Die Angst vor dem Fremden

Abschneiden der AfD schockiert Politiker in Bassum

Bassum - Von Frauke Albrecht. Bereits am Sonntagabend nach der Bundestagswahl ging die Ursachenforschung los. Das Abschneiden der AfD überrascht und hinterlässt bei vielen ein ungutes Gefühl. In Bassum kommt die AfD bei den Zweitstimmen auf 8,8 Prozent. Weniger zwar als die FDP, aber mehr als die Grünen und die Linke. In einigen Wahllokalen bringt es die AfD sogar auf 12 Prozent (GS Mittelstraße).

Was treibt die Bassumer, bei dieser rechtspopulistischen Gruppe ihr Kreuz zu machen? „Die Angst vor dem Fremden“ ist Peter Faßbinder, Ratsherr der Linke in Bassum, überzeugt. Eine völlig unbegründete Sorge, wie er betont. In Bassum seien die Flüchtlinge völlig unauffällig. Er habe mit Bürgern Gespräche geführt, die glauben, die Flüchtlinge würden vieles geschenkt bekommen, während sie sich selbst alles erkämpfen müssen. Faßbinder: „Die Menschen, die das sagen, haben selbst keinen Job. Sie glauben, dass es ihnen ohne Flüchtlinge besser gehen würde. Was nicht der Fall ist. Es ging ihnen schon schlecht, bevor die Flüchtlinge da waren.“

Eike Sellmer: „Mir unverständlich“

Eine Antwort darauf, wie man diese Menschen erreichen kann, hat Faßbinder nicht. „Mehr Überzeugungsarbeit leisten“, sagt er. Er erinnert sich an eine Unterschriftenaktion: Als bekannt wurde, dass Flüchtlinge in die Blumenstraße nach Bassum ziehen, wurden dort Unterschriften dagegen gesammelt. „Später kam eine Anwohnerin und meinte: ,Ich kann gar nicht mehr sagen, warum ich dagegen war.‘“ Sie sei so positiv überrascht vom Zusammenleben.

Thomas Becker (FDP-Ratsherr) wünscht sich ein bisschen mehr Gelassenheit im Umgang mit der AfD. Er ist überzeugt, dass sich die Gruppe ohne viel Zutun selbst zerfleischt. Für den ersten Eklat sorgte Frauke Petry bereits gestern früh.

Vielleicht habe man der AfD in der Vergangenheit zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, so Becker. „Wir haben dringendere Aufgaben. Wir müssen uns auf unsere Arbeit konzentrieren. Wenn wir die richtig machen, wird sich das Problem selbst erledigen“, ist er überzeugt. Es gebe immer eine gewisse Anzahl Menschen, die grundsätzlich unzufrieden seien.

Eike Sellmer (Ratsfrau der Grünen) ist schockiert, dass „Nazis wieder in den Bundestag einziehen. Es ist mir unverständlich. Weil die AfD überhaupt keine Perspektive aufgezeigt hat“.

Sie sieht in Bassum auch keine solche Stimmung, die das Wahlverhalten erklären könnte. „Die Arbeit mit den Flüchtlingen erfolgt völlig unaufgeregt.“

Sie vermutet eine allgemeine Unzufriedenheit – die die Betroffenen bisher in der politischen Arbeit leider nicht geäußert hätten.

Jürgen Laschinski, Vorsitzender des Bürgerblocks im Rat, macht allein Frust verantwortlich für das Abschneiden der AfD. „Viele wollten es den etablierten Parteien einfach mal zeigen. Sie fühlen sich nicht mehr wahrgenommen.“

Bundes- und Landtagswahl - wie groß sind die Unterschiede?

Luzia Moldenhauer (SPD-Ratsfrau und Landtagskandidatin) ist überzeugt, dass es nun darum gehen sollte, die Themen und die bisher erreichten Erfolge in den Fokus zu rücken. „Wir müssen auf das verweisen, was wir erreicht haben und auf diesem Weg versuchen, mit den unzufriedenen Menschen ins Gespräch zu kommen.“

Leider scheuen gerade die Enttäuschten den Dialog, so ihre Erfahrung. „Ich habe wenig Begegnungen, in denen Menschen sagen: ,Ich bin unzufrieden mit ... und deswegen wähle ich die AfD.‘ Sie sagen nur: ,Euch wähle ich nicht.’“ Die Parteien dürften sich von der AfD nicht treiben lassen, so Moldenhauer. „Wir müssen dagegen angehen.“ Dazu gehöre auch, denen, die die AfD wählen, deutlich zu machen, dass sie damit Rechtspopulisten unterstützen.

Was die bevorstehende Landtagswahl angeht, ist sie optimistisch: „Ich denke schon, dass die Menschen zwischen Landtagswahl und Bundestagswahl unterscheiden. Das zeigen die konstanten Umfragewerte.“

„Es gibt offenbar eine Menge Personen, die von den etablierten Parteien enttäuscht sind“, nimmt der CDU-Landtagskandidat Volker Meyer Stellung zum Abschneiden der AfD. „Wir müssen es hinbekommen, diesen Menschen zu erklären, dass wir in den vergangenen Jahren vernünftige und sachgerechte Politik gemacht haben.“

Im Übrigen seien die Themen bei der Landtagswahl ganz andere als bei der Bundestagswahl.

Rubriklistenbild: © dpa

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