Ärger mit Vodafone

Bassumer Unternehmer klagt monatelang über langsames Internet: „Die sitzen das aus“

Peer Klausing von Infinity Labs in seinem Büro in Bassum
+
Jede Menge Technik hat Peer Klausing in seinem Büro. Blöd nur, wenn das Internet nicht funktioniert.

Acht Monate lang hat Peer Klausing, Inhaber einer Werbeagentur in Bassum, immer wieder Probleme mit dem Internet. Die Störungen sind zum Teil so massiv, dass er Aufträge absagen muss. Seinen Verdienstausfall schätzt er auf rund 3000 Euro. Er ist überzeugt: Das Netz ist überlastet. Doch sein Anbieter Vodafone bügelt den Unternehmer immer wieder ab.

Bassum – Die Liste der Mängel ist 300 Seiten lang. Akribisch hat Peer Klausing, Inhaber einer Werbeagentur in Bassum, seine Probleme mit der Leitungsgeschwindigkeit von Vodafone notiert – sogar Screenshots angefertigt. Doch Vodafone reagiert schon lange nicht mehr auf seine Anrufe und Meldungen. Also schaltet Klausing eine Anwältin ein. Doch auch sie hat nur wenig Erfolg. „Vodafone würde es auf eine Klage hinauslaufen lassen. Und dafür fehlen mir als Kleinunternehmer einfach die Mittel. Das wissen die genau“, sagt Klausing. „Die sitzen das aus.“

Angefangen hat alles im vergangenen Jahr. Seit 2014 ist Peer Klausing Kunde. Nie gab es große Probleme. „Einmal 2018, das wurde aber sehr schnell geklärt“, erzählt er. Dann kam Corona und mit der Pandemie die Homeoffice-Zeit. Viele Menschen zuhause – zu viele für das Netz? Es macht sich an seiner Leitung bemerkbar.

„Habe zum Teil nur drei Prozent der gebuchten Leistung zur Verfügung“

„Infinity Labs ist eine Werbeagentur, die zu 95 Prozent online tätig ist“, berichtet Klausing. Die Agentur macht Webprogrammierung und Videoproduktionen. „Sämtliches Material erhalte ich über den digitalen Weg, wie Dropbox oder andere Cloudlösungen. Wenn ich aber größtenteils eine Bandbreite von nur drei Prozent der gebuchten Leistung zur Verfügung habe, ist dieser Transfer nicht möglich.“ Klausing nennt ein Beispiel: Er will ein Video (980 MB) auf Youtube platzieren. „Nach fast zwei Stunden sind gerade mal drei Prozent der 980 MB hochgeladen. Das ist inakzeptabel.“

Bei Vodafone hat Klausing eine Leistung mit einer Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 200 Mbps Download und bis zu 50 Mbps Upload gebucht. „Über mindestens acht Monate brach die Downloadgeschwindigkeit durchschnittlich bis auf 0,013 Mbps herunter“, sagt er. Anfangs noch optimistisch, kontaktiert er Vodafone. Doch die Fehler werden nicht behoben. „Mehrfach habe ich die Störungsstelle angerufen, zum Teil täglich, weil das Ticket vom Vortrag geschlossen war, ohne dass etwas passiert ist.“

Meistens hört er die stereotype Antwort: „Das liegt an ihrer Box. Sie verwenden nicht die Vodafone-Box.“ Klausing nutzt seine eigene Box, weil er einen schnelleren DNS-Server benötigt. Sein Problem: Als Rollstuhlfahrer kann er die Box nicht selbst austauschen, weil er nicht herankommt. Er hat auch keine Mitarbeiter, die das übernehmen können. Also muss er jedes Mal einen externen ITler beauftragen, „der mich 85 Euro die Stunde kostet“. Den Austausch praktiziert er mehrmals. Die Probleme bleiben.

Mehrfach sei ihm zugesichert worden, dass sich ein Techniker meldet. „Das ist nie passiert“, so Klausing.

„Nachts um 1 oder 2 Uhr war die Leitung besser.“

Er kontaktiert Vodafone immer wieder per Mail und zuletzt postalisch mit Einschreiben-Rückschein – wartet vergeblich auf eine Reaktion. Er glaubt auch, den Grund zu kennen. „Da liegt keine Störung vor, das Netz ist überlastet. Nachts um 1 oder 2 Uhr war die Leitung besser. Doch Vodafone schiebt generell die Problematik auf die Kunden ab.“

Einmal hätte er einen Techniker am Telefon gehabt, der ihm den Tipp gibt, den Vertrag zu wechseln und seinen Anschluss von Kabel auf DSL umzustellen. Somit hätte er für denselben Preis eine stabilere Leitung. Mehrmals bittet er Vodafone darum, diese Möglichkeit prüfen zu lassen und ihm die Geschwindigkeit zu garantieren. Er sei auch bereit, mehr zu zahlen. Doch eine solche Prüfung sei bisher nicht passiert.

Klausing muss nach eigener Aussage mehrere Aufträge absagen. Und das in Pandemiezeiten, die ohnehin schon schwierig sind für Selbstständige.

Im Oktober schickt er Vodafone eine erste Rechnung. Stand heute beläuft sich sein Verdienstausfall auf rund 3 000 Euro. „Für mich als Kleinunternehmer ist das viel Geld.“

Anwältin eingeschaltet

Im Februar schickt er seine Mängelliste und Forderungen per Einschreiben mit Rückschein. Auch darauf erhält er keine Rückmeldung. Da platzt ihm der Kragen. Klausing beauftragt eine Anwältin. Die erreicht immerhin eine Antwort: Nach einer Überprüfung habe Vodafone in drei Zeiträumen tatsächlich eine Störung festgestellt. Ihm werden 95,18 Euro gutgeschrieben. „Alle weiteren gemeldeten Störungen lagen nicht in unserem Verantwortungsbereich“, antwortet Vodafone auf das Schreiben der Anwältin.

Und auf die Bitte der Prüfung heißt es hinsichtlich der Umstellung: „Mit Mail vom 6. Januar haben wir ihren Mandanten informiert, wie er einen DSL-Vertrag abschließen kann.“ Und: „Wir können aktuell noch nicht sagen, zu wann wir die Geschwindigkeit anpassen können.“

Seit April ist die Leitung stabil – für Klausing ganz klar ein Zeichen, dass damals eine Netzüberlastung vorgelegen habe.

Eine Anfrage dieser Zeitung bei Vodafone ergibt unterschiedliche Aussagen. Pressesprecherin Tanja Jeanette Vogt räumt in einem Telefongespräch ein, dass es in Bassum im vergangenen Jahr eine „absolute Netzauslastung“ gegeben habe, eben weil viele Menschen im Homeoffice, Homeschooling und durch Kurzarbeit zu Hause waren. Deshalb sei auch kein Techniker zu Peer Klausing gekommen. Dieser hätte keine Abhilfe leisten können. Sie verweist darauf, dass Vodafone Klausing angeboten habe, auf DSL zu wechseln. „Er hätte dazu lediglich in einen Shop gehen oder die ihm mitgeteilte Nummer anrufen müssen.“

Vodafone-Sprecher: „Wir haben dauerhaft in guter Qualität geliefert.“

Ihr Kollege Volker Petendorf widerspricht allerdings zwei Tage später einer Netzauslastung. „Wir haben dauerhaft in guter Qualität geliefert“, sagte er. „Wir haben die gemeldeten Störungen nachgeprüft und lediglich drei ermitteln können.“ Alles andere sei Problem des Kunden. Petendorf verweist auf den privat angeschafften Router Klausings. Er räumt ein, dass die Leitung von Klausing „marode ist und segmentiert werden muss“. Das werde aber erst in zwei oder drei Jahren erfolgen. Ein neuer Verteilerkasten müsse gesetzt werden. Klausing wohne in Einzellage, hätte einen Zugang an einem Feldweg. „Da wird er auch in Zukunft mit Abbrüchen rechnen müssen.“

Der Kunde habe drei Möglichkeiten: Alles zu lassen wie es ist, auf DSL zu wechseln oder aber von seinem Recht auf Sonderkündigung Gebrauch zu machen. Er habe nun vor wenigen Minuten mit dem Kunden telefoniert. „Er möchte alles lassen, wie es ist.“

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Klausing widerspricht: „Er hat mich gefragt, ob der Anschluss auf eine DSL-Telefondose umgestellt werden soll: Nun habe ich endlich erfahren, das dies nur eine Sechs-Mbps-Leitung wäre. Dies wäre eine deutliche Verschlechterung zum jetzigen Anschluss. Ich habe abgelehnt. Auf meine Frage hin, wie es hinsichtlich des Schadensersatzanspruchs weitergeht, sagte er, das könne er mir nicht sagen, würde es aber mit Nachdruck weiter geben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

„Tritte von allen Seiten“: Landwirte zeichnen düsteres Bild ihrer Branche

„Tritte von allen Seiten“: Landwirte zeichnen düsteres Bild ihrer Branche

„Tritte von allen Seiten“: Landwirte zeichnen düsteres Bild ihrer Branche
A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus
Am Sulinger Stadtsee alles, was Wohnmobilisten brauchen

Am Sulinger Stadtsee alles, was Wohnmobilisten brauchen

Am Sulinger Stadtsee alles, was Wohnmobilisten brauchen
Corona-Impfaktionen im Kreis Diepholz: Acht Termine für alle ab 18 Jahren

Corona-Impfaktionen im Kreis Diepholz: Acht Termine für alle ab 18 Jahren

Corona-Impfaktionen im Kreis Diepholz: Acht Termine für alle ab 18 Jahren

Kommentare