Adler-Verbot führt zum neuen Wappentier in Bassum

Bassumer Stadtwappen wird am Sonntag 90 Jahre alt

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Michael Junge hat im Fundus des Archivs noch alte Entwürfe für ein Stadtwappen gefunden. In der anderen Hand hält er einen Aufkleber mit dem aktuellen Wappen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Was haben Lindenblätter, Bärenklauen und weiße Rösser mit Bassum zu tun? Sie zieren das Stadtwappen. Am Sonntag wird es 90 Jahre alt – die Gelegenheit, einen Blick darauf zu werfen. Dabei hilft Bassums Archivleiter Michael Junge. Für ihn ist das Wappen auch nach 90 Jahren „zeitlos, ansprechend und in der Farbgebung nicht übertrieben.“

Um die Jahrtausendwende hätte die Verwaltung durchaus überlegt, ob sie das Wappen gegen ein neueres, moderneres Logo austauschen soll, erinnert sich Junge. Der Gedanke wurde verworfen. „Die richtige Entscheidung“, sagt er seine Meinung.

Ein Erlass des Preußischen Innenministers führte 1926 dazu, dass sich der Magistrat des Fleckens Bassum Gedanken über ein neues Wappen machen musste – Gemeinden wurde das Führen des preußischen Adlers in den Siegeln verboten.

Die Suche gestaltete sich gar nicht so einfach, wie Junge nun herausgefunden hat. Das Wappen sollte den drei ehemaligen Flecken Loge, Bassum und Freudenberg gerecht werden, die sich 1886 vereinigt hatten.

Ein Anwalt aus Verden mit Namen Timke sollte den kreativen Part übernehmen. Er zeichnete mehrere Entwürfe – einige existieren noch und sind im Archiv verwahrt.

Wiederholt legte der Magistrat seine Ideen dem Ministerium vor und bat um Stellungnahme. Dessen Mitarbeiter ließen sich die Ratschläge bezahlen.

Ein früher Entwurf, noch mit dem Löwen als Wappentier.

Die ersten Entwürfe führten noch einen Löwen im Schild. Das Tier fand jedoch nicht die Zustimmung des Ministeriums – dadurch würde die Zugehörigkeit zu Hessen stark betont. Diese sei aber weder die ursprüngliche noch eine dauernde gewesen, ist in einem Schreiben zu lesen.

Die Mitarbeiter rieten, sich des nicht mehr gebrauchten Wappens der untergegangenen Grafen von Hoya zu bedienen, denen der Flecken ursprünglich angehörte – das war die Bärenklaue.

Hauptsymbole sollten drei Lindenblätter an einem Stiel sein, welche die Vereinigung der drei Flecken verdeutlichen sollte. Lindenblätter, weil die Linde der typische Baum Bassums ist.

Das Ganze wird gekrönt von der Mauerkrone, sie stellt die alte Freudenburg dar.

Geteilter Schild

Zwischendrin kam die Idee auf, den hessischen Löwen durch das niedersächsische Ross zu ersetzen. Doch auch diese Idee stieß nicht auf Beifall. „Wo sollte es hinführen, wenn jeder niedersächsische Ort ein Feld seines Schildes mit dem weißen Ross belegen wollte“, schrieb das Ministerium. Der Magistrat aber bestand darauf, die Zugehörigkeit zu Niedersachsen zu dokumentieren, und so einigten man sich auf zwei weiße springende Rosse als Schildhalter. Selbst zu den Hintergrundfarben gab es einen regen Schriftwechsel. Am Ende wurden Grün, Weiß und Gelb die Stadtfarben Bassums. Endergebnis: Geteilter Schild – in der oberen Hälfte sind drei grüne Lindenblätter auf silbernem Grund abgebildet; in der unteren Schildhälfte zwei abgekehrte, rot bewehrte schwarze Bärenklauen auf goldenem Grund. Über dem Schilde die Mauerkrone. Rechts und links als Schildhalter zwei weiße Rosse.

Am 20. Mai 1927 vergab der Magistrat den Auftrag für die endgültige zeichnerische Fassung des Wappens an den Glas- und Porzellanmaler Gustav Völker in Hannover und erhielt für 95 Reichsmark zwei Zeichnungen. Das Preußische Staatsministerium erteilte dem Flecken am 24. September 1927 die Genehmigung zur Führung eines Wappens und eines Dienstsiegels nach Maßgabe der vorgelegten Zeichnungen erteilt.

Die Geschäftsbüchereifabrik König & Ebhardt aus Hannover hat 1927 den lithographischen Schwarzdruck und die ersten drei Gummistempel mit dem Wappen hergestellt.

Zwei Jahre nach Einführung des Wappens erhielt Bassum die Stadtrechte. Verändert wurde das Wappen seither nicht. Es prangt am Rathaus sowie an den Fahrzeugen des Bauhofes und der Feuerwehr, außerdem auf den schriftlichen Zahlungsaufforderungen der Stadt Bassum.

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