alfred Büngen höchstpersönlich. Eingangs resümierte er bedauernd darüber, dass maritime Erzählungen in der Vergangenheit äußerst beliebt waren, aufgrund von den heutigen Reisemöglichkeiten und den modernen Medien aber deutlich an Stellenwert eingebüßt haben.

Den Fund der Schriften Meinheits bezeichnete Büngen als kleine Sensation: „Der Mann muss schon in jungen Jahren über einen hohen Bildungsgrad verfügt haben. Seine im ausgehenden 19. Jahrhundert formulierten philosophischen Gedankengänge und naturwissenschaftlichen Schilderungen lassen darauf schließen. Auch sprachlich bewegt er sich auf höchstem Niveau. Was würde dieser Mann wohl sagen, wenn er wüsste, dass sein Buch heute in Bassum vorgestellt wird?“

Im Alter von 20 Jahren ging Paul Meinheit 1889 auf große Fahrt: „Nun heulte der Weststurm mit Windstärke 10 durch die stockfinstere Novembernacht, die Wogen der Nordsee hoch aufpeitschend. Ununterbrochen prasselte der Regen nieder und schwere Brecher überfluteten die machtlos ankämpfende ,Thalassa‘. Bis auf die Haut durchnässt, zitternd vor Frost und sterbenselend stand ich nun zwischen diesen Gesellen an Deck und zog an dem Tau“, las der Verlagsleiter vor den rund 50 gespannt und fasziniert lauschenden Zuhörern.

Das Werk geht auch inhaltlich weit über Seemannsgarn und Brachialgeschichte über Sturm, Wellen und Kap Horn hinaus. Ein Satz beeindruckte Alfred Büngen derart nachhaltig, dass er ihn gleich zweimal vortrug: „Es liegt in der menschlichen Natur, den Gernegroß spielen zu wollen, weswegen ein Weiser gesagt hat, dass, wenn man den eigentlichen Wert eines Menschen berechnen wolle, dann müsse man erst seine Selbsteinbildung subtrahieren.“

Sicher im Vortrag, akzentuiert und mit bassig-sonorer Stimme reflektierte Büngen in hervorragender Weise das Genre. Er nahm das Auditorium mit auf Frachtreisen nach Kalifornien, Montevideo und entfernte Inselgestade in der Südsee. Eindrucksvoll dabei die Betrachtungen des mittlerweile 22-jährigen Seemanns der dortigen Ureinwohner, den Kanaken, und ihrer Kultur. „Dieses Volk müsse gesund sein an Leib und Seele“, schrieb Paul Meinheit 1891. „Und dennoch verringert sich ihre Zahl von Jahr zu Jahr und die Zeit ist abzusehen, wo der letzte Kanake dem Europäer und seiner Kultur den Tribut gezollt hat, wie schon vor Jahren der letzte Tasmanier diese Erde verlassen hat.“

Unbestritten, die abenteuerlichen Reiseberichte von Paul Meinheit sind spannend zu lesen. Doch gehen sie durch ihre detaillierte, philosophische und teils auch kritische Darstellung des Erlebten in ihrer Qualität weit über den Mainstream der maritimen Literatur hinaus. Ein Seestück, das es uneingeschränkt zu empfehlen gilt!

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