Besorgt über Pläne eines Investors

Äbtissin zieht nächste Woche um - Bauarbeiten dauern an

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Äbtissin Isabell von Kameke bezieht nächste Woche ihre neue Wohnung in der Abtei.

Bassum - Wenn Bassums Äbtissin Isabell von Kameke nächste Woche in die Abtei zieht, wohnt sie im wahrsten Sinn des Wortes auf einer Baustelle. Denn die Arbeiten in dem 265 Jahre alten Haus sind lange nicht abgeschlossen. Allerdings haben die Handwerker in den vergangenen Wochen alles dran gesetzt, damit zumindest die künftige Wohnung der Äbtissin bezugsfertig ist. Das scheint zu glücken. Das Bad ist fertig, die Küche kann eingebaut werden, die Zimmer sind tapeziert und gestrichen, sogar Teppich liegt schon.

Auf dem Flur allerdings sieht es anders aus, erst recht im Erdgeschoss. Da sollten sich derzeit die Handwerker die Klinke in die Hand geben – wären sie nicht krank.

Von Kameke nimmt es mittlerweile gelassen. Sie hat in den vergangenen eineinhalb Jahren ganz andere Anekdoten erlebt. Blähton, der nicht trocknen wollte und Fußbodenbretter, in denen sich noch Leben befand.

„Auch wenn es derzeit nicht so aussieht – 95 Prozent der Arbeiten sind fertig“, sagt sie.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich angedeutet, dass der geplante Einzugstermin nicht zu halten ist und auch, dass die Baukosten höher ausfallen. „Wir liegen jetzt bei 1,35 Millionen Euro“, sagt von Kameke. Und das auch nur, weil sehr viele Arbeiten (noch) nicht gemacht worden sind. „Ich sage dazu B-Note, und die kann warten.“ Dazu zählen beispielsweise Arbeiten, die aus Sicht des Denkmalschutzes zwar schön, aber eben nicht zwingend notwendig seien.

Das alte Gemeindehaus ist mittlerweile Eigentum des Stiftes und soll abgerissen werden.

So wurden beispielsweise die historischen Schablonen-Wandfassungen, die die Restauratoren bei der Voruntersuchung entdeckt hatten, nicht rekonstruiert, sondern nur gesichert, damit sie irgendwann einmal bearbeitet werden können.

„Ich bin für das gesamte Stift verantwortlich, nicht nur für die Abtei“, sagt von Kameke. Aus diesem Grund wollte sie sich für die Sanierung der Abtei nicht haushoch verschulden. Zwar hat sie einen Kredit aufgenommen. „Den können wir aber ohne Probleme zurückzahlen“, stellt die Äbtissin klar.

Der Kredit war auch notwendig, weil das Stift zwei zusätzliche Ausgaben zu stemmen hatte. Von Kameke hat der Kirche das alte Gemeindehaus abgekauft. Ebenso bot sich die Gelegenheit, das Haus Stift 5 zu erwerben. „Die Abrissarbeiten für das Gemeindehaus sind bereits vergeben“, sagt sie. Wann allerdings die Bagger anrollen, könne sie nicht sagen. „Da müssen vorher noch die Versorgungsleitungen gekappt werden.“

Aus Sicht des Denkmalschutzes wäre die Schließung der Baulücke sicher wünschenswert. Aber das lasse die finanzielle Situation nicht zu. Deshalb wird die Lücke erst einmal bleiben. Die Mieter nebenan dürfen sich über einen größeren Garten freuen. Die weitere Planung wird sich ergeben.

Hintergrund der Grundstückskäufe ist, dass von Kameke das Stiftsgelände langfristig sichern möchte. Deswegen ist sie etwas besorgt über die Pläne eines Investors, dessen Projekt die Sicht auf den Stiftshügel erheblich versperren könnte. In unmittelbarer Nachbarschaft soll ein Mehrfamilienhaus entstehen.

Ist die Sicht auf den Stiftshügel bald durch ein Mehrfamilienhaus versperrt?

Laut von Kameke ist die Rede von einem Siebenparteienhaus. Denkmalschutz und auch Kirche hätten ebenfalls Bedenken angemeldet. „Das ist doch viel zu groß und passt optisch überhaupt nicht zur vorhandenen Bebauung.“ Von der Optik mal abgesehen, sei die schmale Meierkampstraße für den zu erwartenden Verkehr gar nicht ausgebaut. Es gab bereits Vorgespräche mit der Stadt und den Investoren, die von Kameke nicht sehr optimistisch stimmen.

Da sie sich zeitgleich um die eigene Baustelle kümmern muss, bleibt nicht viel Spielraum, sich in die Materie einzuarbeiten. Denn die Abtei muss fertiggestellt werden, damit die Fördermittel ausgezahlt werden.

Außerdem muss das ehemalige Pfarrhaus an der Querstraße, das der Äbtissin während der Sanierung als Übergangsdomizil gedient hat, am 31. Juli geräumt sein. Wie berichtet, soll dort eine Kindergartengruppe einziehen.

Während von Kameke also nächste Woche Möbel rückt, muss ihre Dechantin Ulrike Schink noch warten. Deren Wohnung im Erdgeschoss ist weit von dem Begriff bezugsfertig entfernt. Immerhin: Der Salon, das künftige Büro und die Archiverweiterung im Erdgeschoss sind fertig. Auch der Vortragsraum steht vor der Eröffnung.

Die Hoffnung, sich am 8. September am Tag des Denkmals beteiligen zu können, hat sich zerschlagen. Wohl aber denkt die Äbtissin daran, Mitte oder Ende September die Öffentlichkeit einzuladen. „Die Klosterkammer hat angeboten, im Rahmen einer Führung die Arbeiten der vergangenen zwei Jahre zu erläutern.“ Auch eine kleine Feier für Handwerker und Förderer ist geplant.

Zur Info: Die Sanierung im Detail

Hintergrund der umfangreichen Sanierung der Abtei ist die dringend erforderliche Erneuerung sämtlicher Leitungen – Heizung, Elektrik und Sanitär. Außerdem wurden die Fußböden ertüchtigt und zusätzliche Dämmung (Stoff aus Lehm und Kork) installiert. Auch eine zusätzliche Blitzschutzanlage wurde eingebaut. Die Baukosten liegen bei rund 1,35 Millionen Euro. Zuschüsse gibt es unter anderem aus dem EU-Fördertopf ZILE vom LGLN Sulingen (120.000 Euro). Die Stadt Bassum steuert 48.000 Euro bei, der Landschaftsverband Weser-Hunte 30.000 Euro, 20.000 Euro gab es von der Bingo-Stiftung, 25.000 Euro von der Sparkassenstiftung. Die Klosterkammer gibt 80.000 Euro – und ihr Know-how.

Insgesamt wird es drei Wohnungen geben, eine für die Äbtissin, in der zweiten soll Dechantin Ulrike Schink wohnen, die dritte soll vermietet werden. Auch eine kleine Gästewohnung gibt es. Der Kapitelsaal blieb von den Arbeiten ausgenommen – er wurde vor der Maßnahme staubdicht verschlossen.

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