1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Bassum

130 Jahre alte Erdmannwälder erhalten Auszeichnung samt Image-Film

Erstellt:

Von: Marten Vorwerk

Kommentare

Die Erdmannwälder bestechen durch ihre Baumartenvielfalt und Klimaresistenz.
Die Erdmannwälder bestechen durch ihre Baumartenvielfalt und Klimaresistenz. © niedersächsische Landesforsten

Für einen geplanten Image-Film über die Erdmannwälder durchstreift Alexander Ahrenhold das besondere Waldgebiet zwischen Bassum und Sulingen, das nun eine Auszeichnung verliehen bekommt.

Landkreis Diepholz – Viel mit dem Rad unterwegs war in den vergangenen Tagen Alexander Ahrenhold. Er ist Förster in den Erdmannwäldern, die vom Bund Deutscher Forstleute (BDF) als Waldgebiet des Jahres 2022 ausgezeichnet wurden (wir berichteten), und dreht einen Image-Film. Dabei ist er auf dem 80 Kilometer langen Radweg durch die Erdmannwälder, die sich von Bassum bis Sulingen erstrecken, und auf den Straßen des Südkreises Diepholz unterwegs. 

„Ich merke es noch ein bisschen in den Muskeln“, sagt Ahrenhold bei einem Pressegespräch mit einem Lächeln im Gesicht. 50 Kilometer ist er an einem Tag geradelt. „Ich fahre mit dem Fahrrad große Teile des 80 Kilometer langen Radwegs ab und werde dort bei einigen Stationen auf Forstexperten treffen, die etwas über die Wälder erzählen“, sagt der Förster.

Mit seinem Fahrrad ist Alexander Ahrenhold für einen Filmdreh auf dem Weg durch die Erdmannwälder.
Mit seinem Fahrrad ist Alexander Ahrenhold für einen Filmdreh auf dem Weg durch die Erdmannwälder. © Niedersächsische Landesforsten

Bei der Preisverleihung am 29. April im Gasthaus zur Post in Neubruchhausen, die der Auftakt der Auszeichnungsveranstaltung ist, wird der Film erstmals vor geladenen Gästen gezeigt. Zudem wird an diesem Tag, im Rahmen einer Exkursion, das Erdmanngrab im Erdmannwald besucht. „In den kommenden Wochen und Monaten wird es zudem noch weitere Führungen im Wald geben, die Teil der Auszeichnungsveranstaltung sind“, erzählt Ahrenhold.

Voller Stolz ist Henning Schmidtke, Leiter des Forstamtes Nienburg, über die „besondere Auszeichnung“. Er zählt mehrere Gründe auf, die die insgesamt 2000 Hektar großen Erdmannwälder einmalig machen: „Es ist die Vielfalt an Baumarten und die Naturbelassenheit, die den Wald einzigartig machen“, sagt Schmidtke.

Erdmannwälder bestehen aus etwa 30 Baumarten

Etwa 30 verschiedene Baumarten sind in den Wäldern zu bestaunen. „Dieses Merkmal hat kaum ein Wald in Deutschland“, betont der Forstamtsleiter mit Blick auf unzählige Buchen, Eichen, Erlen, Kiefern, Tannen, Lärchen, Fichten oder Roteichen.

Dass die Erdmannwälder nun ausgezeichnet werden, liegt nicht nur an der Arbeit der vergangenen zehn oder 20 Jahre – es muss weiter zurückgeschaut werden, nämlich ins Jahr 1892. Friedrich Erdmann wurde zu dieser Zeit Oberförster und revolutionierte den Waldbau.

„Erdmann hatte mit der Idee eines Mischwaldes eine besondere Vision“, sagt der ehemalige Revierleiter der Försterei Erdmannshausen, Peter Braunert heute. „Wenn ich mir Aufnahmen von vor hundert Jahren anschaue, kann ich nicht glauben, dass das, was man jetzt hier sieht, daraus entstanden ist.“

Henning Schmidtke pflichtet ihm bei: „Erdmann wollte weg von den einseitigen Kiefern, hin zu bunten, naturnahen Wäldern. Einige Bäume sind mittlerweile mehr als 150 Jahre alt.“

Freuen sich über die Auszeichnung ihres Waldes: (v.l.) Henning Schmidtke, Alexander Ahrenhold, Hendrik Plate, Marco Becker und Peter Braunert, hier an Station zehn des Radweges im Erdmannwald.
Freuen sich über die Auszeichnung ihres Waldes: (v.l.) Henning Schmidtke, Alexander Ahrenhold, Hendrik Plate, Marco Becker und Peter Braunert, hier an Station zehn des Radweges im Erdmannwald. © Marten Vorwerk

Die Forstleute weisen immer wieder auf eine Charakteristik der Mischwälder hin. „Sie sind klimastabil und haben mehrere schwere Natureinflüsse gut überstanden“, sagt Henning Schmidtke. Das liegt daran, dass bei Stürmen beispielsweise bestimmte Baumarten resistenter sind als andere. Somit können bei schweren Einflüssen der Natur die Erdmannwälder nicht komplett in Mitleidenschaft gezogen werden.

Für den BDF war neben „dem Wald an sich“ noch ein weiteres Kriterium entscheidend, um den Erdmannwald auszuzeichnen, sagt Schmidtke. „Es ging ihnen um die Menschen, die für den Wald verantwortlich sind. Wir als Gemeinschaft machen die Musik – ein Wald sieht nicht von Natur so aus. Und unsere sind einfach sehr gut. Natürlich gibt es auch andere schöne Mischwälder, aber wir sind eben einen Tick besser“, erzählt Schmidtke selbstbewusst mit einem Lächeln.

Der Forstamtsleiter wird seinen Posten Ende April freiräumen und ins Landwirtschaftsministerium nach Hannover wechseln. „Ich gebe den Staffelstab aber in gute Hände an Hendrik Plate weiter“, sagt Schmidtke. Plate wird, angefangen mit Friedrich Erdmann, der zehnte Forstamtsleiter des Erdmannwaldes sein. Er blickt voraus und sagt: „Für uns geht es jetzt darum, den Leitgedanken weiterzuführen und die jungen Bäume weiterzuentwickeln.“

Auch interessant

Kommentare