Zwölf Mitglieder verlassen Rat der Samtgemeinde Barnstorf 

Keinerlei Scheu vor dem Ehrenamt

Frisch gedruckte Bildbände und weitere Präsente zum Abschied aus dem Rat der Samtgemeinde Barnstorf: Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers (2.v.l.) dankte zahlreichen Ratsvertretern für ihr Engagement (v.l.): Ute Schmale, Peter Luther, Wilfried Heitmann, Dieter Lindenberg, Werner Tinnemeyer, Michael Bellmann, Theo Runge und Cord-Hinrich Egelriede. - Foto: Speckmann

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. „Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben!“ Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers bediente sich bei Wilhelm Busch, einem der einflussreichsten humoristischen Dichter dieses Landes, als er sich am Dienstagabend den ausscheidenden Mitgliedern des Barnstorfer Samtgemeinderates zuwandte.

Unter dem Titel „Nur kein Ehrenamt“ verlas der Verwaltungschef einige Verse, die in vortrefflicher Weise mögliche Schattenseiten eines Ehrenamtes darstellen. Doch davor hatten die zwölf Männer und Frauen, die zum Teil über Jahrzehnte in der Kommunalpolitik aktiv waren und nun ihren Hut nahmen, offenbar keinerlei Scheu. Für die Arbeit galt ihnen zum Abschied besonderer Dank.

In seinen einleitenden Worte stellte Lübbers fest, dass sich das Gesicht des Rates mit Ende der Amtszeit am 31. Oktober wandeln wird. „12 von 29 Mitgliedern ist schon eine erhebliche Anzahl und bedeutet eine gravierende Veränderung des Rates“, sagte Lübbers. Bei den vorherigen zwei Wahlperioden habe es weniger Wechsel gegeben. Mit Blick durch die Reihen fügte der Samtgemeindebürgermeister hinzu, dass dem künftigen Rat nur noch vier Vertreter angehören würden, die schon bei seiner Amtsübernahme im Dezember 1998 dabei gewesen seien.

Lübbers würdigt Aufwand auf Samtgemeindeebene

Ein Blick in die kommunalpolitischen Werdegänge und in die Statistik machte deutlich, wie viele Sitzungen und sonstige Veranstaltungen die Ratsvertreter in den zurückliegenden fünf Jahren bewältigt haben. Lübbers würdigte diesen enormen Aufwand auf Samtgemeindeebene und dankte den ausscheidenden Mitgliedern im Namen von Rat und Bevölkerung für ihr Engagement.

Der Samtgemeindebürgermeister merkte aber auch an, „dass gerade in dieser Wahlperiode nicht immer ein freundliches Miteinander herrschte. Es kam teilweise zu persönlichen Angriffen, die meines Erachtens nichts in der kommunalpolitischen Auseinandersetzung zu suchen haben.“ Ziel sollte es sein, künftig wieder enger zusammenzuarbeiten. Konflikte und Streit gehörten zur kommunalpolitischen Auseinandersetzung. Aber alle Beteiligten sollten respekt- und würdevoll miteinander umgehen. „Nur so können wir unsere lebenswerte Samtgemeinde positiv gestalten!“

Wilfried Heitmann verabschiedet

Mit Wilfried Heitmann wurde das „kommunalpolitische Urgestein der Samtgemeinde Barnstorf“ verabschiedet. Der SPD-Mann aus Drentwede hatte 42 Jahre dem Samtgemeinderat angehört. Er sei der letzte amtierende Ratsherr aus der Gründungszeit der Samtgemeinde und habe alle Entwicklungen begleitet. „Das ist schon eine Leistung“, stellte Lübbers anerkennend fest. Seine jüngste Funktion als Ratsvorsitzender habe Heitmann mit einer persönlichen Note gewürzt.

Große Anerkennung galt CDU-Mann Peter Luther aus Barnstorf, der 30 Jahre lang ohne Unterbrechung dem Samtgemeinderat angehörte, in diversen Ausschüssen mitwirkte und den Posten des stellvertretenden Samtgemeindebürgermeisters bekleidete. Fraktionskollege Cord-Hinrich Egelriede verbuchte 25 Jahre, davon fünf Jahre als Ratsvorsitzender. Seine Interessen hätten seiner Heimatgemeinde Eydelstedt gegolten, so Lübbers, aber er habe immer wieder auf die Zusammenarbeit im Interesse der Samtgemeinde hingewiesen.

Ein „bewegter Werdegang“ wurde Theo Runge aus Drebber attestiert, der sich 20 Jahre im Rat engagierte. Er war in der letzten Wahlperiode von der CDU zur ABO gewechselt. Ihm hätten die Belange der Landwirtschaft am Herzen gelegen. Die Themen seien nicht ganz einfach gewesen, aber er habe versucht einen Ausgleich zu schaffen, lobte Lübbers. Auch Werner Tinnemeyer, SPD-Ratsherr aus Barnstorf, der die Samtgemeinde in vielen Bereichen mitgestaltet habe, verabschiedete sich nach 20-jähriger Tätigkeit aus der Kommunalpolitik. Der Eydelstedter CDU-Ratsherr Lutz Imhof, der in der letzten Sitzung nicht anwesend war, konnte zehn Jahre Ratszugehörigkeit verbuchen. Auch Ute Schmale (SPD, Drentwede), deren Wurzeln laut Lübbers in der Jugendarbeit lagen, verbuchte zwei Wahlperioden.

Astrid Wenzel (FDP, Barnstorf) und Dr. Horst Gaumann (ABO, Eydelstedt), beide fünf Jahre im Rat aktiv, waren am Dienstagabend nicht anwesend. Zeitgleich mit ihnen war auch Michael Bellmann in den Rat eingezogen. Er habe sich für die Belange seiner Gemeinde Eydelstedt eingesetzt und die Verbindung zur Samtgemeinde hergestellt, sagte Lübbers. Dieter Lindenberg war im Jahr 2014 nachgerückt. Der Sozialdemokrat aus Drebber hatte dem Rat bereits von 1986 bis 2011 angehört. Wolfgang Meyer (ABO, Eydelstedt), der zu Beginn dieses Jahres in den Rat nachgerückt war, war am Dienstagabend nicht anwesend.

Für Wilfried Heitmann war es die letzte Sitzung als Ratsvorsitzender und zugleich der Ausstieg aus der Kommunalpolitik. Er hob in seinen Abschiedsworten den Stellenwert der ehranmtlich tätigen Kommunalpolitiker hervor, die weder Reichtum noch Lob oder Anerkennung ernten würden. Die Bürger dürften mit Recht stolz auf die Ratsvertreter sein. In diesem Zusammenhang hob der Drentweder die Bedeutung von Bürgernähe hervor.

Etwas besorgt zeigte sich Heitmann aufgrund egozentrischer Verhaltenweisen, die in der Gesellschaft zunehmen würden. Dies dürfe nicht dazu führen, dass sich politische Vertreter immer mehr in Splittergruppen zusammen finden würden, um partielle Interessen durchzusetzen. Eine Gesellschaft lebe immer gut, wenn sie Meingungen frühzeitig austausche, stellte Heitmann fest – und ergänzte: „Eine konstruktive Streitkultur hat noch niemandem geschadet, aber viele bereichert!“

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