Lars Roshop ist Sommelier

500 Weine in zwei Monaten - um die Geschmacksnerven zu trainieren

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Lars Roshop bei der Weinprobe: Für ein Geschmacksprofil bewertet er das Aussehen, den Geruch und den Geschmack des Weins.

Lars Roshop ist seit fast genau einem Jahr Weinsommelier – sowohl von der Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch international anerkannt.

Barnstorf - Lars Roshop trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd, dazu eine hellblaue Krawatte. Er steht von einem roten Sessel einer Sofaecke mit flachem Couchtisch im Eingangsbereich des Hotels Roshop auf, geht über den blauen Teppich mit weißen Punkten an der Rezeption vorbei und verschwindet in einem Zimmer.

Kurz darauf kommt der 28-Jährige zurück. Er hat ein Weinglas in der Hand, nicht einmal halb voll. „Das ist ein Primitivo aus Apulien in Italien“, sagt Roshop und stellt das Glas mit dunkelrotem Inhalt auf dem Couchtisch ab. Er setzt sich auf ein rotes Sofa, macht es sich gemütlich.

Alleinstellungsmerkmal in der Region

Lars Roshop ist seit fast genau einem Jahr Weinsommelier – sowohl von der Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch international anerkannt. „Ich habe zwei Prüfungen gemacht, weil man die IHK im Ausland fast nicht kennt“, erklärt er. Auf die Idee, Sommelier zu werden, ist er gekommen, um dem Hotel im Familienbetrieb ein Alleinstellungsmerkmal zu verleihen. „In der Region gibt es sonst keine Weinsommeliers und auch wir hatten vorher niemanden im Hotel, der sich so richtig mit Wein auskannte“, sagt er.

Seit November 2017 arbeitet er im Barnstorfer Familienbetrieb. „Ich bin staatlich geprüfter Betriebswirt. Davor habe ich Erfahrungen in Hotels in Deutschland und Österreich gesammelt“, sagt er. Der Großteil seiner Aufgaben im Hotel sind nach wie vor betriebswirtschaftlicher Art. Seit er Weinsommelier ist, kümmert er sich um den Einkauf und die Auswahl des alkoholhaltigen Getränkes. „Jeder hat seine Lieblingsweine. Meiner ist der Cabernet Sauvignon“, sagt er. Diese Rotweinsorte hat ihren Ursprung in Bordeaux. „Damit arbeite ich gerne. Mit der Zeit bin ich aber auch ein Fan von italienischen Weinen geworden.“ Wenn ein Hotelgast eine Empfehlung braucht, dann ist Lars Roshop der richtige Ansprechpartner: „Ich gehe dann auf die Wünsche der Gäste ein und biete eine Auswahl an.“

Farbe, Klarheit und Schlieren

Diese Aussagen kommen von einem Mann der über sich selbst sagt: „Ich war früher eher ein Biertrinker.“ Durch seinen Beruf ist er aber immer öfter mit Wein in Berührung gekommen. „Ich mag Bier zwar immer noch, aber heute bin ich eher zum Weintrinker geworden.“

Roshop greift zum Weinglas. Er hält es gegen das Licht und beäugt die dunkle Flüssigkeit. „Man macht bei einer Weinprobe immer ein Geschmacksprofil“, erklärt er. Dabei bewertet der Barnstorfer zunächst das Aussehen des Weins: „Ich achte auf die Farbe, die Klarheit und welche Schlieren der Wein am Glas hinterlässt.“

„Erste Einschätzung kann sich ändern“

Im zweiten Schritt geht es um den Geruch. Dafür führt der Sommelier das Glas dicht an seine Nase heran. Zwei-, dreimal atmet er tief ein. Es wirkt so, als sortiert er in Gedanken alle Informationen, die sein Geruchssinn gerade an das Gehirn weitergibt. „Beim Geruch achte ich darauf, ob der Wein süß oder trocken riecht, welche Aromen und Noten dabei sind“, sagt Lars Roshop. Erst dann setzt er zum Trinken an, um den Geschmack zu bewerten.

Den Wein behält er beim ersten Schluck einige Zeit im Mund. Danach folgt ein zweiter Schluck. „Die erste Einschätzung kann sich beim zweiten Eindruck ändern. Deswegen nimmt man mehrere Schlücke“, erklärt er. Auch der Geruch kann sich stark vom Geschmack unterscheiden. „Der Wein kann süß riechen, aber auf der Zunge merkt man dann manchmal, dass er staubtrocken ist“, sagt er mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Zweiwöchiges Praktikum

Theoretisch kann jeder Weinsommelier werden. „In meinem Kurs waren Leute aus allen möglichen Bereichen. Das ging vom Einzelhandel bis zum Restaurant“, blickt der 28-Jährige auf seine Ausbildung am Gastronomischen Bildungszentrum in Koblenz von Januar bis März 2019 zurück. Zuvor machte er im September 2018 ein zweiwöchiges Praktikum beim Weingut Albert Kallfels an der Mosel, um sich für die Sommelierschule zu qualifizieren. Dort hat er alle Prozesse von der Traubenlese bis zur Etikettierung der Flasche erleben können. „Ich habe dort auch meinen eigenen Wein kreiert“, erzählt Roshop stolz. Dafür hat er die Trauben eigenhändig gelesen. Auf dem Etikett des Weins steht „Merler Adler – geerntet von Lars Roshop“.

In Koblenz lernte er dann, seine Geschmacksnerven zu trainieren. „Ich habe in den zwei Monaten ungefähr 500 Weine getrunken“, schätzt er. Am Anfang der Ausbildung zum Sommelier fühlte er sich überfordert. Er war sich nicht sicher, ob er es schaffen kann, jeden Wein richtig einzuschätzen und zu bewerten. „Aber mit der Zeit kam da einfach eine gewisse Routine rein. Irgendwann ging das einfach so von der Hand weg“, erklärt er.

Zweimonatige Ausbildung

Es gab keinen Tag in der zweimonatigen Ausbildung, an dem Lars Roshop keinen Wein getrunken hat. „Ich war aber natürlich nicht jeden Tag betrunken“, erzählt er lachend. Oft gab es nur einen kleinen Probierschluck. Für den Rest, der nicht getrunken wurde, hatte jeder Kursteilnehmer seinen eigenen Spuckbecher.

Roshop lernte in Koblenz auch die eher trockenen Grundlagen zum Weinanbau, der Weinrebe und der Weintraube, um das fertige Endprodukt besser verstehen zu können. Die Düngung spielt zum Beispiel eine große Rolle beim Geschmack des Weines. Das hat er bei der Ausbildung gelernt. „Einmal haben wir einen Wein, der mit dem eigenen Most gedüngt wurde, und einen künstlich gedüngten Wein zum Probieren bekommen“, erinnert er sich. „Der mit Most gedüngte Wein wirft mehr Aromatik hervor und hat mineralischer geschmeckt.“

Abschluss mit Note zwei

Die Sommelierschule hat Lars Roshop mit der Note zwei abgeschlossen. Jetzt freut er sich, dass er keine klassische Schule mehr besuchen muss. „Ich möchte nicht mehr stumpf auswendig lernen. Das reicht jetzt auch. Ich werde kein Barrista, Teeexperte oder Wassersommelier mehr“, sagt Lars Roshop und nimmt einen letzten Schluck vom Primitivo aus Apulien.

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