Zwei tote Schafe auf Weide in Bockstedt

Wieder Risse in Wohnnähe

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Kein schöner Anblick: Spuren deuten darauf hin, dass die Schafe am Samstagmorgen in der Nähe des Wohnhauses erlegt wurden. Besitzer Werner Plümer holte das Pony am Abend in den Stall.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann und Matthias Niehues - Der jüngste Vorfall liegt erst eine Woche zurück. Ein Wolf macht kurz vor Mitternacht Jagd auf zwei Schafe in Wohlstreck, wird dabei von einer Überwachungskamera auf einem Hof gefilmt. Am Samstagmorgen nun der nächste Übergriff in der Samtgemeinde Barnstorf. Wieder auf Schafe, wieder getötete Tiere, wieder ganz in der Nähe eines Wohnhauses.

Es muss gegen fünf Uhr in der Früh gewesen sein, als sich der vierbeinige Jäger dem Anwesen der Familie Plümer in Bockstedt näherte. „Ich hatte gehört, dass der Hund im Zwinger bellt“, berichtete Werner Plümer. Doch der Hofbesitzer ließ sich von dem Geräusch nicht aus der Ruhe bringen. Erst nach dem Frühstück, als er zum Füttern auf die angrenzende Weide ging, sah er das Ergebnis dessen, was sich wenige Stunden zuvor in nur 30 Meter Entfernung vom Wohnhaus abgespielt haben muss. Beide Schafe wurden getötet. Das Pony blieb unversehrt.

„Bei einem Schaf war der Schinken richtig angefressen, es waren sogar einige Rippen abgebrochen“, schilderte Plümer den schockierenden Anblick des blutüberströmten Kadavers. Das zweite Nutztier sei ebenfalls gerissen worden, sagte er. Es habe einige Meter entfernt am Rande der Weide gelegen, die mit einem rund ein Meter hohen Elektrozaun gesichert sei. Möglicherweise habe der Wolf versucht, das Schaf durch den Zaun zu ziehen, vermutete der Besitzer.

Dass es sich wie schon eine Woche zuvor im rund neun Kilometer entfernten Wohlstreck um einen Wolf gehandelt haben muss, daran hat der Bockstedter keinen Zweifel. Auch für Wolfsberater Gunnar Dieke, der sich im Laufe des Tages ein Bild von dem Übergriff machte, ist der Fall ziemlich klar. „Die Spuren an den Schafen und in der Weide sind recht eindeutig“, erklärte Dieke. Er habe bei beiden Tieren DNA-Proben entnommen, die nun in einem Labor in Hannover untersucht würden.

Aus Sorge, dass der Wolf noch einmal zurückkehren könnte, ging Werner Plümer am Samstagabend auf Nummer sicher. Auf Anraten des Wolfsberaters sperrte er „Fritzi“, das Pony seiner Enkelkinder, zum Schutz in den Stall. Angesichts der vielen Wolfsrisse, die sich seit geraumer Zeit in der Region ereignen und Tierhaltern Schaden zufügen, forderte der Bockstedter ein Handeln der Politik. „Ich bin dafür, dass der Wolf entnommen wird!“

War auch in Bockstedt und Wohlstreck wieder die Goldenstedter Wölfin aktiv, die so oft Einzäunungen überwunden hat, die eigentlich als wolfssicher gelten? Wolfsberater Dr. Marcel Holy und seine Kollegen Dr. Torsten Schumacher und Bernard Eilers sowie Frank Fass (Wolfcenter Dörverden) haben jetzt in einem ersten Bericht die Wolfsübergriffe auf Nutztiere näher analysiert und dem Umweltministerium zur Verfügung gestellt, um einen Beitrag zum Monitoring zu leisten. Demnach hatten die Wolfsberater im Territorium der Goldenstedter Wölfin, die seit Frühjahr 2014 hier ansässig ist, von Anfang November 2014 bis Ende Januar 2016 insgesamt 61 Fälle von Nutztierrissen zu untersuchen. Betroffen waren 202 getötete, verletzte und vermisste Tiere.

In 37 Fällen konnte Wolf als Verursacher amtlich festgestellt werden, davon 24 Mal im Landkreis Diepholz, zwölfmal im Landkreis Vechta und einmal im Landkreis Oldenburg. Bei acht Fällen wurde ein anderer Verursacher wie Hund oder Fuchs festgestellt, oder es war keine Beurteilung möglich. Allerdings bemängeln die Experten, dass noch immer DNA-Ergebnisse zu 16 Rissen fehlen.

Während ein verantwortlicher Mitarbeiter des mit der Analyse beauftragten Senckenberg-Instituts kürzlich erklärte, alle Proben für Niedersachsen seien abgearbeitet, müssen Tierhalter oft monatelang auf Ergebnisse und damit auch auf die Ausgleichszahlungen ihrer Schäden warten. Das Wolfsbüro erklärt dies jetzt unter anderem mit einer „Nachbeauftragung von Rückstellproben, wenn die erste Analyse kein eindeutiges Ergebnis gebracht“ habe. Es fehlt aber auch noch das Ergebnis eines Kälberrisses in Südlohne von Herbst 2015, der laut Wolfsbüro eigentlich mit Priorität untersucht werden sollte.

Wegen der noch fehlenden DNA-Nachweise gibt es für den Landkreis Diepholz bisher den Wolfsnachweis für 90 getötete, verletzte und vermisste Nutztiere (78 Schafe und Ziegen, 11 Damwild, 1 Rind), im Landkreis Vechta 57 Schafe und im Landkreis Oldenburg fünf Schafe. Auffällig ist, dass es keinen genetischen Nachweis für mehr als einen Wolf gibt. Immer dann, wenn bei Rissen ausreichend DNA-Material für eine Individualisierung zur Verfügung stand, konnte nur die Goldenstedter Wölfin als Verursacherin nachgewiesen werden.

Auffällig ist auch, dass von den 37 bisher nachgewiesenen Fällen bei 23 Übergriffen diese in der Nähe von menschlichen Wohnhäusern stattfanden (näher als 50 Meter), bei 33 Fällen war der wolfsabweisende Grundschutz zudem nicht erfüllt. Wiederholt wurden von der Goldenstedter Wölfin aber auch nachweislich Zäune überwunden, die eigentlich als wolfssicher gelten.

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