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Seit 90 Jahren im TSV Bassum

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Von: Anika Seebacher

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Eine ganz besondere Ehrung beim TSV Bassum: Vereinsvorsitzender Horst Schlottmann (l.) hatte Urkunden und einen Wimpel für Karl-Heinz Boehlke dabei.
Eine ganz besondere Ehrung beim TSV Bassum: Karl-Heinz Boehlke ist seit 90 Jahren im Sportverein. © Seebacher

Karl-Heinz Boehlke kann sich noch genau an den Moment erinnern, als sein Lehrer ihn als Schüler am Reck turnen sah. „Er hat eine Begabung bei mir gesehen und mich daraufhin direkt beim TSV angemeldet“, sagt Boehlke. Offenbar eine gute Entscheidung, denn dem Bassumer Sportverein hält er seit mittlerweile 90 Jahren die Treue.

Karl-Heinz Boehlke ist heute 97 Jahre alt und lebt im Seniorenheim in Bassum, wo er kürzlich Horst Schlottmann empfing. Der Vorsitzende des TSV Bassum überreichte dem langjährigen Vereinsmitglied Ehrenurkunden des TSV und des Landessportbunds Niedersachsen sowie einen Wimpel des Sportvereins anlässlich der neun Jahrzehnte währenden Mitgliedschaft. Die sollen nun sein kleines Zimmer im Seniorenheim schmücken. „Für mich ist es ebenfalls eine Ehre, diese Auszeichnung vornehmen zu dürfen“, bedankte sich Schlottmann für Boehlkes jahrelanges Engagement im Verein. „In der Geschichte des TSV ist es einmalig, dass jemand so lange dabei ist. Ich habe extra in den Büchern nachgeschaut“, berichtete Schlottmann dem Senior.

Turnen war seine große Leidenschaft

Gemeinsam schwelgten sie nun in Erinnerungen. Denn auch wenn es unzählige Bilder von seinen sportlichen Leistungen gibt, am liebsten spricht der 97-Jährige über sein geliebtes Hobby. Als eine Kriegsverletzung Boehlke dazu zwingt, seine Fußballschuhe für immer an den Nagel zu hängen, bleibt seine Leidenschaft für den Sport erhalten. Er spielt Feldhandball und tritt mit dem Team bei diversen Kreismeisterschaften an. Auch beim Tischtennis ist er zeitweise aktiv. Aber sein Favorit bleibt das Turnen, sein Lieblingsgerät ist das Reck – „wegen der Überschläge“, lautet die Begründung.

Immer montags trafen sich die Bassumer Turner zu seinen aktiven Zeiten und studierten ihre Choreografien ein, berichtet Boehlke. Den fünf Kilometer langen Weg von seinem Haus im Ortsteil Wiebusch zur Jahnsporthalle legte er mit dem Rad zurück – bei Wind und Wetter. Nach dem Training haben sich die Sportler gern noch im Vereinsheim getroffen.

Als Sportler und Trainer erfolgreich

1950 machte Boehlke einen Trainerschein. Er gab sein Wissen an Jüngeren weiter. „Das Team hat jahrelang nur erste Plätze gemacht“, ist der 97-Jährige noch heute stolz auf seine Nachwuchsturner. Er selbst fuhr ebenfalls eine Menge Titel in seiner aktiven sportlichen Laufbahn ein: So ist er unter anderem dreifacher Landesmeister im Geräteturnen, 1994 belegte er beim Deutschen Turnfest in Hamburg noch einmal den vierten Platz in seiner Altersklasse. „Sport war mein Leben“, betont Karl-Heinz Boehlke.

Sport war mein Leben.

Karl-Heinz Boehlke (seit 90 Jahren im TSV Bassum)

Das zeigt sich auch, wenn er als Fahnenträger seinen heimischen Sportverein bundesweit präsentieren darf. Er begleitet die Mannschaften beispielsweise nach Berlin, Frankfurt, Dortmund, Bochum und Hannover. „Das war immer eine tolle Sache“, blickt er zurück.

Neben dem Sportlichen sind es die Gemeinschaft und das Miteinander, die Karl-Heinz Boehlke am TSV schätzt. Als er 1945 aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt, ist die Sporthalle des TSV zerstört. In den Abendstunden und am Wochenende packen einige junge Männer an und bauen die Halle mit dem vom Verein zur Verfügung gestellten Material ehrenamtlich wieder auf.

Geselligkeit und Ausflüge

Bis zum Jahr 2000 ist der Hobbysportler noch aktives Mitglied beim TSV – unter anderem bei den Schwerathleten und als Spartenleiter der Wandergruppe. Letzterer bleibt er bis 2016 erhalten. „Wir haben zahlreiche Reisen gemacht und sind viel herumgekommen. Es gibt kein europäisches Land, in dem wir nicht waren“, erzählt Boehlke, als er sich mit dem amtierenden TSV-Vorsitzenden im Wintergarten des Seniorenheims über seinen geliebten Sportverein austauscht, über ehemalige und langjährige Mitglieder spricht, von denen er viele noch namentlich aufzählen kann.

Zwar ist der 97-Jährige nicht mehr so agil wie früher, aber die geistige Fitness ist ihm geblieben. So fällt Karl-Heinz Boehlke sofort auf, dass die Urkunde des Landessportbunds einen Fehler in der Schreibweise seines Namens enthält. Mit dem Versprechen, dass die Urkunde korrigiert wird, sowie einem Gruß aller Vereinsmitglieder beendete Horst Schlottmann schließlich seinen Besuch mit dem Wunsch, in fünf Jahren eine weitere Urkunde überreichen zu dürfen.

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