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10. April: Gedenken an Bassumer Kriegstote

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Von: Ute Schiermeyer

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Gedenken der toten Soldaten an der Kriegsgräberstätte in Kastendiek: (v.l.) Uwe Hinrichs, Hermann Horeis, Heiner Meyerholz und Christian Porsch.
Gedachten 77 Jahre nach Kriegsende der toten Soldaten an der Kriegsgräberstätte in Kastendiek: (v.l.) Uwe Hinrichs, Hermann Horeis, Heiner Meyerholz und Christian Porsch. © Ute Schiermeyer

Sie werden nicht müde, der toten Soldaten zu gedenken. Regelmäßig am 10. April treffen sich ehrenamtliche Grabpfleger und Angehörige der Verstorbenen an der Kriegsgräberstätte in Kastendiek, um Blumen niederzulegen und über das Schicksal von 23 getöteten Männern nachzudenken.

Auch im 77. Jahr nach Kriegsende traf sich eine kleine Gruppe an der Gedenkstätte unweit der B 51 in Kastendiek. Zu ihnen gehörte am vergangenen Sonntag abermals Bassums Bürgermeister Christian Porsch, der im Namen von Hinterbliebenen einen Kranz niederlegte.

Geschichts- und Erinnerungstafel erinnert an Geschehnisse

Unter großen Bäumen am Waldrand liegt der kleine Soldatenfriedhof, umrandet von einem schlichten Holzzaun. Auf einem Naturstein sind die Namen von 23 Männern eingemeißelt, die in den letzten Kriegstagen durch ein Artilleriegeschoß ums Leben kamen. Mittlerweile klärt eine Geschichts- und Erinnerungstafel an der Stätte über die schrecklichen Geschehnisse des 10. April 1945 auf. Diese Tafel ist das Ergebnis eines Projekts der Klasse 9a der Oberschule Bassum unter Leitung des Geschichtslehrers Alexander Kandt. Sie wurde im vergangenen Jahr errichtet. Die Schüler hatten sich intensiv mit den Ereignissen beschäftigt und Informationen zu dem Tieffliegerangriff vom 10. April, zum Zweiten Weltkrieg im Allgemeinen und das Kriegsgeschehen in und um Bassum zusammengetragen. Auch die Einzelschicksale zweier Überlebender werden auf der Tafel beschrieben.

Einer der Überlebenden war Henry Horeis, der 60 Jahre lang, bis kurz vor seinem Tod, die Kriegsgräberstätte stets am 10. April besuchte. Diese Tradition übernahm später sein Sohn Hermann Horeis, der mittlerweile jährlich mit seiner erwachsenen Tochter aus dem Landkreis Stade anreist. Beide sind immer noch ergriffen vom Schicksal ihres Vaters und Opas, der wie durch ein Wunder den Angriff überlebte.

Grabpflege durch Ehrenamtliche

Dass die Kriegsgräberstätte in einem einwandfreien Zustand ist und sogar mit frischen Blumen bepflanzt wird, ist dem Engagement Ehrenamtlicher zu verdanken. Nachdem sich Uwe Hinrich und Friedrich Wilhelm Weitkamp jahrelang um die Gräber kümmerten, übernahm im vergangenen Jahr Heiner Meyerholz diese Aufgabe. Er ist ein direkter Nachbar der Gedenkstätte und zudem der Neffe einer Zeitzeugin, die als junge Frau damals einen Aufsatz über das Geschehene geschrieben hatte. Auch diese Eindrücke werden auf der Schautafel geschildert.

„Als die Tafel im letzten Jahr aufgestellt wurde, dachte ich, nun sei das für mich abgeschlossen“, sinniert Uwe Hinrichs. Aber nun sei das „Thema aktueller denn je“. Der pensionierte Lehrer holt die aktuelle Ausgabe einer überregionalen Zeitung hervor. Sie trägt die Schlagzeile „Ist dieser Wahnsinn noch zu stoppen?“. Sofort beginnt die kleine Gruppe über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Alle zeigen sich betroffen, dass es nun doch wieder einen Krieg in Europa gibt. Eine Situation, die sie vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten hätten.

Virtueller Besuch der Kriegsgräberstätte

Die Geschichts- und Erinnerungstafel in Kastendiek kann man übrigens auch auf der Internetseite des Volksbundes Niedersachsen anschauen (über die Suchvorrichtung – Kriegsgräberstätten – Bassum).

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